Tutorial: Parallele Kompression

2

Die parallele Kompression – auch bekannt als New-York-Style-Kompression oder Motown-Trick – ist ein sehr interessanter Audio-Effekt, der aus der modernen Musik nicht mehr wegzudenken ist. Viele Toningenieure nehmen diesen Effekt nicht nur für Drums (Schlagzeug), sondern auch für Vocals, Bass, Gitarre und die restlichen Instrumente in einem Song. Was der Audio-Effekt bedeutet und wie ihr diesen am besten einstellt, erfahrt ihr in diesem Tutorial.

Was bedeutet die parallele Kompression? Letztendlich bedeutet es, dass ein Audio-Signal zunächst übertrieben komprimiert wird. Anschließend wird dieses heftig komprimierte Audio-Signal (pumpen) dem originalen Audio-Signal (parallel) etwas hinzugemischt. Das Ergebnis: Die Sounds springen dich mehr an. 🙂

Wie stelle ich fest, ob mein Mix parallele Kompression benötigt? Um beurteilen zu können, wann ein Mix gut klingt, brauchen wir einen Gradmesser. Als Gradmesser eignet sich wunderbar ein professioneller und kommerzieller Song. So einen Song findest du beispielsweise in den Charts. Das ist die Soundqualität, die der Hörer gewohnt ist, wenn er das sogenannte „Hit-Radio“ einschaltet.

Beim Vergleich zwischen Referenzsong und deinem Mix achte auf den Gesang, die Drums, den Bass und die restlichen Instrumente. Stellst du nachdem du die Mischverhältnisse hergestellt, den Summen-Kompressor und den Summen-EQ eingefügt, die primären Spuren – falls nötig – mit EQ und Kompressor verfeinert hast, fest, dass Drums im Referenzsong

  • größer klingen,
  • detailreicher sind,
  • und/oder mehr Punch haben – als ob der Schlagzeuger im Referenzsong mit mehr Leidenschaft auf seinem Drumset (Schlagzeug) einen tollen Groove gespielt hatte.

wird es Zeit für die parallele Kompression.

Parallele Kompression einstellen

Ich stelle dir 3 Methoden vor, wie du einem Audio-Signal die übertrieben eingestelle Kompression hinzufügst. Zunächst wird die Return-Send-Kanal-Methode, auch Aux-Send-Kanal genannt, vorgestellt. Diese verwende ich sehr häufig.

Ich möchte dir diese Methode mit der in Deutschland häufigsten verwendeten Tonstudio-Software Cubase zeigen. Falls du Cubase besitzt, empfehle ich dir, alle Schritte gleich auszuprobieren. Du kannst natürlich das Routing auch mit jedem anderen Audio-Sequenzer einstellen (z.B. Pro Tools, Ableton live, Repear, Logic Pro X, Presonus Studio One, Samplitude).

Wir stellen nun zum besseren Verständnis die parallele Kompression anhand eines Beispiels ein. Das Beispiel-Routing: In unserem Mix haben wir insgesamt 6 Drumspuren:

  1. Kick
  2. Snare
  3. Hi-Hat
  4. Crash
  5. Shaker
  6. Conga

Erstelle diese Drumspuren. Du kannst gerne auch andere Drums nehmen oder auch weniger. Wie wäre es nur mit einer Kick, Snare und einer HiHat? Deine erstellten Drumspuren sollen nun durch einen (Gruppen-) Bus verlaufen.

In einem (Gruppen-) Bus verlaufen alle gewünschten Audio-Signale zusammen.

Dazu klicke in Cubase oben im Menü auf „Projekt“, „Spur hinzufügen“ und dann auf „Gruppe“. Du kannst im (Gruppen-) Bus – falls nötig – den gesamten Ton der Drums mit entsprechenden Plugins formen. Ich nenne den (Gruppen-) Bus „Drumbus“.

Zusätzlich fügst du einen Aux-Kanal (in Cubase wird dieser Effektkanal genannt) hinzu. In diesem Aux-Kanal öffnest du einen Kompressor im Insert. Im Beispiel nehme ich den MJUC-Kompressor von der Firma Klanghelm. Nimm am Anfang erst mal irgendeinen Kompressor. Zudem benenne ich den Aux-Kanal „Drumcrush“.

Als nächstes müssen wir alle Spuren miteinander verbinden. Damit die Drumspuren (Kick, Snare, Hihat, Crash, Shaker, Conga) in den Drumbus verlaufen, klickst du im Cubase-Mixer auf „Routing“.  Es öffnet sich ein neues Bedienfeld.

Das Bedienfeld „Routing“ in Cubase.

Nun könntest du bei jeder Drumspur auf „Stereo Out“ klicken und die Spur „Gruppen-Drumbus“ auswählen. Schneller ist es, wenn du auf die Spur „Kick“ klickst, sodass diese Spur aktiviert ist und anschließend mit gedrückter Umschalttaste und einem Mausklick auf die Spur „Conga“ klickst. Nun „leuchten“ bzw. sind alle Drumspuren ausgewählt.

Im Mixer einfach auf den Namen „Kick“ klicken. Die Spur „Kick“ ist ausgewählt. Nun halte die Umschalttaste gedrückt und klicke mit der Maustaste auf den Namen „Conga“. Alle Drums sind nun markiert.

Als nächstes klickst du oben im Mixer unterRouting“ auf „Stereo Out“ und wählst die Gruppenspur „Drumbus“ wieder mit gedrückter Umschalttaste und einem Mausklick aus. Alle Drum-Spuren verlaufen nun nicht gleich zur Summe (Stereo Out), sondern zunächst in die Gruppe „Drumbus“. Zum Überprüfen drücke „Play“. In der Gruppe „Drumbus“ muss nun ein Pegel zu sehen sein.

Drücke auf „Stereo Out“. Es öffnet sich ein Menü. Mit gedrückter Umschalttaste klickst du nun auf „Gruppen – Drumbus“. Durch die gedrückte Umschalttaste wechseln alle markierten Drumspuren auf „Drumbus“. Das spart Zeit.

Im nächsten Schritt klickst du im (Gruppen-) Bus „Drumbus“ unter „Send“ auf das obere freie Feld und wählst die Spur bzw. den Effektkanal „Drumcrush“ aus.

Klicke im Mixer in der Gruppe „Drumbus“ unter „Sends“ in das freie Feld und wähle den „Drumcrush“ aus.

Damit du nur den „Drumcrush“ hörst, ziehe den Fader „Drumbus“ ganz nach unten. Drücke Play. Was hörst du? Nichts. Warum hörst du nichts? Weil das Audio-Signal „Drumcrush“ nach dem Fader vom „Drumbus“ kommt. Für das bessere Verständnis gleich 2 Abbildungen. Wenn wir also den Fader „Drumbus“ ganz nach unten ziehen, erhält unser Effektkanal „Drumcrush“ kein Audio-Signal – weil ja der Effektkanal „Drumcrush“ bezüglich der Reihenfolge nach dem Fader kommt. Das wollen wir in dem Fall nicht!

Diese Abbildung ist vor allem für Cubase-Nutzer wichtig, damit sie den Mixer besser verstehen. Die Abbildung zeigt den Audio-Signalfluss in einem Kanal des Mixers. Kanal? Ein Kanal kann eine Spur, eine Gruppe, ein Effektkanal oder die Summe (Stereo Out) sein. Für unser Beispiel soll das nun der Kanal vom „Drumbus“ sein. Wir haben die Drumspuren so geroutet, dass sie durch den „Drumbus“ verlaufen. In dieser Gruppe „Drumbus“ verlaufen die Drums wie folgt: Input Gain, Inserts 1-6, Cubase EQ, Fader und letztendlich durch Insert 7-8. Wenn du in der Gruppe „Drumbus“ nun den Effektkanal unter Sends auswählst, kommt der Effektkanal erst ganz zum Schluss (Post-fader sends – der Send, der nach dem Fader kommt). Er muss sich also hinten anstellen. Wenn wir nun den Fader herunterfahren, bekommen die Insert-Effekte 7 und 8 sowie der Effektkanal kein Signal ab. Glücklicherweise können wir den Effektkanal nun zwischen den Cubase EQ und den Fader verschieben. Und zwar dort, wo in der Abbildung „Pre-fader sends“ steht. Nun bekommt unser Effektkanal „Drumcrush“ noch das Audio-Signal „Drums“ ab – auch wenn wir den Fader ganz nach unten fahren. Der Effektkanal „Drumcrush“ ist also nun unabhängig vom Fader. Bedenke, dass sich jeder Kanal in Cubase so verhält (z.B. einzelne Spuren oder die Summe). Jede Audio-Sequenzer hat einen anderen Audio-Signalfluss. Einfach einmal in die jeweilige Anleitung schauen.
Zum besseren Verständnis zeige ich euch noch einmal, wie das Ganze im Cubase-Mixer aussieht. Verfolge dabei den roten Pfeil in der Abbildung. Der Audio-Signalfluss: Alle Drum-Spuren (Kick, Snare, Hi-Hat, Crash, Shaker, Conga) verlaufen in den „Drumbus“. In der Gruppe „Drumbus“ verlaufen die ganzen Drumspuren zunächst durch das Input-Gain unter „Pre“. Danach durch die Inserts 1-6. Hat sich das Signal durch die Inserts „durchgequetscht“, geht es durch den Cubase-EQ unter „EQ“. Zum Schluss gehen die Drums durch den Fader und dann durch Insert 7 und 8. Eigentlich müsste also Insert 7 und 8 im Cubase-Mixer unter dem Fader stehen. Und ganz zum Schluss müsste die Zeile „Sends“ stehen. Dann wäre der Signalfluss in Cubase besser zu verstehen. Aber die Entwickler haben zu Recht insgesamt Wert auf einen guten Überblick gelegt. Wenn wir also einen Effektkanal unter „Sends“ auswählen, dann steht dieser im Signalfluss ganz unten. Wir haben aber nun die Option, dass der Effektkanal zwischen dem Cubase-EQ und dem Fader steht. Dann leuchtet unserer Drumcrush unter Sends nicht blau, sondern, wie in der Abbildung zu sehen, Türkis. Wie funktioniert das? Dazu einfach weiterlesen 🙂

Damit der Fader vom „Drumbus“ keinen Einfluss auf unseren „Drumcrush“ hat, müssen wir die Reihenfolge des Signalflusses ändern. Klingt kompliziert, ist aber letztendlich nur ein Klick. Dazu klicke in der Gruppe „Drumbus“ einfach mit der rechten Maustaste unter „Sends“ auf den „Drumcrush“.  Wähle nun im sich geöffneten Menü den Punkt „An Pre-Fader-Position verschieben“. Ich habe dazu auch einen Shortcut. Wenn ich auf die Taste „-“ drücke, wechselt die Position bei mir auch von Post-Fader auf Pre-Fader und umgekehrt. Ich spare dadurch einen Klick und dadurch Zeit. 🙂

Klicke mit einem Rechtsklick unter „Sends“ auf den „Drumcrush“. Es öffnet sich ein Menü. In diesem wählst du den zweiten Punkt „An Pre-Fader-Position verschieben“.

Wenn du jetzt auf „Play“ drückst, hören wir den Effektkanal „Drumcrush“, obwohl der Fader vom „Drumbus“ ganz unten ist.

Lass uns nun mit der Bearbeitung des Kompressors beginnen. Mit der Drumcrush-Spur möchten wir jetzt endlich die Drums heftig komprimieren. Um die zu realisieren, öffne deinen Kompressor und stelle den Threshold sehr niedrig ein, sodass das VU-Meter ordentlich ausschlägt. In der Fachsprache wird die heftige Bewegung der Nadel beim VU-Meter „pumpen“ genannt. Der Kompressor fängt also an zu pumpen. Außerdem wähle eine Ratio gleich oder größer 4.

Du kennst dich nicht richtig mit einem Musik-Kompressor aus? Dann empfehle ich dir zunächst den Artikel Audio-Kompressor richtig einstellen – Tutorial, Funktion, Erklärung durchzulesen. Die Artikel unter Abmischen lernen sind in logischer und zusammenhängender Reihenfolge gegliedert. Um das ganze Mixing-Wissen zu erlernen, ist es empfehlenswert, dir vom ersten Artikel (oben) bis zum letzten Artikel (unten) alles durchzulesen.

Attack und Release für die parallele Kompression einstellen

Beim Kompressor in der Drumcrush-Spur sollte eine langsame Attack-Zeit und ein schnelle Release-Zeit gewählt werden. Warum eine langsame Attack-Zeit? Eine langsame Attack-Zeit bedeutet, dass der Kompressor die Transienten (Anschlag einer Note) ungehindert durchlässt. Das bedeutet mehr Druck bzw. Punch. Klasse, denn unser Ziel war es ja eingangs, den Drums mehr Punch zu verleihen.

Tipp: Mehr Punch? Erhöhe den Attack-Wert. Zu viel Punch? Verringere den Attack-Wert.

Warum eine schnelle Release-Zeit? Eine schnelle Release-Zeit bedeutet, dass der Kompressor nur kurz die Drum-Schläge komprimiert bzw. verdichtet (leiser gemacht werden) und die restliche Ausklingphase unangetastet bleibt. Dadurch wird der Raumanteil stärker betont.

Tipp: Mehr Raumanteil hören? Verringere den Release-Wert. Der besser hörbare Raumanteil passt nicht? Erhöhe den Release-Wert.

Mit der Attack- und Release-Einstellung für die parallele Kompression bringen wir den Kompressor zum Pumpen. Optisch erkennt man das Pumpen, wenn sich die Nadel des VU-Meters schnell bewegt. Der Kompressor komprimiert dadurch nur ganz kurz das Audio-Signal und lässt es „schnell wieder los“.

Wie immer gilt, dass letztendlich unser Gehör entscheidet, was klanglaktisch klingt.

Die gesunde Mischung zwischen komprimierten und unkomprimierten Drums

Nur das komprimierte Signal in der Effektspur „Drumcrush“ würde für die Musik zu heftig klingen. Der Trick ist nun, diese komprimierten Drums leise dem Sound vom „Drumbus“ hinzuzumischen. Dazu schiebe den Fader vom „Drumbus“ auf „0“ (in Cubase einfach die Taste „Steuerung“ gedrückt halten und auf den Fader klicken). Den Fader vom Effektkanal „Drumcrush“ fährst du nun ganz nach unten. Drücke auf Play und erhöhe nun den Fader vom „Drumcrush“. Und zwar so lange, bis es (der Audio-Effekt) dir gefällt. Einige Taktiken, wie du optimale Faderpositionen einstellst, wurden im Artikel Mix aufbauen aufgezeigt.

Tipp: Probiere doch auch einmal, 2 oder 3 Kompressoren für ein Audio-Signal parallel zu verwenden.

Die Drums sollten dich nun mehr „anspringen“.  Noch nicht zufrieden? Probleme mit Lösungen im Folgenden:

  • Problem: Du bist noch nicht mit dem Punch zufrieden. Lösung: Erhöhe die Attack-Zeit.
  • Problem: Raumanteile und Details könnten mehr zu hören sein. Lösung: Verringere die Release-Zeit.
  • Problem: Drums werden noch zu wenig komprimiert. Lösung: Erhöhe die Ratio und/oder veringere den Threshold.
  • Problem: Änderungen der Regler Attack, Release, Threshold und Ratio führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Lösung: Nehme einen anderen Kompressor.

Die gleiche Lautstärke bei hinzugeschaltetem Drumcrush

Wenn wir die heftig komprimierten Drums hinzuschalten, wird das Signal lauter. Wie wir nun bei den vielen Artikeln unter Abmischen lernen gelernt haben, klingt lauter immer besser. Daher ist es auch hierbei wichtig, in der gleichen Lautstärke zu vergleichen. Damit du auch mit dem „Drumcrush“ deine Drums in der gleichen Lautstärke hörst, drücke erst einmal Play. Sowohl die Bus-Spur „Drumbus“ als auch der Effektkanal „Drumcrush“ sind nun zu hören. Drücke nun die Mute-Taste vom Effektkanal „Drumcrush“. Das Signal bzw. die Drums werden leiser.

Mache nun die Ausgangssignalstärke des Kompressors leiser – drehe also mit dem Mauszeiger den Output-Regler des Kompressors leiser. Drücke wieder die Mute-Taste (Stummschalttaste), sodass auch die überkomprimierten Drums wieder zu hören sind. Noch zu laut? Oder nun sogar zu leise? Wiederhole den Vorgang und regle den Output-Regler entsprechend nach, bis es gefühlt gleich laut klingt. Ein RMS-Messer kann hierbei helfen, die richtige Lautstärke zu finden.

Weitere und einfachere Methoden die parallele Komprimierung zu realisieren

Oben haben wir die überkomprimierten Drums mit einem Return-Send-Kanal (in Cubase Effektkanal) hinzugefügt. So konnten wir uns zum einen mit dem Audio-Signalfluss beschäftigen und zum anderen ist die Methode praktisch, weil wir auch noch weitere Effekte nur für unseren „Drumcrush“ hinzufügen könnten. Ich möchte jedoch auch noch zwei weitere und einfachere Methoden nennen.

Kein Cubase-Besitzer? Du solltest dich auch mit dem Signalfluss deiner DAW, auch Audio-Sequenzer genannt, vertraut machen. Einfach die entsprechende Anleitung vom Hersteller einmal anschauen.

Methode 1 – Spur duplizieren / kopieren

Du kannst auch z.B. eine Vocal-Spur duplizieren / kopieren, sodass du zweimal die gleiche Spur in deinem Projekt hast. Nun kannst du die zweite Spur übertrieben komprimieren. Mit dem Fader der zweiten Spur kannst du anschließend den Anteil des Effekts bestimmen. Fertig.

Bedenke: Je mehr Spuren in einem Projekt sind, desto mehr Leistung wird vom Rechner gefordert.

Einfach, oder? Wenn du allerdings mehrere Spuren, wie z.B. die Drums, mit der parallelen Komprimierung bearbeiten möchtest, finde ich es nicht mehr so praktisch alle Spuren zu duplizieren oder die ganzen Drum-Spuren aufzunehmen, sodass ich noch eine weitere Wave-Datei „Alle Drumspuren“ im Projekt habe, die ich dann heftig komprimiere.

Methode 2 – Der Mix-Regler

Viele Kompressor-Plugins bieten auch einen Mix-Regler – manchmal auch mit Dry/Wet-Regler bezeichnet. Das Vorgehen ist ganz einfach:

  1. Kompressor mit Mix-Regler direkt im Insert der Spur laden. Das kann auch eine Gruppe oder sogar die Summe sein.
  2. Überkomprimiere das Signal.
  3. Stelle je nach Geschmack den Mix-Regler ein. Mit dem Mix-Regler kannst du den Anteil des Effekts bestimmen. Fertig ist die parallele Kompression.

Wenn du einen Kompressor mit einem Mix-Regler für die Methode oben mit dem Effektkanal verwendest, dann sollte der Mix-Regler auf 100% stehen.

Kammfilterprobleme und Phasenverschiebung beachten

Durch die Bearbeitung eines Signals, kann es zur Verzögerung des Signals kommen. Dadurch kann es zu Kammfilterprobleme kommen.

Kammfilter? Wenn wir zwei identische Audio-Signale in einem Projekt haben, jedoch eines davon mit einer kurzen Verzögerung abgespielt wird, entsteht das Kammfilterproblem. Es klingt dann „hohl“ und „dünn“. Die gleichmäßige, wiederholende Pegelabsenkung und -anhebung im Frequenzgang erinnert an einem Kamm – daher der Name.

Auch bei der parallelen Kompression kann der Kompressor das Signal verzögern. Diese Gefahr droht dir letztendlich immer bei digitalen Systemen, da zum einen die Umwandlung von analog zu digital und zum anderen die DSP-Signalbearbeitung zu kleinen Latenzen führen können. Das ist aber halb so wild. Die meisten nutzen Software-Plugins und die bekannten Audio-Sequenzers verfügen normalerweise über einen automatischen Verzögerungsausgleich.

Trotzdem solltest du dir bewusst sein, dass manche Plugins die Latenz nicht richtig an die Host-Software weitergeben. Außerdem verändert manche Software die interne Phasenbeziehung zwischen den verschiedenen Frequenzen. Höre also immer genau hin, ob der Klangcharakter in nicht vorhersehbarer Weise verändert wird.

Kompressoren für die parallele Kompression

Es gibt viele für die parallele Kompression geeignete Kompressoren. Ich möchte ein paar Kompressoren aufzählen, die für den Job empfehlenswert sind. Es gibt sicherlich noch weitere gute Kompressoren für diesen Effekt. Vielleicht hast du dafür sogar schon deinen persönlichen Lieblings-Kompressor gefunden. Oder hast du sogar unterschiedliche Lieblingskompressoren für Drums, Vocals, Bass, Gitarre, Piano Streicher usw.? Schreibe einen Kommentar und lass es uns wissen. Hier nun ein paar Empfehlungen:

Von Universal Audio:

  • UAD 1176 (diesen Kompressor nutzen sehr viele Toningenieure vor allem im All-Button-Mode für die parallele Drum-Compression)
  • UAD FATSO Jr./Sr. Tape Sim. & Compressor (auch diesen Kompressor nutzen sehr viele Toningenieure für die parallele Drum-Compression. Er verleiht dem Drums eine „aggressive Note“)
  • UAD API 2500 Bus Compressor (auch ein Standard für Drums)
  • DBX 160 Compressor / Limiter (vor allem wird dieser oft für die Snare verwendet)
  • UAD Fairchild Tube Limiter Collection
  • UAD Neve 33609 / 33609SE Compressor

Von weiteren Herstellern:

  • Klanghelm MJUC
  • Waves CLA-76
  • Slate Digital Virtual Buss Compressors
  • Softube TLA-100 A

Welcher Kompressor es letztendlich für die Aufgabe sein soll, ist Geschmackssache. Tipp für die richtige Kaufentscheidung: Höre dir auf den Herstellerseiten Soundbeispiele an, gucke YouTube-Videos und lade dir die Demos herunter.

Fazit: Mit parallele Kompression einen besseren Sound erreichen

In der heutigen Musik wird in fast jedem Song parallele Kompression, auch New-Yorker-Kompression oder Motown-Trick genannt, angewendet – nicht nur für Drums, sondern auch für Vocals, Bass, Gitarre, Keyboard-Sounds und die restlichen Audio-Signale in einem Track. Vor allem aber transientenreiche Instrumente wie Schlagzeug, Percussion, Klavier und Akustikgitarren profitieren von so einer Bearbeitung.

Die Technik ist seit Jahrzenten unter den Profis weit verbreitet. Der große Vorteil der parallelen Kompression ist, dass das unbearbeitete Signal die Transienten und die musikalische Dynamik überwiegend beibehält. Verzweifle nicht, wenn es nicht perfekt wird. Ziel ist es, den Mix damit zu verbessern.

Hast du einen Liebling-Kompressor für diese Technik, den du bei nahezu allen Mix-Sessions verwendest? Welcher Kompressor ist nach deiner Meinung am besten dafür geeignet? Gerne kannst du dazu oder bei Anregungen oder Fragen einen Kommentar schreiben. Über das Teilen des Artikels über Facebook, Twitter oder Google+ würde ich mich ebenso freuen.

Ich habe euch in dem Artikel 3 Methoden gezeigt, wie ihr die übertrieben eingestellte Kompression dem unbearbeiteten Sound hinzumischt. Bezüglich der Soundqualität sind alle Methoden gleich. Du hast die Wahl. 🙂 Im nächsten Artikel werde ich euch die erweiterte parallele Kompression zeigen.

2 KOMMENTARE

    • Hallo Harald,

      diese Kompressoren finde ich auch wirklich klasse! Weiterhin viel Freude beim Mixing!

      Mit freundlichen Grooves
      Tonstudio Wissen

Schreibe einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here