Erweiterte parallele Kompression

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Im vorherigen Artikel Tutorial: Parallele Kompression wurde erklärt, was die parallele Kompression bedeutet und 3 Methoden aufgezeigt, wie du diesen beeindruckenden Effekt auch in deinem Mix erfolgreich einsetzen kannst. Es gibt noch eine weitere interessante Methode. Noch eine? Jepp. Mit dieser kannst du ganz einfach den Anteil der parallelen Komprimierung für jedes einzelne Audio-Signal (z.B. bei Drums, Bass, Vocals, Gitarre, Keyboards) einstellen.

Hierbei spielt es wieder keine Rolle, ob du z.B. Cubase, Ableton Live, Pro Tools, Repear, Logic Pro, Presonus Studio One oder Samplitude besitzt. Jede DAW (Digital Audio Workstation) kann die erweiterte parallele Komprimierung. Zum besseren Verständnis zeige ich dir die erweiterte parallele Kompression wieder anhand eines Beispiels. Nehmen wir doch dazu einfach wieder unsere 6 Drumspuren vom letzten Artikel:

  1. Kick
  2. Snare
  3. HiHat
  4. Crash
  5. Shaker
  6. Conga

Erstelle die aufgeführten Drumspuren. Du kannst natürlich auch andere Drumspuren erstellen.

Für die Methode brauchst du nicht – wie im vorherigen Artikel beschrieben – unbedingt einen (Gruppen-) Bus. Es ist aber trotzdem in jedem Mix empfehlenswert, verschiedene Gruppenspuren einzurichten. Warum? Das Einrichten einer Gruppe ist immer sinnvoll, um mehrere ähnliche Audio-Signale zusammenzufassen. Damit bewahrst du den Überblick und kannst mehrere Spuren gleichzeitig bearbeiten. Gruppenspuren könnten beispielsweise sein:

Drums, Vocals, Gitarren, Bass, Keyboards / Synthesizer und Effekte.

Zurück zu unserer erweiterten parallelen Kompression. Wir haben nun 6 Drumspuren und eine Drum-Gruppe. Nun erstellen wir eine Aux-Spur / Return-Kanal. In Cubase wird so ein Kanal Effektkanal genannt. Öffne einen Kompressor in dieser Aux-Spur und stelle, wie im Artikel parallele Kompression beschrieben – diesen übertrieben ein:

  • niedriger Threshold
  • Ratio gleich oder größer 4
  • Hoher Attack-Wert
  • Niedriger Release-Wert

Den Anteil dieser übertriebenen Komprimierung – und das ist jetzt das Besondere – geben wir den einzelnen Drumspuren jeweils unterschiedlich viel hinzu. Wir haben also einen übertrieben eingestellten Kompressor und mehrere Spuren, die davon unterschiedlich viel abbekommen. Bei mir sollte die Kick und die Snare besonders viel davon abbekommen. Am wenigsten die HiHat und das Crash.

Dazu bewege den Mauszeiger im Mixer zum Bedienfeld „Sends“ hin. In diesem können wir immer den Anteil eines Effekts einstellen. Probiere einfach mal unterschiedliche Send-Einstellungen aus. Und zwar so, wie es für dich am besten klingt.

Hinweis: Der Fader des Aux-Kanals mit dem Kompressor für die parallele Kompression bleibt auf „0“. Bei der erweiterten parallele Kompression regeln wir den Anteil nicht mit dem Fader vom Aux-Kanal – so wie wir es im vorigen Artikel gemacht haben! Sondern mit den Sends. Falls der Kompressor einen Mix-Regler besitzt, stelle diesen auf 100% wet.

In meinem Beispiel habe ich der Kick und der Snare besonders viel vom Effekt gegeben. Hihat und Crash am wenigstens. Nachmachen ist erlaubt. 🙂

Beispiel für die Send-Einstellungen von links nach rechts: Kick -10,5; Snare -10,5; HiHat -15,8; Crash -15,8; Shaker -12; Conga -12.

Ich habe dir die erweiterte parallele Komprimierung anhand der Drums gezeigt. Selbstverständlich kannst du diesen Tipp auch bei anderen Audio-Signale ausprobieren. Wie wäre es mit den Vocals? Den Gitarren? Bass? Oder allen Instrumenten? Viele Möglichkeiten sind denkbar.

Zum Schluss wird noch einmal auf ein kleines Problem hingewiesen, auf das du beim Hinzufügen von anderen Plugins in den Aux-Kanal des Kompressors beachten solltest.

Phasenverschiebung

Du möchtest noch zusätzlich einen Equalizer in den Insert des Kompressor-Aux-Kanals einfügen, weil du mit einem Low-Cut die tiefen aufräumen willst. Für diesen Low-Cut stellst du einen Q-Faktor von 36 db/oct ein. Da du immer genau hinhörst, was passiert, stellst du fest, dass es zwar aufgeräumter klingt, aber der Sound der Drums irgendwie anders klingt. Einfach nicht mehr so „klanglaktisch“.

Je höher wir den Q-Faktor des Low- und Hi-Cuts einstellen, desto schneller bekommen wir Phasenprobleme.

Phasenproblem? Ja, weil sich die Phasen verschieben. Die Phasenverschiebung ist grundsätzlich die Verzögerung eines Signals, im Verhältnis zu einem anderen (nahezu) identischen Audiosignal. Es klingt dann einfach komisch.

Keine Panik. Es gibt dafür Lösungen:

  1. EQ mit nur 6 db/oct einstellen.
  2. Einen Linear-Phase-EQ einsetzen. Mit diesem hast du keine Phasenprobleme.
  3. Keinen EQ einsetzen.
  4. Allgemein ist es gegen Phasenprobleme besser, im Gruppen-Bus den EQ einzusetzen als im Aux-Kanal.

Fazit: Mit der erweiterten parallelen Kompression den Effekt für jedes einzelne Audio-Signal bestimmen

Wenn du die parallele Kompression für alle Drums einsetzt, jedoch feststellst, dass du einige Drumspuren lieber etwas weniger vom Effekt hättest, kann dir die erweiterte parallele Kompression helfen. Diese Technik ermöglicht es dir, den Anteil des Effekts für jedes einzelne Audio-Signal genau einzustellen. Somit behältst du die volle Kontrolle über das Klangbild deiner Drums.

Darüber hinaus ist die erweiterte parallele Kompression nicht nur auf Drums beschränkt. Du kannst sie auch für Vocals, Gitarren, Bass, Keyboards oder jedes andere Instrument in einem Song nutzen. Auf diese Weise kannst du das Beste aus deinen Audio-Signalen herausholen und deinem Mix mehr Tiefe, Dynamik und Durchsetzungskraft verleihen.

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