Mastering Audio – LUFS vs. RMS

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Audio-Mastering ist der letzte kreative Schritt bevor ein kommerzieller Song vertrieben wird. Hierbei wird der Klang noch einmal überprüft. Kann die Klangqualität mit den kommerziellen Songs mithalten? Es ist der letzte Schritt, um klangliche Probleme zu beheben. Neben der Klangqualität (am wichtigsten) wird darüber hinaus in der Regel auch die Lautheit überprüft und – so oft der Kundenwunsch – an die Lautstärke der anderen kommerziellen Songs angehoben.

Um zu wissen, wie laut die Musik tatsächlich ist, brauchen wir eine entsprechende Pegelanzeige.

Welche Anzeige ist das?

Ist es die Peakanzeige (Spitzenpegel; Einheit dBfs), die jede DAW (ausgeschrieben Digital Audio Workstation; also das eigentliche Musikprogramm (Audiosequenzer)) anzeigen kann? Nein, die Peakanzeige zeigt an, wie laut die Musik für das (digitale) Aufnahmesystem ist. Sie gibt Auskunft über die vorhandenen Transienten. Transienten sind kurze Signalspitzen, die viel lauter sind als der Durchschnittpegel.

Der Durchschnittspegel ist die vom Menschen wahrgenommene Lautstärke. Den Durchschnittspegel (RMS-Pegel) kann leider nicht jede DAW anzeigen. Falls das deine DAW nicht können sollte, brauchst du eine Pegelanzeige von einem Drittanbieter. Die Pegelanzeige von bx_meter von Brainworx kann z.B. den Durchschnittspegel anzeigen.

Also brauchen wir eine Durchschnittspegelanzeige (Root Mean Square; Abkürzung RMS), um zu wissen, wie laut der Song tatsächlich ist?  Um beim Mastering den Song mit den Songs anderer kommerziellen Songs zu vergleichen, reicht der RMS-Wert leider nicht aus. Denn, weisen mehrere Songs den gleichen RMS-Pegel auf, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gleich laut wirken.

Warum? Unser Gehört besitzt bei 3 kHz die größte Empfindlichkeit. So haben es schon Fletcher und Munson im Jahr 1933 mit ihrer „Kurve gleicher Lautstärke“ aufgezeigt. Ein ausgeprägter Bassbereich erhöht deutlich den RMS-Wert (Durchschnittspegel). Der Lautheit wird aber wertvolle Energie entzogen. Darüber hinaus spielen u.a. auch die Ausprägung der Transienten und der Gehalt der Obertöne (Verzerrung) eine Rolle über die wahrgenommene Lautstärke.

Fletcher und Munson – wer ist das und was haben die für eine Kurve aufgezeigt? Hier noch einmal von Wikipedia erklärt.

LUFS

Wie können wir nun einen realistischen Lautheitsvergleich anstellen? Die Lösung lautet „EBU R-128“. Zur Erklärung: Bei dieser Technik werden die Faktoren Zeit und Frequenz mit in die Pegelmessung einbezogen. So eine Pegelanzeige misst in sogenannten „Loudness Units“, kurz „LU“, bzw. „LUFS“, was für „Loudness Units relative to Full Scale“ (also: Lautheits-Einheiten relativ zu digitalem Vollpegel (0 dBfs)) steht. Der „LUFS“ wird in drei unterschiedlichen Formaten dargestellt:

  1. Momentary Max.“ zeigt die maximale momentane Lautheit mit einem Zeitfenster von 400 ms an.
  2. Short-Term“ gibt die kurzzeitig gemittelte Lautheit (3 Sekunden) aus.
  3. Integrated“ spiegelt die ermittelte Durchschnittslautheit wider. Hier wird die Lautheit ab dem Starten der Wiedergabe gemessen, sodass sich der Wert mit zunehmender Abspieldauer immer mehr einpendelt. Diese wird von den Streaming-Portalen genutzt.

Ein kostenloses sehr gutes Plugin, das dir diese Werte anzeigen kann (LUFS messen), ist das Plugin Youlean Loudness Meter.

Youlean Loudness Meter anschauen

Cubase-Besitzer können das Meter im Masterkanal nutzen. Klickt dazu einfach den Reiter „Lautheit“ an. Dort seht ihr die gerade erwähnten Formate Momentary Max., Short-Term und Integrated. Für uns interessant ist der Integrated-Wert. Starte dazu die Messung mit dem Button „Lautheit messen“ und drücke Play. Zum besseren Verständnis im Folgenden eine Abbildung.

Lautheit (LUFS) in Cubase messen:

1. Als erstes sollte der Positionszeiger am Anfang des Songs sein.
2. Klicke auf den Button „Lautheit messen“. Er leuchtet orange.
3. Starte den Song.
4. Für uns interessant ist vor allem der Wert „Integrated“.
5. Spiele den Song bis zum Ende. Der am Schluss angezeigte LUFS-Wert (4.) ist deine eigentliche Lautstärke.

Für die Messung müsst ihr den gesamten Song von Anfang bis Ende durchlaufen lassen. Nur dann habt ihr den tatsächlichen LUFS-Wert eures Songs.

Die Mastering-Software Ozone 9 kann auch übrigens ohne großen Fachkenntnisse die Lautstärke an einen Referenzsong anpassen.

Ozone 9 beim Musikfachhandel Thomann ansehen.*

Wie eingangs erwähnt, gibt der Kunden in der Regel dem Mastering-Ingenieur den Auftrag, dass seine Songs so laut wie die kommerziellen Songs klingen sollen – im besten Fall sogar noch lauter! Der Song soll dadurch mehr Aufmerksamkeit vom Hörer bekommen. Das führte zum sogenannten Lautheitskrieg, der im nächsten Abschnitt verdeutlicht wird.

Der Lautheitskrieg (loudness war)

Verändere nicht deinen Lautstärke-Regler am CD-Spieler und mache eine CD aus 80er in den CD-Player rein, anschließend eine CD aus den 90er und zum Schluss eine CD aus den 2000er. Was stellen wir fest? Die Songs werden immer lauter. Im ersten Moment mag für den Konsumenten lauter besser klingen – aber tatsächlich leidet die Soundqualität.

Die Musik klingt dadurch leider immer zerquetschter, lebloser und verzerrter. Viele Songs würden besser klingen, wenn man nicht so laut gemastert hätte. Einige Alben haben deutlich übertrieben. Völlig übertrieben hatte es z.B. das Album von Metallica „Death Magnetic“ im Jahr 2008. Selbst einige Fans hatten sich über die schlechte Klangqualität beschwert. Das Album war tatsächlich unfassbar laut gewesen – schon bei einer geringen aufgedrehten Lautstärke.

Mittlerweile findet eine Kehrtwende in der Lautstärke statt. Dank der Streaming-Dienste, wie z.B. Spotify, wird die Musik glücklicherweise wieder leiser. Dazu im nächsten Abschnitt mehr.

LUFS bei Spotify, Youtube, Deezer, Tidal, iTunes und Co

Damit der Nutzer keinen großen Lautheitsunterschiede beim Wechseln der Songs hört, passen Streaming-Dienste automatisch die Lautheit auf einem bestimmten LUFS-Wert an. Spotify regelt die Lautstärke z.B. auf -14 LUFS. Früher waren es bei Spotify -11 LUFS. Der Lautstärkesenkung fand im Mai 2017 statt. Eine erfreuliche Tendenz. So kann sich endlich wieder auf die Klangqualität konzentriert werden.

Hoffentlich werden die Auftraggeber wieder vernünftiger (egal, ob Pop, HipHop usw.) und verlangen keine extreme Lautheit, da die Streaming-Dienste die Lautheit wieder absenken. Denn der Mastering-Ingenieur möchte grundsätzlich eine gute Soundqualität erreichen und keinen Kompromiss aufgrund der hohen Lautstärke eingehen.

Ein schönes Beispiel, was deutlich aufzeigt, dass lauter (LUFS erhöhen) eine Verschlechterung der Klangqualität bedeutet, wird in diesem Youtube-Video gezeigt.

Da mittlerweile fast alle Online Dienste ähnliche Referenzpegel verwenden, besteht somit kaum noch die Notwendigkeit extrem laute Musik zu produzieren, da die Pegel alle automatisch angeglichen werden.

Welchen LUFS nutzen Streaming-Dienste?

Welchen LUFS nutzen Streaming-Dienste? Dazu im Folgenden eine Übersicht.

iTunes -16 LUFS, Youtube -14 LUFS, Spotify -14 LUFS, Tidal -14 LUFS, Amazon Music -14 LUFS, Soundcloud -9 LUFS.

LUFS der Streaming-Dienste

Neben der Pegelanpassung schaltet z.B. Spotify noch einen Limiter ein, der bei -1 dBfs alle Pegelspitzen abfängt, sodass keine Übersteuerung entstehen kann. Nähere Informationen findest du auf der offiziellen Spotify-Seite:

Spotify FAQ für Künstler

Der User kann übrigens bei Spotify z.B. wählen, wie laut der seine Songs hören möchte:

  • Laut – ca. -11 dB LUFS
  • Normal (default) – ca -14 dB LUFS
  • Leise – ca. – 23 dB LUFS

Warum klingen manche Songs trotzdem lauter bei solchen Plattformen? Trotz der einheitlichenLautstärkereduzierung wird trotzdem versucht, lauter als die anderen Songs auf einer Plattform zu sein. Ein kleiner Trick ist es z.B. bei Youtube, bevor der Song anfängt, ein kleines Intro zu haben. Beispielweise eine kleine Vorgeschichte zum Song.

Der Audiosignal darf aber im Intro nicht zu leise sein, sonst berücksichtigt der Algorithmus das nicht in seiner Messung. Was heißt das genau? Nach meinem Kenntnisstand Folgendes:

Ist das Intro im Verhältnis zur gesamten Materiallänge unter 10% leiser, wird dieses nicht in der Messung berücksichtigt. Also darf die Reduzierung der Lautstärke im Intro nicht unter 10% liegen. Außerdem wird nur die Messung der Lautstärke bis 95% berücksichtigt. Die letzten Peaks werden also auch nicht in die Messung einbezogen.

Für eine gute Soundqualität sollte einem auf jeden Fall bewusst sein, was mit den Songs auf den Plattformen passiert.

Um wie viel dB wird dein aktueller Song bei den Plattformen reduziert? Wie viel leiser wird er abgespielt? Dafür gibt es die Internetseite

Loudnesspenalty

Diese zeigt dir, um wie viel dB dein Song bei den verschiedenen Plattformen reduziert wird.

Fazit: LUFS-Pegel nutzen, um die Lauheit zu messen

Mit dem LUFS-Pegel sieht du, wie laut der aktuelle Song ist. Dazu kannst du – wie im Artikel erwähnt – das kostenlose Plugin Youlean Loudness Meter nutzen. Sei dir bewusst, dass zu laute Musik gequetscht, leblos und verzerrt klingt. Lass genug Abstand zwischen RMS-Pegel und dem Peak-Pegel.

Beende den Lautheitskrieg! Sag es weiter. Du kannst den Artikel über die Buttons, wie z.B. Facebook, oben und unten auf dieser Seite teilen. Vielen Dank!

Deine Songs sind viel zu leise? Wie man einen Song lauter bekommt, wird im Artikel Mastering Limiter erklärt.

Glücklicherweise sind die Artikel auf Tonstudio Wissen strukturiert aufgebaut. Um das gesamte Wissen aufbauend zu lernen, schaue dir das Inhaltsverzeichnis unter Mastering lernen oder Abmischen lernen an. Viel Freude damit!

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