Delay- / Echo-Effekt richtig einsetzen und einstellen

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Ein wichtiger Effekt beim Mixing (Abmischen) ist der Delay-Effekt, auf Deutsch Echo-Effekt. Ein Delay wird in der Musik nahezu immer benutzt. Ob als kreativer Effekt, z.B. bei einer Gitarre, einem Piano oder Gesang, oder um mehr „Tiefe“ (Tiefenstaffelung) zu erzeugen. Damit du so ein Echo richtig einsetzen und einstellen kannst, nun dieses Tutorial.

Jede gute DAW hat mindestens ein gutes Delay-Plugin dabei (z.B. Cubase, Pro Tools, Ableton live, Repear, Logic Pro X, Presonus Studio One, Samplitude). Ein Plugin vom Drittanbieter ist in vielen Fällen unnötig.

Einfache Echos funktionieren hinsichtlich der Verschmelzung und Größe am besten. Digitale Emulationen analoger Klassiker liefern abwechslungsreichere Klang- und Sustain-Veränderungen (Sustain? Sustain ist die Länge des Ausklingvorgangs eines Tons). Hörbare kreative Echo-Effekte werden am besten während des Einstellens der Lautstärkeverhältnisse hinzugefügt, da es schwieriger ist, diese in fertige Mischverhältnisse zu integrieren.

Es muss nicht immer ein Plugin von einem Drittanbieter sein, um komplexe und kreative Delays einem Mix hinzufügen zu können. Cubase bietet z.B. das interne Plugin ModMachine an. Ein wirklich tolles Delay-Plugin, mit dem interessante Effekte einer langweiligen Spur hinzugefügt werden können. Einfach mal die Presets durchsteppen.

Sofern du ein Delay-Effekt für mehrere Spuren verwenden möchtest, ist es empfehlenswert, einen Return-Kanal, auch Effektrückkanal genannt, zu nehmen. In Cubase wird dieser Effektkanal genannt. Return-Kanal?! Effektkanal?! Keine Panik. Gleich mehr dazu.

Delay einstellen

Zum besseren Verständnis, was ein Delay eigentlich macht, lädst du dir am besten einen Audio-Delay-Effekt einmal in eine Spur mit einem Instrument und spielst ein bisschen mit folgenden Parametern herum:

  • Delay Time: Regelt die Zeitverzögerung zwischen dem trockenen Sound und dem ersten Echo
  • Feedback level (auch Repeats oder Regeneration genannt): Regelt wie viele nachfolgende Echos dem ersten folgen. Außerdem wird hiermit das Ausklingen geregelt
Du hast das Gefühl, dass dir noch Delay-Effekte fehlen? Als Standard bei den Profis hat sich das Delay-Plugin Echoboy von der Firma Soundtoys etabliert. Mit diesem Delay-Effekt lassen sich unzählige Delay-Effekte realisieren. Es ist sehr empfehlenswert.

Die Parameter Delay Timer und Feedback besitzt jedes einfache Delay. Zudem kannst du mit dem Mix-Regler noch den Anteil des Effekts einstellen. Sofern du ein Delay für mehrere Spuren verwenden möchtest, lädst du es in den Return-Kanal. Hierbei sollte der Mix-Regler auf 100% (!) stehen. Nun gehst du wie folgt vor:

  1. Welche Spur bzw. welches Instrument oder Gesang (Rap, Vocal, Stimme) soll das Echo abbekommen?
  2. Bei den Spuren, die den Echo-Effekt abbekommen sollen, aktivierst du den Send.
  3. Wähle beim Send den Echo-Effekt aus.
  4. Stelle den Send-Regler ein. Der Send-Regler ist wie der Mix-Regler beim Delay-Plugin – leider besitzen aber nicht alle Delay-Plugins einen Mix-Regler. Stelle mit dem Send-Regler den Anteil des Echo-Effekts ein.
  5. Der Anteil des Echo-Effekts ist Geschmackssache. Lass deine Genialität freien Lauf.

Außerdem haben viele Delay-Effekte noch einen Low-Cut und High-Cut. Damit kannst du die Tiefen und Höhen des Echos beschneiden. Eine verständliche und ausführlichere Erklärung zum Thema Low-Cut und High-Cut wird im Equalizer-Tutorial aufgezeigt.

Ein sehr gutes Delay-Plugin (für PC / Computer) hat die Firma Soundtoys im Sortiment: das Plugin Echoboy. Mit diesem Echo-Jungen können eine Vielzahl von Delay-Effekten realisiert werden. Dieser besitzt u.a. noch folgende Regler:

  • Saturation: Mit dem Sättigungsregler kannst du Röhren- oder bandförmige Komprimierung, Betonung und subtile Verzerrung auf die das Verzögerungssignal bzw. dem Echo geben.
  • Echo-Styles: Wähle verschiedene Echo-Stile aus, wie z.B. Master Tape (Subtile Bandkompression und Verzerrung, modelliert nach dem Vorbild des Ampex ATR-102), Space Echo (wurde dem berühmten Roland RE-201 Space Echo nachempfunden), FM Radio (ultra-komprimiert und laut klingend), Analog Delay (warm und leicht verzerrt) uvm.
  • Tap Tempo: Hiermit kann das Tempo des Delays z.B. an jede Live-Situation angepasst werden
  • Rhythm Echo: In diesem Modus kannst du bis zu sechzehn Echoausgänge nutzen. Diese sind in nahezu jedem erdenklichen Rhythmus programmierbar.

Um einen kreativen Echo-Effekt einer Audio-Spur hinzuzufügen, ist es empfehlenswert, einfach mal die Presets durchzusteppen. Wenn dir ein Preset gefällt, wäre die nächste Überlegung, den ausgefallenen Echo-Effekt an das Instrument oder der Stimme bzw. dem Gesang (Vocal) anzupassen. Welcher Regler muss hierbei angepasst werden? Um das in der Praxis herauszufinden, stellst du einen Regler extrem ein, der es laut Bezeichnung sein könnte.

Dabei höre heraus, ob der Regler für die gewünschte Anpassung der richtige ist. Wenn ja, stelle diesen nach Geschmack und Groove-Gefühl ein. Falls nicht, stelle das Preset wieder ein oder drücke – falls vorhanden – die  „Zurück-Taste“. Der EchoBoy hat z.B. so eine „Zurück-Taste“. Nun probiere einen anderen Regler aus. Auf diese Weise lernst du allgemein ein Plugin besser kennen.

Was ist ein Ping-Pong-Delay? Das Besondere am Ping-Pong-Delay ist, dass hierbei jede Wiederholung einmal zur einen und dann zur anderen Seite des Stereobildes wandert.

Unterschied Reverb und Delay: Nicht nur das Delay, sondern auch Hall / Reverb sind Echo basierende Effekte. Beim Abmischen verwendet man diese Effekte daher auf einer ähnlichen Weise. Delays können zur Verbesserung von Verschmelzung, Größe, Klangfarbe, Sustain und Stereobreite genutzt werden.

Verschmelzung (Slapback-Delay)

Wird ein Delay wegen der Verschmelzung von Audiosignalen eingesetzt, ist ein kurzes Slapback-Delay mit einer Verzögerung von 50-100 ms empfehlenswert. Hierbei wird nur eine Wiederholung eingestellt. So ein Slapback-Delay hat den Vorteil, dass keine unschönen Nebeneffekte auftreten. Es ist völlig ausreichend, um sich mit dem trockenen Klang gut zu verbinden. Die Effektlautstärke sollte niedrig sein. Man darf den Effekt nur fühlen – nicht deutlich heraushören. Dafür sind vor allem an das Songtempo angepasste Delays geeignet.

An das Songtempo angepasste Delays

Delays, die an das Songtempo angepasst sind, nimmt der Hörer weniger wahr – auch bei längeren (Sustain) oder größeren Delays. Da so ein temposynchrones Delay vom anderen rhythmischen Audiosignalen verdeckt wird.

Die meisten Delay-Plugins bieten eine Temposynchronisation. Es können also Delay-Zeiten in Form von musikalischen Notenwerten eingestellt werden. Falls nicht, können auch tempobezogene Delay-Zeiten in Millisekunden ermittelt werden. Die Formel dazu lautet (Delay berechnen Formel):

60.000 / Songtempo (bpm – beats per minute; Schläge pro Minute)

Beispiel: 60.000 / 120 bpm = 500 ms

Wer schnell bei seinem Songtempo wissen möchte, welche Zeit für ein bestimmtes Audio-Delay eingestellt werden soll, dem sei die Tonstudio-Wissen.de Delay-Tabelle empfohlen. Am besten ausdrucken und in der Nähe deines Studiotisches griffbereit platzieren. So können schnell die entsprechenden Werte bei einem Delay / Echo eingestellt werden.

Delay-Tabelle im PDF-Format kostenlos in einer neuen Registerkarte anschauen

Meistens nutzen Toningenieure mehr als einen Delay-Effekt. So hört man in der der Musik mehrere unterschiedliche temposynchrone Delays. Warum? Weil andere Notenwerte manchmal zu einer trockenen Spur besser passen. Es müssen aber nicht immer temposynchrone Delays sein. Manchmal klingt es interessanter bzw. musikalischer, wenn Echos eine leichte Erhöhung der Delay-Zeit bekommen. Einfach mal ausprobieren.

Tipp / Trick: Weitere Effekte in den Return-Kanal des Delays einfügen

Allgemein ist es eine gute Idee, einen Delay-Effekt nicht direkt in die Audio-Spur eines Instruments, der Drums oder der Vocals (Gesang) zu laden. Besser ist es, einen Return-Kanal in deiner DAW / Audio-Sequenzer hinzuzufügen. In diesem Return-Kanal fügst du ein Delay-Effekt im Insert ein. Warum ist das besser?

Ein Delay ist zwar nicht so ressourcenhungrig wie ein Reverb (Hall), allerdings wird beim Mixing /Abmischen ein Delay-Effekt oft für mehrere Spuren genutzt. Außerdem haben Return-Kanäle – wie beim Hall – noch einen großen Vorteil: Du kannst in den Return-Kanal, auch Effektrückkanal genannt, noch weitere Plugins bzw. Effekte nur für das Echo laden. Welche Effekte das sein können und in welcher Situation diese sinnvoll sind, erfahrt ihr nun im Folgenden.

1. Kombination Delay und Hall

Der Return eines Mischpults gibt uns die Möglichkeit, das Delay mit anderen Audio-Effekten zu kombinieren. So ist es nicht unüblich, einen Delay-Effekt durch einen Hall-Effekt zu schicken, damit das Echo in den Hintergrund rückt und natürlicher klingt.

Wie schicke ich einen Delay-Effekt durch einen Hall? In der Abbildung zeige ich ein Beispiel, das ich in der Praxis oft genauso anwende, da es in der Regel gut funktioniert. Die Audio-Software im Beispiel nennt sich Cubase und ist von der Firma Steinberg. Du kannst dieses Beispiel aber auch mit jeder anderen Audio-Software nachbauen. Dazu erstelle einen Effektkanal mit einem Plate-Reverb, einen Effektkanal mit einem großen Hall und einen Effektkanal mit einem einfachen Mono-Delay. Die Einstellungen des Mono-Delays kannst du in der Abbildung entnehmen. Das Mono-Delay ist ein kurzes Slapback-Delay. Nun aktivierst du den Send im Effektkanal des Mono-Delays und wählst den „Big Vocal Reverb“ aus. Im Beispiel habe ich den Send auf -8 eingestellt. Nun bekommt das Mono-Delay etwas (genauer gesagt -8) vom Hall „Big Vocal Reverb“ ab. Die Reverbs und das Mono-Delay eignen sich gut für Vocals. Im Beispiel bekommt nun der Hauptgesang „Vocal Refrain“ etwas vom „Bright Plate“ ab (Send auf -10). Außerdem bekommt der „Vocal Refrain“ etwas vom Mono-Delay ab (Send auch auf -10). Der Gesang im Hintergrund bekommt etwas vom „Big Vocal Reverb“ und vom Mono-Delay ab (den Send habe ich auch wieder jeweils auf -10 eingestellt).

2. Kombination Delay und Kompressor

Manchmal leidet die Sprachverständlichkeit, wenn ein Delay-Effekt auf die Vocal-Spur gelegt wird. Wenn der Delay-Effekt trotzdem gut zum Song passt, solltest du folgenden Tipp ausprobieren: Sidechain Kompression. Bei der Sidechain-Kompression wird nur solange das Delay leiser gemacht bzw. komprimiert, wie der Sänger singt. Hört er auf zu singen, komprimiert der Kompressor auch das Delay nicht mehr. Das Echo erklingt wieder in seiner vollen Pracht. Cool, oder?

Abbildung mit einer Erklärung folgt …

3. Kombination Delay und EQ

Auch einen EQ in den Return-Kanal des Delays zusätzlich einzufügen, kann in einem Mix sinnvoll sein. Vor allem bei klangfärbenden oder „großen“ Delays kann der EQ Maskierungsprobleme lösen, da diese auffälligen Effekte andere Audiosignale verdecken können. Um trotzdem einen sauberen Bassbereich zu haben, lade einen EQ vor dem Delay-Plugin und aktivere einen Low-Cut / Hi-Pass (die beiden Begriffe haben dieselbe Bedeutung). Natürlich kannst du einen Low-Cut auch bei einem einfachen Delay ausprobieren. Als Ausgangsstellung empfehle ich dir die Frequenz 111 Hz und einen Q-Faktor von 12 dB beim Low-Cut.

Das einfache Mono-Delay von Cubase hat bereits einen Low-Cut und Hi-Cut im Plugin integriert (siehe rotes Viereck im Bild). Sofern das Plugin solche Parameter hat, ist ein zusätzlicher EQ unnötig.

Damit der Delay-Effekt nicht so sehr in der Musik heraussticht, aktivere bei dem EQ auch einen Hi-Cut / Low-Pass (die beiden Begriffe haben dieselbe Bedeutung). Stelle die Frequenz so ein, dass das Echo nicht mehr so sehr aus dem Song heraussticht. Falls du ein großes Fragezeichen beim Thema Low- oder Hi-Cut im Gesicht hast, ist es empfehlenswert, sich das EQ-Tutorial durchzulesen. Anschließend wirst du sicherlich ein Ausrufezeichen im Gesicht haben. 🙂

Sollte man im Tonstudio wissen: Auffällige Effekte haben den Vorteil, dass die unschönen Nebeneffekte von Verschmelzung und Größenillusion verringert werden.

Klingt es mit dem EQ bzw. dem Filter besser? Dazu schalte einfach, während du die Musik hörst, den EQ aus. Es reicht übrigens aus, den Bypass-Schalter zu drücken. Wenn du den Effekt ganz ausschaltest, muss zwar dein Rechner nicht mehr das Plugin in dem Moment berechnen, allerdings hörst du beim Einschalten meistens ein unschönes Knacksen und ein verzögertes Signal. Höre dir den Song ca. 10 Sekunden ohne EQ an.

Anschließend schalte den EQ wieder an. Bypass also wieder drücken (das heißt, Bypass leuchtet nicht mehr). Achte dabei auch auf die anderen Elemente im Mix (Hörperspektive verlagern). Sind die anderen Elemente im Mix dadurch besser zu hören? Regel eventuell die Frequenz nach oder lasse notfalls den EQ weg. Mehr zum Thema Hörperspektive verlagern unter Mixing / Abmischen Reihenfolge – Mix aufbauen.

Haas-Effekt

Um etwas Distanz zwischen dir und dem Sänger zu schaffen, gibt es einen Trick: der Haas-Effekt. Bei diesem Effekt gibt es das direkte Signal und das verzögerte Signal (Echo, Delay). Wenn das verzögerte Signal nah am direkten Signal ist, wird es als ein Signal wahrgenommen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass mehr Raumanteile beim direkten Signal vorhanden sind, als es tatsächlich der Fall ist.

Probiere es doch gleich mal aus: Lade ein Delay Plugin in den Mixer. Dafür reicht das interne Delay locker aus. Stelle nur eine Wiederholung ein (Feedback-Regler auf Minimum). Stelle nun den Time-Regler im Bereich zwischen 20-50 ms ein. Für diesen Bereich ist der Effekt geeignet. Spiele den Song einfach ab, und stelle dabei den Regler, so wie es dir am besten gefällt, ein. Die genaue Einstellung ist abhängig davon, wie der Sänger oder das Instrument klingt, wie schnell das Tempo des Songs ist und wer die Tagesschau moderiert. 🙂 Den Anteil des Effekts stellst du mit dem Mix-Regler ein.

Hilfestellung für die richtigen Delay-Einstellungen

Letztendlich gilt: Delay-Einstellungen, die für die Musik passen, sollte der Toningenieur nehmen. Lasst eure Kreativität freien Lauf. Mit diesem Satz im Hinterkopf, setzt ihr euch nun ganz euphorisch an den neuen Mix. Ihr öffnet ein Delay-Plugin und fragt euch nun: Welche Einstellungen könnten denn passen? Habt ihr einige Zeit später eine Einstellung gefunden, drängt sich die nächste Frage auf: Brauche ich noch ein Delay-Plugin? Oder vielleicht das gleiche Plugin mit anderen Einstellungen?

Bei so vielen Möglichkeiten ist es schwierig, schnell die richtigen Einstellungen vorzunehmen – vor allem, wenn ihr noch keine große Erfahrung im Bereich Mixing habt. Zur Orientierung ist es keine schlechte Idee, sich seinen Referenzsong oder sogar mehrere Referenzsongs anzuhören. Aber wahrscheinlich wirst du lediglich feststellen, ob die Spuren mehr oder weniger Effekte bzw. Echo haben. Genaue Einstellungen sind schwer herauszuhören.

Daher möchte ich euch einen Standard vorstellen, der oft gut funktioniert. Da ich in der Regel mit Cubase abmische, zeige ich euch die Standard-Einstellungen mit den Cubase-Plugins. Das sind einfache Delays in Cubase, die auch jeder andere Audio-Sequenzer besitzt. Die Einstellungen könnt ihr also auch für andere Delay-Plugins übernehmen. Wir erstellen nun 3 Delays mit jeweils einem Return-Kanal – in Cubase Effektkanal genannt.

  1. Für Sounds, die langweilig klingen oder mehr Stereobreite bekommen sollen, nehmt ihr ein Stereo-Delay. Dafür reicht ein einfaches Stereo-Delay aus. Fügt also ein Effektkanal hinzu. In diesem Effektkanal wählt ihr im Insert ein Stereo-Delay von eurer DAW / eurem Audio-Sequenzer aus. Die Einstellungen für das Delay seht ihr in der folgenden Abbildung.
Das sind die Einstellungen, die ihr nicht nur für das Stereo-Plugin in Cubase nehmen könnt.
  1. Nun erstellt ihr noch ein 1/8 Mono-Delay mit einem neuen Return-Kanal. Dieses ist gut für Sounds geeignet, die nicht so komplex sind und wenige Töne spielen. Probiert das Delay aber einfach mal am besten bei verschiedenen Sounds während des Abmischens (Mixing) aus. Irgendwann wisst ihr, wie dieses klingt und könnt schneller beurteilen, ob ein Instrument das Delay braucht – ohne es immer ausprobieren zu müssen.
Die Einstellungen des Mono-Delays. In dem Fall das interne Mono-Delay von Cubase.
  1. Das Stereo-Delay und das Mono-Delay schickt ihr nun durch ein Plate-Reverb (die Abbildung oben unter „Kombination Delay und Hall“ kann gerne als Orientierung genommen werden. Der Effektkanal des Plates hatte ich „Bright Plate“ genannt). Dazu erstellt ihr ein Effektkanal mit einem Plate-Reverb. Außerdem ist es eine gute Idee den Send-Effekt vom Effektkanal des Stereo-Delays und vom Effektkanal des Mono-Delays auf -10 einzustellen. So viel bekommen also deine Delays vom Plate-Reverb ab.
Wählt beim Send das Plate-Reverb aus. Anschließend ist es eine gute Idee, den Send auf -10 einzustellen.
  1. Zudem nehmt ihr genau wie oben zu sehen unter „Kombination: Hall und Delay“ das 1/8 Delay mit nur einer Wiederholung (Slapback-Delay). Dieses schickt ihr, auch wie oben in der Abbildung aufgezeigt, durch einen anderen Hall – nicht durch das Plate-Reverb wie die Delays in Schritt 1 und 2. Plate-Reverb? Hall? Näheres dazu im Artikel Reverb. Dieses kurze und kaum wahrnehmbare 1/8 Echo in diesem Schritt 4 sorgt für eine bessere Verschmelzung und Tiefe. Dieses Delay empfehle ich für Vocals / Gesang / Stimme / Rap. 🙂

Welchen Plate-Reverb und welchen Hall soll ich nehmen? Wenn du schon einen Favoriten beim Plate-Reverb und beim Hall hast, kannst du diese gerne nehmen. Ansonsten nehme einfach mal ein Hall-Plugin und höre dir die Hall-Presets und Plate-Presetes an. Vergleiche diese mit deinem Referenzsong. Klingen diese ähnlich gut? Nein, nicht zufrieden? Sehr gute Hall-Plugins habe ich im Artikel Reverb aufgelistet.

Selbstverständlich könnt ihr auch sehr gerne von der Anleitung abweichen (z.B. das letzte Delay nicht nur für Vocals nehmen oder andere Delay-Werte einstellen oder das Delay nicht durch einen Hall schicken usw.). Aber um erst einmal zügig ein gutes Ergebnis zu erreichen, das für viele Songs gut funktioniert, ist es vorteilhaft, sich genau daran zu halten. Du hast ein anderes Schema, nach dem du vorgehst? Kommentare sind willkommen. 🙂

Fazit: Delays haben eine ähnliche Wirkung wie Reverbs

Delays haben eine ähnliche Wirkung wie Reverbs – nehmen aber weniger Platz im Mix ein. Delays, die an das Tempo angepasst sind, nimmt der Hörer weniger wahr. Dieser Effekt eignet sich für eine bessere Tiefenstaffelung. Delays, die nicht an das Tempo angepasst sind, nimmt der Hörer deutlicher wahr. Dieser Effekt eignet sich daher für auffällige kreative Effekte.

Brauchst du ein weiteres Delay von einem Drittanbieter? Es ist empfehlenswert, zumindest ein digitales Delay-Plugin und ein paar charaktervolle Delays (es muss nicht unbedingt eine analoge Emulation sein) zu besitzen. Ein empfehlenswertes Plugin, das einfache und kreative Echo-Effekte beherrscht, ist der Echoboy von Soundtoys. Unter den Profis kann man diesen schon als Standard bezeichnen. Übrigens sind alle Plugins von der Firma Soundtoys wirklich sehr gut.

Versuche auch, wie in dem Artikel beschrieben, noch weitere Plugins im Return-Kanal des Delays zu laden. Manchmal sind es die Feinheiten, die einen guten Mix von einem herausragenden Mix unterscheiden. Um zu prüfen, was am besten klingt, ist es wie so oft empfehlenswert, das Plugin bzw. den Effekt aus- und nach kurzer Zeit wieder einzuschalten. Auch der A/B-Vergleich – wie im Artikel Spectrum Analyzer erklärt – kann für die genauen Einstellungen hilfreich sein. Versuche dabei genau herauszuhören, ob es deinen Mix verbessert.

Es ist sehr empfehlenswert, solche feinen bzw. genauen Einstellungen mit frischen Ohren zu beurteilen. Das heißt, mache auch ab und zu eine Pause von ca. 15 min. Anschließend höre dir noch einmal den Roughmix und deinen ausgewählten Referenzsong an, bevor es wieder an die Delay-Einstellungen geht.

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