Reverb-Effekt / Hall-Effekt: Einstellen, Einsetzen, Erklärung

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Heutzutage wird zum einen das Mikrofon bei der Aufnahme (Recording) sehr nah am Sänger, Rapper oder den Instrumenten, wie z.B. der Gitarre, positioniert und zum anderen viel am Computer (Audio-PC) produziert. Beim Mixing klingt dadurch alles sehr flach. Mit Hall und Delay können Toningenieure der Musik räumliche Tiefe verleihen (Tiefenstaffelung). In diesem Tutorial wird erst einmal das Reverb (Hall) erklärt. Die Herausforderung beim Hall besteht darin, dass der Song nicht matschig klingt und auffällige Hallfahnen nicht gehört werden. Wer keinen 80er-Retro-Sound möchte, der sollte nämlich Hall und Delay sparsam anwenden.

Zunächst solltest du im Tonstudio wissen, dass ein Hall aus Erstreflexionen und einer Hallfahne besteht. Was bedeutet das?

Unterschied: Erstreflexionen und Hallfahne

Erstreflexionen (Early Reflections) ist der erste kurze Zeitabschnitt des Effektsignals, der uns den Raumeindruck vermittelt. Wenn du beispielsweise in deinem Schlafzimmer bist und sprichst, dann hörst du keine Hallfahne. Durch die Erstreflexionen klingt es trotzdem nach Schlafzimmer. Der Direktschall wird von Wänden, Boden und Decke reflektiert. Die Erstreflexionen werden durch die Raumgröße und dem Material, aus dem die Wände bestehen, unterschiedlich gefärbt und geformt.

Wenn du deine Freundin anrufst, kannst du anhand der Erstreflexionen feststellen, ob sie sich gerade in eurem Schlafzimmer oder in eurer Küche befindet. Je lauter sie spricht, desto deutlicher hörst du es.

Die Hallfahne ist der meist auffällige „wabernde“ Teil des Hallsignals, der den Erstreflexionen folgt. Je größer der Raum und härter die Raumflächen, desto länger ist die Hallfahne. Meistens hörst du viel Hall in einer Wohnung, wenn keine Möbel im Zimmer stehen.

In der Musik werden Erstreflexionen genutzt, um den Eindruck von einem Raum zu erzeugen. Außerdem kann mit den Erstreflexionen der Eindruck erzeugt werden, dass Audiosignale weiter entfernt klingen. Die Hallfahnen werden als verbindendes Element genutzt. So können verschiedene Einzelsignal miteinander verschmelzen und „schöner“ gemacht werden.

Abgesehen von den eher seltenen Fällen, in denen Hall (Reverb) gezielt als plakativen Effekt eingesetzt wird, wird bei den meisten modernen Produktionen Hall und Delay benutzt, um mehr Räumlichkeit und eine bessere Tiefenstaffelung zu haben. Dabei steht die Transparenz im Vordergrund, sodass die Hallfahnen nicht deutlich wahrgenommen werden sollen.

Bei nahezu allen Produktionen wird mehr als ein Hall benutzt. Bei einem fertigen Song (Referenzsong) ist es aber sehr schwierig herauszuhören, wie viel Hall und welche Art von Hall benutzt wurde. Grundsätzlich gibt es 3 Arten von Hall. Die Erklärung erfolgt im nächsten Abschnitt.

Unterschied Hall: Office-Reverb, Plate-Reverb und Hall-Reverb

Office-Reverb: Der Office-Reverb ist ein kurzer Hall (vorwiegend Erstreflexionen). Er klingt wie ein kleiner Büroraum. Von diesem Reverb bekommen viele Audiosignale für eine dezente Räumlichkeit etwas ab. Hihats oder das Crushbecken können wunderbar räumlich nach hinten geschoben werden, indem sie richtig viel davon bekommen. Der Gesang oder Rap bekommt meist gar nichts. Die Stimme steht in einem Song vorne.

Der Office-Reverb sorgt für Räumlichkeit und mehr Tiefenstaffelung. So können Signale mehr oder weniger weit nach hinten geschoben werden.

Plate-Reverb: Der Ursprung dieses Sounds sind mechanische Hallplatten, die heutzutage digital in jedem guten Hall-Plugin unter dem Preset „Plate“ dabei sind. Diese Art von Hall gibt es schon lange und wird auch noch heute sehr gerne genutzt.

Der Plate-Reverb liefert wenig Räumlichkeit, dafür viel Textur.

Hall-Reverb: Beim Hall wird eine Halle simuliert. Hall und Plate klingen unterschiedlich. Dazu kannst du dir einfach mal die Presets Hall und Plate in deinem Reverb-Plugin anhören. Bei einem Hall sind die meisten Presets darauf ausgelegt, den Eindruck eines großen Raumes zu vermitteln. Die Erstreflexionen bei einem Hall sind überwiegend „kräftig“ und „groß“. Meisten für einen Mix zu „kräftig“ und „groß“. Zum Glück können wir Hallfahnen bei nahezu allen Reverb-Plugins absenken und kürzen (Gated Reverb). Das Ergebnis klingt dann unnatürlich, denn man hört einen großen Raum mit knapper Hallfahne. Im Mix funktioniert es aber gut. So ein Hall öffnet z.B. Snare Drums (Mixing Drums Reverb). Er macht sie richtig groß, ohne dass man eine lange Hallfahne hört.

Der Hall gibt Weite und macht Audiosignale schöner und tragender.

Diese 3 Reverb-Typen kannst du deinem Mix für mehr räumliche Tiefe hinzugeben.

Kleiner Tipp: Du kannst natürlich auch mehrere Reverbs einer Spur geben. Dies nennt man klangliches Schichten. Versuche doch einmal, Plate und Hall einen Sound zu geben. Achte darauf, dass die Hall-Arten sich nicht maskieren. Um insgesamt Maskierungsprobleme beim Hall zu vermeiden, ist es eine gute Idee, den Hall-Return auf mono zurückzuführen. Reverbs müssen nicht unbedingt stereo sein, um groß zu wirken.

Reverb / Hall / Hallräume richtig einstellen

Nutze die Presets als Ausgangspunkt beim Mixing / Abmischen. Vielleicht passt bereits genau ein Preset zum Song. Falls nicht, hast du noch Regler – in der Fachsprache auch „Knöppe“ genannt – zum Anpassen.

Übrigens nutzen auch Profis gerne die Presets als Ausgangsstellung.

Um die Regler eines Hallgeräts zu verstehen, ist es empfehlenswert, einfach an diesen herumzuspielen, und dabei extreme Einstellungen zu wählen. Glücklich machen dich vor allem folgende Regler bei einem Hall-Plugin (Hall-Parameter):

  • Der Time- oder Length-Regler. Mit diesem Regler bestimmst du, wir lange die Ausklangzeit einer Hallfahne ist.
  • Der Regler Size, Density oder Reflections (die Hersteller haben auch hier unterschiedliche Bezeichnungen) sind hilfreich, um den Raumanteil (space) zu bestimmen. Ist der Sänger oder das Instrument in einer kleinen Kammer oder einem großen Wohnzimmer?
  • In einem Raum, in dem keine Möbel stehen, hallt es sehr stark. Werden nun Möbel ins Zimmer gestellt, wird der Hall absorbiert. Vor allem die Höhen werden dabei als erstes „geschluckt“ bzw. absorbiert. Das kann mit dem Regler Absorption, Color oder LP Filter eingestellt werden.

Um schnell den Hall eines Songs einzustellen, ist es vorteilhaft, ein Gefühl für diese Parameter zu entwickeln. Dazu kannst du einfach ein Hall-Plugin öffnen und ein bisschen mit den Parametern herumspielen. Wie viel Hall ein Instrument oder der Gesang haben soll, ist letztendlich Geschmackssache. Eine gute Idee ist es, den Hallanteil mit dem Referenzsong zu vergleichen.

Hörst du dort weniger oder mehr Hall? Haben einige Elemente im Mix besonders viel Hall?

Reverb / Hall mit der Musik einstellen

Es ist vorteilhaft, die Hallanteile (Reverb) im Zusammenspiel mit allen Audio-Signalen einzustellen. Nur dann kann beurteilt werden, ob es zu viel, zu wenig oder überhaupt der richtige Hall ist. Wenn du nach und nach den Gesang und die Instrumente im Mix hinzufügst und schon dem ersten Audiosignal sehr viel Hall verpasst, löst das eine Kettenreaktion aus:

Wenn das erste Audiosignale (bei vielen der Gesang) zu viel Hall (Reverb) bekommt, wirst du allen anderen Signalen danach noch mehr Hall geben. Verwendest du am Anfang den Hall sehr sparsam, wirst du letztendlich einen transparenten Mixdown haben. Die eigentlichen Feinarbeiten am Hall solltest du relativ spät beim Mixing / Abmischen vornehmen.

Lass dich nicht von Preset-Namen irritieren. Vertraue lieber deinen Ohren und höre, ob es der richtige Hall für den abzumischenden Track ist.

Letztendlich gibt es 4 Gründe, warum die Profis beim Mixing Hall hinzufügen:

  1. Um einen wahrnehmbaren bzw. hörbaren Raum zu erzeugen
  2. Um eine Aufnahme lebendiger und aufregender zu gestalten (welche Spuren erscheinen dir langweilig? Verleihe diesen Spuren Charakter!)
  3. Um eine Aufnahme größer und breiter klingen zu lassen
  4. Um eine Audiospur nach hinten zu rücken bzw. um die Illusion zu erzeugen, dass die Stimme oder das Instrument sich weiter im Raum befindet

Ansonsten gilt das, was bei allen Effekten gilt: Alles, was gut klingt, ist erlaubt. Hast du den Hall / Reverb auf allen erforderlichen Spuren angewandt, ist es eine gute Idee, den Hall im gesamten Mix / Song für ca. 10 Sekunden auf Bypass zu stellen. In den 10 Sekunden sind die Spuren trocken und du kannst dir noch einmal vorstellen, wie du den Track mischen wolltest. Wird der gesamte Hall wieder eingeschaltet, fällt einem manchmal noch das eine oder andere Detail auf, das noch korrigiert werden sollte. Diese Methode kann natürlich auch bei einzelnen Instrumenten oder Gesang / Rap angewandt werden.

Feinjustierungen sind später während des Mischens übrigens normal. Kleiner Tipp noch am Rande: Bewerte auch die Monokompatibilität des Halls, indem du den gesamten Mix auf mono schaltest. Ist der Hall noch so, wie du ihn dir wünschst? Denke nur an die vielen Smartphones, die die Musik in Mono wiedergeben. Es wäre doch unschön, wenn es dort nicht so klingt, wie du es dir vorgestellt hattest. Eine Art Auratone-Lautsprecher kann hier helfen. Siehe Artikel Studiolautsprecher / Studiomonitore kaufen – Empfehlungen und Tipps.

Reverb (Hall) bzw. Hallräume für den Gesang (Vocal)

Der Gesang (Vocal) wird vor allem in Homestudios oft in schlecht klingenden Räumen aufgenommen. Es ist schwierig, solch einen Raumsound im Mix wieder loszuwerden. Ein guter Hall kann hier aber helfen. Man kann damit oft den unschönen Raumsound „maskieren“ bzw. akustisch verstecken.

Mit dem Office-Reverb kann man der Originalaufnahme mehr Räumlichkeit verleihen. Falls der Originalraum unschöne Höhen hat, lassen sich diese durch die angenehmeren Höhen eines Plate- oder Hall-Reverbs entschärfen.

Glue-Effect

Toningenieure sprechen öfters vom sogenannten Glue-Effect. Was bedeutet das? Dazu folgendes Beispiel: Max hat bei sich den Gitarren-Part aufgenommen, Moritz hat in seiner Bude gesungen, und Wolfgang hat den restlichen Song in seinem Studio mit VST’s (Virtual Studio Technology), also mit seinen virtuellen Instrumenten, gefüllt.

Die Aufgabe des Toningenieurs ist es nun, einen Effekt zu finden, der dem Hörer den Eindruck vermittelt, als ob alle im selben Raum die Musik aufgenommen hätten. Um das zu simulieren, eignet sich der Office-Reverb hervorragend dafür. Gebe allen Signalen ein bisschen vom Office-Reverb hinzu und fertig ist der Klebe-Effekt bzw. Glue-Effect.

Hall und Bass, das lass

Die tieffrequenten Audiosignale, wie es bei der Bassdrum und dem Bass der Fall ist, sollten insgesamt keinen Hall bekommen. Bass und Bassdrum können dadurch schwammige Transienten (Punch, Anschlag) bekommen, die sich negativ auf die präzise Wahrnehmung dieser Signale auswirkt. Vermeide diesen dumpfen Klangbrei. Sofern die Bassdrum oder der Bass unbedingt einen Hall (Reverb) bzw. einen kleinen Office-Reverb bekommen soll, schneide die tiefen Frequenzen des Halls mit einem Low-Cut-Filter ab.

Reverb-Plugin direkt in die Spur (Insert) einfügen oder als AUX-Send?

Es besteht die Möglichkeit, einen Hall direkt im Einschleifweg (auch Insert Send Return oder kurz Insert genannt) in die entsprechende Spur deiner DAW (z.B. Cubase, Pro Tools, Studio One, Ableton Live, Logic, Reaper, Reason, Samplitude, Cakewalk Sonar) zu laden. Wenn nur diese Spur den Hall abbekommen soll, ist das auch keine schlechte Idee. Der Effektanteil bzw. Hallanteil kann dann über den Dry/Wet-Regler des Reverb-Plugins bestimmt werden. Wenn wir jedoch den Hall für mehrere Spuren nutzen möchten, kostet es viel CPU-Power, wenn wir immer in den entsprechenden Spuren das gleiche Hall-Plugin laden.

Klüger ist es, wenn wir ein (!) Hall-Plugin für mehrere Instrumente verwenden. So entlasten wir die CPU, da nur ein Reverb-Plugin berechnet werden muss. Wie funktioniert das?

AUX-Weg (Send-Effekte; Send-Effect): Erstelle einen Aux-Weg in deiner DAW und füge dort das Reverb-Plugin ein. Wichtig: Stelle den Dry/Wet Regler auf 100% Wet (Anteil des Effekts). In diesem Fall stellen wir 100 % vom Effekt ein. Den gewünschten Anteil für die einzelnen Spuren stellst du nicht mit dem Dr/Wet-Regler des Reverb-Plugins ein, sondern über den Effect-Return (Send-Weg). Diesen findest du in den Spuren oder Kanälen deiner DAW, auch Audio-Sequenzer oder Audio-Software genannt. Möchtest du also, dass deine Gitarre von dem Hall etwas abbekommt, dann drehe am entsprechenden Effect-Return in dieser Spur bis die Gitarre genug Hall hat.

Mit dem Effekt im Aux-Weg kannst du mehrere Spuren in einem Projekt ansprechen. Wie funktioniert das? Zur Verdeutlichung siehst du in der Abbildung den Cubase-Mixer mit 2 Audiospuren: Gesang und Gitarre. Zudem wurde ein Aux-Weg hinzugefugt. In Cubase nennt sich der Aux-Weg Effekt-Kanal. Im Beispiel wurde dieser als „FX 1-LexPlate“ bezeichnet und das Lexicon Plate-Plugin hinzugefügt. Nun sollen die Vocal-Spur und die Gitarren-Spur diesen Reverb abbekommen. Dazu wurde der Send der Vocal- und Gitarren-Spur aktiviert und die Spur FX 1-LexPlate im Send ausgewählt. In demselben Bedienfeld kann nun der Anteil des Halls bestimmt werden.

In der Reverb-Aux-Spur noch weitere Plugins laden

Neben dem Performancegewinn hat der Hall im Aux-Weg einen weiteren Vorteil: Du kannst in der Aux-Spur bzw. speziell für diesen Effekt noch weitere Plugins laden. Das ist sinnvoll? Oh, ja! Dazu nun ein paar Anregungen und Tipps.

1. Einen EQ zusätzlich im Hall-Aux-Weg einfügen

Der Hall kann andere Instrumente im Song verdecken. Um das zu überprüfen, ist es wieder empfehlenswert, den Hall aus- und einzuschalten (Abstand zwischen dem  Aus- und Einschalten ca. 10 Sekunden). Sind beim Ausschalten des Halls wieder Instrumente besser zu hören? Oder sind beim Anschalten des Halls Instrumente schlechter zu hören? Oder ist der Hall einfach zu präsent? Dann ist es eine gute Idee, einen EQ in den AUX-Weg einzufügen. Falls das Hall-Plugin schon einen EQ integriert hat, kannst du selbstverständlich auch diesen gerne nutzen.

Achte dabei besonders auf die tiefen Frequenzen. Normalerweise profitiert der Song, wenn der Hall eine Absenkung per Low-Cut / Hi-Pass oder Low-Shelf irgendwo unterhalb von ca. 300 Hz bekommt (abhängig vom Song). Vor allem die Bassinstrumente gewinnen an Headroom (der Abstand bis es verzerrt) und Transparenz.

Höhenreicher Hall bekommt schnell die Aufmerksamkeit des Hörers. Soll der Hall eher unauffällig im Song sein, sind dunkle Hallräume zu verwenden. Eine Alternative ist es, die Höhen des Halls mit einem EQ abzusenken. Meistens wird dazu ein Tiefpassfilter / Low-Pass / High-Cut oder Kuhschwanzfilter / Hi-Shelf benutzt. Die genauen Einstellungen müssen – wie so oft beim Mixing – durch unser Gehör beurteilt werden. Im Zweifel den Hall ausschalten und nach ca. 10 Sekunden wieder einschalten. Dadurch hört ihr im Tonstudio / Homestudio deutlicher heraus, ob die Einstellungen passen.

Auch hier ist wieder ein Nachregeln üblich, wenn du den ersten Mixentwurf mit einem Referenzsong vergleichst.

2. Einen Kompressor zusätzlich im Hall-Aux-Weg einfügen

Vielleicht hast schon bei deinem Referenzsong festgestellt, dass der Hall ein bisschen kompakter klingt. Falls genau das deinem Mix fehlen sollte, versuch doch einmal einen Kompressor in den Reverb-Aux-Weg einzuschleifen bzw. einzufügen. Der Hall kann sich dadurch im Mix besser durchsetzen. Er ist einfach besser zu hören.

Die Kompressor-Einstellungen solltest du vornehmen, wenn der gesamte Mix zu hören ist. Wenn es nur etwas kompakter klingen soll, reicht eine Komprimierung von 0,5-3 dB aus. Um die genauen Attack- und Relase-Zeiten einzustellen, kannst du den Threshold erhöhen, sodass für diesen Moment deutlich mehr komprimiert wird, als du es letztendlich möchtest. So hörst du besser heraus, welche Attack- und Release-Einstellungen für den Hall geeignet sind.

Möchtest du genau hören, was mit dem Hall passiert, kannst du auch kurzfristig den Effekt und die dazugehörigen Audiosignale auf Solo stellen.

Hast du eine Einstellung gefunden, die mit dem Kompressor besser klingt, prüfe noch einmal, ob die Lautstärke mit dem Output-Regler nachgeregelt werden muss. Nutze dazu den Bypass-Schalter. Nur wenn die Bearbeitung bzw. der Hall mit dem Kompressor so laut klingt wie der Hall ohne Kompressor, ist der Vergleich fair.

3. Den Soundtoys little microshift zusätzlich im Hall-Aux-Weg einfügen

Du hast Elemente im Mix die etwas Besonderes brauchen? Wie wäre es mit einer „Hallbombe“? Lade ein Reverb-Plugin in den Aux-Weg. Als nächstes lade den Soundtoys little microshift in den Aux-Weg und stelle den little microdhift auf Modus 2. Dieses Plugin ist ein Stereoverbreiterungseffekt. Warum auch nicht mal für den Hall ausprobieren? Empfehlenswert vor allem für Elemente, die Akzente im Song setzen und nicht durchgängig zu hören sind.

Der Soundtoys little microshift ist klasse, um Instrumente oder die Stimme breiter zu machen. Warum also auch nicht den Hall „andicken“? Allerdings solltest du diesen Effekt nur für Elemente nutzen, die Akzente oder Highlights im Mix setzen, sonst kann es zu viel des Guten sein.

Wie werde ich den Hall auf einer Aufnahme los?

Es kommt bei den Audiospuren, die du vom Musikproduzenten erhalten hast, vor, dass auch Effekte, wie z.B. der Hall, auf der Aufnahme vorhanden sind. Falls zu viel Hall auf der Aufnahme vorhanden ist, ist es schwierig bis unmöglich den Hall wieder loszuwerden bzw. das Instrument in den Vordergrund zu rücken. Es gibt aber ein paar Tipps und Tricks den Hall etwas abzuschwächen (sollten auch in Kombination ausprobiert werden):

  • Verwende einen Equalizer oder Verzerrer, um das Instrument mit dem Hall aufzuhellen. Höhenreiche Signale werden als nah empfunden.
  • Enge das Stereobild ein oder wandle es in Mono um.
  • Füge ein trockenes Sample oder Midi-Instrument hinzu, das ähnlich klingt.

Eine gute Plugin-Lösung für das Problem bietet das SPL De-Verb von Plugin Alliance. Es ist sehr einfach zu bedienen. Einfach am Reverb-Reduction-Regler mit dem Mauszeiger drehen, bis der Hall weniger zu hören ist. Achte darauf, dass das Instrument von der Hallreduktion nicht beeinträchtigt wird.

Um Hall auf einer Aufnahme wieder zu entfernen, ist das SPL De-Verb ein sehr praktisches Plugin.

Mittlerweile gibt es das SPL De-Verb Plus. Dieses bietet einen verbesserten Algorithmus, einen Limiter mit einem Gain-Reduction-meter (zeigt an, wie viel vom Signal abgeschnitten wird) und einen Dry/Wet-Regler (damit kann der Anteil des Effekts bestimmt werden).

Empfehlenswerte Hall- bzw. Reverb-Plugins

Bevor du dich nach Drittanbieter umschaust, probiere zunächst die internen Reverb-Plugins in deinem Audio-Sequenzer (Cubase, Studio One, Pro Tools, Logic, Ableton Live usw.) aus. Meistens sind diese schon ausreichend. Vergleiche den ausgewählten Hall mit deinen Referenzsongs. Klingt der Hall gut? Passt er zu deinem Mix? Erreicht der Hall die gleiche Qualität wie im Referenzsong?

Gut ist es, wenn du einen realistischen Hall und ein paar Reverbs mit Charakter / Färbung in deiner Sammlung hast. Du bist noch nicht ganz zufrieden mit dem internen Reverb deiner DAW? Hier nun ein paar Empfehlungen, falls du im Plugin-Dschungel nicht mehr durchsiehst:

  • UAD EMT 250 Classic Electronic Reverb (von Universal Audio): Diese Emulation bietet einen Hall, den Profis für ihren Mix oft verwenden und einfach immer gut passt. Oft wird der Hall im Kombination mit dem im Folgenden vorgestellten Plate-Reverb benutzt.
  • UAD EMT 140 Classic Plate Reverberator (von Universal Audio): Toningenieure nutzen in ihrem Tonstudio in Kombination mit dem EMT 250 von UAD gerne den EMT 140 Classic Plate für mehr Charakter. Unbedingt mal die Plate-Variation B probieren!
  • UAD Ocean Way Studio (von Universal Audio): Eine Musikproduktion im Computer klingt oft flach. Es fehlt oft der natürliche Raumeindruck – die natürlichen Erstreflektionen und Hallfahne. Abhilfe mit einer herausragenden Qualität schafft das Ocean-Way-Studio-Plugin. Dieses Plugin beinhaltet den Raumklang vom Ocean Way Studio – eines der berühmtesten Studios der Popmusikgeschichte! Für dieses Plugin wurden zahlreiche Impulsantworten aufgenommen, die sich mit dem Plugin verändern lassen. Der Hall bzw. Klang vom Ocean Way Studio wurde also aufgenommen. Solche sogenannten Faltungshalls sind nicht neu, aber einen Faltungshall von so einem legendären Studio zu besitzen, ist schon klasse und wertet einen Mix auf. Bedenke aber, dass dieses Plugin eher ein Office-Reverb ist.
Deine Spuren brauchen einen richtig genialen Raumklang? Die Lösung: Ocean Way Studios von Universal Audio.
  • HOFA IQ-Reverb: Ein weiteres schönes FaltungshallPlugin bietet HOFA. Dieses Plugin besitzt eine Vielzahl unterschiedlicher Reverb-Typen. Jedes Preset kann nach Belieben verändert werden. Selbst ein Gated Reverb (abgeschnittener Hall) und eine Hall-Modulationen sind mit dem IQ-Reverb schnell und einfach einzustellen.
Der Hofa IQ-Reverb bietet für jeden Mix den passenden Hall in einer sehr guten Qualität.
  • Valhalla Room, VintageVerb und Plate: Die grafische Benutzeroberläche (auch GUI – Graphical User Interface – genannt) sieht bei den drei Plugins Plugins Room, VintageVerb und Plate von Valhalla nicht unbedingt attraktiv aus. Dafür bieten diese Plugins einen hervorragenden Klang zu einem jeweils sehr günstigen Preis.
  • Lexicon PCM Native Reverb Bundle: Der bekannte Hersteller Lexicon (seit Mitte der 80er!) bietet seinen hochwertigen und künstlich erzeugten Hardware-Hall auch als Plugin-Bundle an. Dieses Bundle beinhaltet Vintage Plate, Plate, Hall, Room, Random Hall, Concert Hall und Chamber mit jeweils vielen Presets in einer sehr guten Qualität. Die Hardware ist sehr teuer. Das Plugin-Bundle hatte einmal knapp 1300 Euro gekostet. Heute kostet das Plugin-Bundle weniger als ein Viertel vom damaligen Preis! Noch günstiger ist das Lexicon LXP Native Reverb Bundle mit den Plugins Room, Hall, Chamber und Plate. Das Lexicon LXP Native Reverb Bundle ist aber keine abgespeckte Version vom Lexicon PCM. Die Hall klingt anders, aber auf keinen Fall schlechter. Auch hier kann eindeutig die Lexicon-Ästhetik herausgehört werden: eine edle Hallfahne mit seidigem und natürlichem Abgang.
Hall und Lexicon ist wie Taschentuch und Tempo oder Haushaltsrolle und Zewa Wisch und Weg. 🙂 Musiker assoziieren mit der Firma Lexicon einen hochwertigen Hall.
  • Waves CLA: Der Plugin-Hersteller Waves hat u.a. einige Signature-Bundles veröffentlicht. Diese wurden mit bekannten Toningenieuren entwickelt. Die Plugins sollen Instrumente und Gesang mit wenigen Reglern den charakteristischen Klang des jeweiligen Toningenieurs verleihen. Ein Bundle (Serie) wurde mit dem Profi Chris Lord-Alge entwickelt. Das Chris Lord-Alge-Bundle gehört für mich zu den besseren Signatur-Bundles. Chris mischte z.B. die Musik von den Künstlern Foo Fighters, Green Day, U2, Nine Inch Nails, Alanis Morissette, Bon Jovi, Santana, Goo Goo Dolls und Dave Matthews Band ab. Die Chris Lord-Alge-Signature-Series beinhaltet u.a. das interessante Plugin CLA Vocals. Dieses funktioniert erstaunlich oft auf verschiedene Arten von Vocals. Es beinhaltet neben einem guten Reverb, einen EQ, Kompressor, Delay und einen Stereoverbreiterungseffekt. Das Plugin kann einzeln oder im Bundle erworben werden. Auch das CLA-Bass-Plugin funktioniert oft bei den Bässen. Die anderen Plugins im CLA-Bundle sind etwas spezieller. Ausprobieren lohnt sich aber auf jeden Fall auch bei den anderen Plugins. Die verschiedenen Signature-Bundles sind übrigens nicht für die detaillierten Eingriffe gedacht, sondern sollen schnell und einfach Drums (Mixing Drums Reverb), Vocals und Instrumente die charakteristischen Klänge der Toningenieure verleihen.
Mit dem CLA Vocal hast du mit wenigen Fadern und Knöpfen einen amtlichen Vocalsound. Der CLA besitzt einen EQ, einen Kompressor, Hall, Delay und einen Stereoverbreiterungseffekt.

Dies sind übrigens nur ein paar Empfehlungen. Es gibt noch viele weitere gute Reverbs! Du hast einen Reverb, den du in fast jedem Mix einsetzt? Wie heißt das Plugin? Welche Einstellungen verwendest du? Gerne kannst du dazu einen Kommentar schreiben.

Fazit: Reverb verleiht der Musik mehr Tiefe (Tiefenstaffelung)

Füge bei den ersten Audiosignalen, die du in deinem Mix bearbeitest, möglichst wenig Hall hinzu. Nimmst du am Anfang zu viel Hall, wirst du den restlichen Elementen noch mehr Hall geben und der Song erstickt im Hall. Kick und Bass bleiben in der Regel sowieso ohne Reverb. Es ist keine Seltenheit, dass in einem Mix 4-5 Reverb-Plugins genommen werden. Vor allem, wenn die Musik im Computer produziert wurde, fehlt dem Mix die räumliche Tiefe.

Welche Reverb-Plugins nutzt du? Gibt es Reverbs, auf die du immer wieder zurückgreifst? Wie gehst du beim Hinzufügen von Reverb vor? Schreibe einen Kommentar. Dir hat der Artikel Hall/Reverb gefallen? Sag‘ es weiter. Teile den Artikel über Facebook, Twitter oder Google+. Die entsprechenden Buttons befinden sich oben und unten im Artikel. Vielen Dank!

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