Mixing / Abmischen Reihenfolge – Mix aufbauen

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Mix Aufbau

Viele Wege führen nach Rom. Ein bekannter Spruch, der oft zutrifft – auch beim Abmischen. Die Stadt Rom ist in unserem Fall der perfekt abgemischte Song. Um eine gute Klangqualität zu erreichen, gibt es nicht den einen richtigen Weg. Fragt man 10 unterschiedliche Mix-Engineers nach ihrer Vorgehensweise, wird man 10 unterschiedliche Antworten erhalten, aber das Ergebnis klingt bei allen toll.

Einige Toningenieure starten mit Drums, manche mit dem Bass. Wiederum andere starten den Mix mit aufgezogenen Fadern und schalten nur die Instrumente auf Solo, die Probleme im Mix machen. Es gibt auch Leute, die völlig willkürlich vorgehen. Deren Vorgehensweise hängt davon ab, welches Instrument sie gerade interessiert.

Wenn man mit dem Abmischen beginnt, ist es einfacher, ein gutes Ergebnis abzuliefern, wenn man erst einmal nur einen geeigneten Weg kennt und diesen geht. Auf diese Weise droht dir weniger die Gefahr, dich zu verzetteln.

Bevor wir loslegen, höre dir als erstes den Song an. Stechen einige Instrumente hierbei unschön heraus, kannst du natürlich den Fader bei diesen etwas herunterziehen, also die Instrumente oder den Gesang leiser machen. Falls du den Gesang leiser machen musst, hoffe ich, dass dieser einfach nur zu laut aufgenommen wurde. Schlecht wäre es, wenn die Sängerin oder der Sänger (Rapper) nicht singen (rappen) kann. 🙂

Mache dich mit allen Elementen / Audiospuren des Songs vertraut, damit du genau weißt, welche Elemente dieser enthält.

Der erste Eindruck vom ganzen Song ist wichtig. Auffälligkeit kannst du dir gerne notieren.

Auch der Rohmix (auf Englisch Rough Mix) des Künstlers kann sehr nützlich sein, um einen guten Eindruck vom Track zu bekommen. Der Rough Mix ist der Mix des Musikproduzentens, den er während des Produzierens erstellt hat. Der Rough Mix – im besten Fall eine Wave-Datei – wird meistens mitgeschickt. Der Musikproduzent mischt meistens instinktiv die Klänge nach vorne, die er hören möchte. Der Rohmix ist also ein guter Anhaltspunkt für deinen Mix. Der Künstler oder Produzent möchte oft eine ähnliche Mischung haben. Der Song soll „nur“ auf die nächste Ebene gehoben werden – also mit der Klangqualität der kommerziellen Produktionen aus den Charts mithalten können. Es soll einfach nach CD klingen.

Hast du nun deine Spuren sortiert, den richtigen Abhörpegel eingestellt, den abzumischenden Song ein paar Mal angehört und einen passenden Referenzsong ausgesucht, kannst du nun beginnen die richtigen Lautstärkeverhältnisse herzustellen. Dazu kannst du nach folgender Methode vorgehen.

Beginne mit den wichtigen Elementen im Mix

Bei dieser Methode fügst du schrittweise die Instrumente hinzu. Hierbei geht es darum, den Mix nach dem Hauptaugenmerk des Songs aufzubauen. Was ist das Zentrum des Songs? Was treibt ihn voran? Manchmal baut man ihn um den Rhythmus herum auf, manchmal um den Gesang (vocal) herum auf.

Im Mix hat man nur einen begrenzten Platz für die Frequenzen. Die Methode, die Instrumente nach ihrer Wichtigkeit hinzuzufügen, hat u.a. den Vorteil, dass die nachfolgenden nicht ganz so wichtigen Instrumente (die teilweise eher schmückendes Beiwerk sind) mehr ausgedünnt werden. Die ausgedünnten Instrumente klingen solo vielleicht unschön, aber im Mix machen sie Platz für die wichtigen Instrumente, sodass der gesamte Mix großartig klingt.

Und wie fange ich jetzt an? Nehme 2 bis maximal 3 Elemente im Song, die die meiste Aufmerksamkeit vom Hörer bekommen und vorne im Mix stehen sollen. Diese Elemente sollen die Aufmerksamkeit der meisten Hörer erregen und auch die wichtigsten Wiedererkennungsmerkmale des Songs sein. Was prägt sich ein? Was bringt den Hörer zum Ausflippen?

In den meisten Fällen ist das der Lead-Gesang oder ein entscheidendes Melodieinstrument. Als nächstes kommt oftmals der Bass oder die Bassdrum hinzu. Für welches Element du dich entscheidest, ist davon abhängig, welches Element du erst einmal für wichtiger erachtest. Das ist auch vom Musikstil abhängig. Die restlichen Instrumente kannst du auf „mute“ (stumm) stellen. Diese Spuren sind dann nicht zu hören.

Neben der Entscheidung, welche Instrumente zuerst abgemischt werden sollen, ist auch der Abschnitt, mit dem du anfängst, nicht unwichtig.

Intro, Strophe, Refrain oder Bridge – welchen Songabschnitt zuerst abmischen?

Es ist empfehlenswert, mit dem Abschnitt zu beginnen, der einen emotionalen Höhepunkt hat. Meistens ist das der Refrain.

Mische die Songabschnitte nach der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit.

Wie die genaue Reihenfolge aussieht, hängt von deinem Empfinden ab. Wenn beispielsweise der letzte Refrain am größten, besten und schönsten klingen soll, mische diesen zuerst ab. Versuche diesen so gut wie möglich abzumischen. Es ist immer danach einfacher, etwas nach weniger klingen zu lassen als nach mehr.

Bedenke, dass die relative Bedeutung eines Instruments auch in den verschiedenen Abschnitten des Arrangements (Anordnung der Instrumente + Gesang) variieren kann. In Strophen kann beispielsweise eine Gitarre mit insgesamt wenigen Instrumenten eine größere klangliche Bedeutung haben als in dichter besetzten Refrains, bei denen man die Gitarre weniger wahrnimmt und diese auch Platz für andere Instrumente machen muss.

Tipp: Wenn dieser Fall eintritt, dann zerschneide das Sample (Audiodatei) in deinem Audiosequenzer (Cubase, Pro Tools, Logic, Studio One, Samplitude, Ableton Live usw.), sodass du eine Gitarrenspur für die Strophen und eine Gitarrenspur für den Refrain hast. Dadurch ist die getrennte Bearbeitung (Strophe und Refrain) derselben Gitarre einfacher.

Berücksichtige auch, dass das Intro (Einleitung in den kompletten Inhalt der Musik) den Hörer packen sollte. Wenn das Intro schlecht klingt, ist es gleichgültig, wie der restliche Song klingt.  Schlimmstenfalls wird der Hörer noch im Intro bzw. nach den ersten Sekunden deiner Mischung den nächsten Song anklicken. Grausame Welt!

Hast du dich für einen Abschnitt entschieden, aktiviere die Loop-Funktion deines Audiosequenzers für diesen Abschnitt. Nun wird dieser Abschnitt kontinuierlich wiederholt. Im nächsten Schritt wird der Tiefbassbereich gereinigt, im Stereopanorama verteilt (Panning) und der Lautstärkepegel eingestellt.

Tiefbassbereich bereinigen

Höre alle Instrumente immer zunächst solo ab und bereinige den Tiefbassbereich. Dazu nimmst du einen Equalizer (abgekürzt EQ) und bereinigst die tiefen Frequenzen, die du nicht benötigst, mit einem Hi-Pass / Low-Cut (die beiden Begriffe haben dieselbe Bedeutung – keinen Unterschied).

Wie viel tiefe Frequenzen benötige ich denn nicht? Was du nicht hören kannst, schneidest du mit dem Hi-Pass / Low-Cut weg. Erhöhe langsam die Frequenz bis du eine Änderung im Klang des Instruments hörst. Dann gehe wieder ein kleines Stück zurück. Das Audiosignal hat keine unnötigen tiefen Frequenzen oder du bist dir unsicher, ob das Audiosignal überhaupt unnötige tiefe Frequenzen hat?

Dann lass die Frequenzen erst einmal so. Manchmal kann man das auch erst später beurteilen, wenn schon mehr Audiosignale hinzugefügt wurden. Stelle dir folgende Frage und höre genau hin: Bringt der Low-Cut wirklich etwas, damit mehr Platz für die wichtigen bassreichen Audiosignale vorhanden ist?

Grundsätzlich werden die tiefen Frequenzen weggeschnitten, damit die Bassdrum und/oder der Bass Platz im Mix haben und nicht maskiert werden. Außerdem sollte kein unnötiges Brummen, Rauschen oder Stampfen zu hören sein. Übrigens ist hierbei ein Analyzer sehr hilfreich. Dazu im Artikel Frequenzen und Spectrum Analyzer mehr.

Es gibt einige Toningenieure, die sehr vorsichtig mit dem Abschneiden der tiefen Frequenzen sind. Warum? Es droht die Gefahr, dass das Instrument an Wärme verliert. Aber (!) gerade bei Anfängern und einer schlechten Raumakustik im Homestudio / Tonstudio kann ich es nur empfehlen, den „tiefen Müll“ abzuschneiden. Ich bin der Meinung, die sekundären (unwichtigeren) Instrumente lieber im Tiefbassbereich etwas mehr zu beschneiden, als einen unsauberen Bassbereich zu haben. Denn vor allem die richtige Dosierung des Bassbereichs ist in einer nicht so guten Raumakustik schwer zu beurteilen. Die Wärme, die eventuell dabei verloren geht, fällt weniger im gesamten Mix bei den sekundären Instrumenten auf, als wenn der Bassbereich dröhnt / unsauber klingt.

Unter 30 Hz (sehr tiefe Frequenz) nimmt man eh nichts wahr, sodass du dir bei einem Hi-Pass / Low-Cut von 30 Hz keine Gedanken machen musst, ob du was falsch machst. Zudem sind 75 Hz oftmals eine gute Low-Cut-Frequenz. Probiere es doch mal bei Instrumenten, wie z.B. Gitarren oder Synthies, aus. Deaktiviere und aktiviere wieder den Low-Cut und höre dabei genau hin, ob es dem Sound schadet oder dem Mix gut tut. Wenn du weitere Instrumente hinzufügst, musst du später eventuell noch einmal nachregeln.

Später noch mal etwas nachregeln? Ja, das ist völlig normal beim Abmischen. Man mischt oft erst einmal grob ab, sodass es ganz ok klingt, und geht dann immer mehr ins Detail. Oft fallen erst einem auch später irgendwelche Sachen im Mix auf. Wichtig ist es, dass du dich nicht zu sehr in Details verzettelst. Falsch wäre es, über die Hälfte der Zeit mit einem Detail zu verbringen, das im gesamten Mix kaum auffällt.

Der Fall Bassdrum: Die Bassdrum kannst du z.B. auf jeden Fall bei 30 Hz beschneiden. Sehr viel höher solltest du aber bei der Bassdrum nicht gehen, denn diese ist meistens für die sehr tiefen Frequenzen in einem Mix zuständig.

Berücksichtigen solltest du auch, ob deine Studiomonitore überhaupt sehr tiefe Frequenzen wiedergeben können. Kleine Boxen können oft keine sehr tiefen Frequenzen wiedergeben. Allgemein ist es nicht verkehrt, diese Arbeit bzw. dieses Vergnügen mit guten Kopfhörern (mehr unter Abmischen mit Studio-Kopfhörern) zu erledigen. Außerdem hilft dir dabei ein Analyzer.

Nähere Erläuterungen zum Thema Equalizer, Frequenzen und Frequenzen bereinigen findest du auf Tonstudio-Wissen.de in der kostenlosen Anleitung (Tutorial) Abmischen lernen unter Tutorial Equalizer: EQ richtig einstellen lernen. Abwarten und Tee trinken.

Instrumente und Gesang im Stereopanorama verteilen

Zu den Mischverhältnissen gehört es auch dazu, Instrumente und Gesang im Stereopanorama zu positionieren. Das Stereopanorama (Stereo-Klangfeld), das bei Stereolautsprechern aus 2 Kanälen besteht, stellt den Klang räumlich da. Mit dem sogenannten Panning bestimmen wir, wo der Sound im Klangfeld platziert wird.

Panning kann zum einen Transparenz fördern, indem es von anderen Instrumenten ferngehalten wird, mit denen es in Konflikt zu geraten droht. Zum anderen kann Panning Bewegung in einem Song bringen, die für Aufmerksamkeit sorgt. Außerdem kann Panning einen Song größer und breiter wirken lassen.

Dazu nutzen wir den Pan-Regler, auch Pan-Poti genannt. Wie stelle ich diesen ein? Die wichtigsten Elemente, wie Lead-Gesang, Bassdrum, Snare und Bass, sollten in der Mitte des Stereobildes bleiben. Vor allem sollte Bassinstrumente in der Mitte bleiben, da die effiziente Übertragung der tiefen Frequenzen bei jedem beliebigem Stereolautsprecher am besten durch die kombinierte Fläche zweier Tieftöner erfolgt.

Wenn ein Audiosignal in Stereopanorama verteilt wird, muss darauf geachtet werden, wie sich dadurch die Mischverhältnisse in Mono und einkanaligem Stereo ändern.

Mono? Gibt es das heutzutage noch? Oh ja! Denke nur an die ganzen Smartphones. Diese haben meistens nur einen Lautsprecher und geben die Musik in Mono wieder. Wenn man in Mono den Song hört, ziehen die im Stereopanorama verteilten Instrumente eine 3-dB-Absenkung nach sich.

Bedenke auch, wenn jemand unterwegs nur mit seinem rechten Ohrstöpsel deinen Mix hört, dass er die nach ganz links gepannten Audiosignale nicht hört.

Eine gute Idee ist es, wenn ein Monosignal nach links im Stereopanorama verteilt wird und dafür ein anderes Instrument mit einer ähnlichen musikalischen Funktion genau um das Gleiche nach rechts zu verteilen. So erlangst du eine schöne Stereobreite und beim einkanaligem Stereo Hören ist die Welt auch noch in Ordnung. Meistens geht es beim Panning darum, eine Breite zu erzeugen und einen Abstand zwischen den gegenläufigen ausgelenkten Instrumentengruppen zu haben und weniger um die genaue Stereopositionierung der einzelnen Sounds.

Dazu einmal ein kleines Beispiel (dient nur zur kleinen Orientierung):

– Lead-Gesang, Bassdrum, Snare und Bass in der Mitte lassen

– Hi-Hat 1 auf 2 Uhr und Hi-Hat 2 auf 10 Uhr

– Gitarre 1 auf 9 Uhr und Gitarre 2 auf 3 Uhr

– Pad 1 ganz nach links und Pad 2 ganz nach rechts

Die eine Hi-Hat wird in diesem Beispiel nach links im Stereopanorama und die andere Hi-Hat, die eine ähnliche musikalische Funktion hat, genau um das Gleiche nach rechts verteilt.

Lautstärkepegel einstellen

Nach der Hochpassfilterung und dem Panning geht es um das Einstellen des Lautstärkepegels. Wenn es dein eigener Song ist, hast du hoffentlich den Artikel Pegel-Management beachtet, und die Audiosignale bei ungefähr -18 dB RMS aufgenommen. Die wichtigsten Elemente im Mix kannst du dann erst mal auf Faderposition „0“ (Ausgangsstellung) belassen.

Hast du einen Song von einem Musikproduzenten erhalten, der das nicht beachtet hat, ist es trotzdem keine schlechte Idee, den Fader bei den wichtigen Elementen auf „0“ zu belassen. Es gibt dafür 2 Gründe:

  1. Die beste Regelauflösung ist beim Fader im oberen Drittel; rund um die Zahl „0“. Je weiter du den Fader nach unten schiebst, desto schwieriger wird es, eine feine Lautstärkeänderungen vorzunehmen. Zum besseren Verständnis:
    • Verschiebst du den Fader im oberen Drittel um 2 mm nach unten, dann wird das Signal um nur 0,2 dB leiser gemacht.
    • Verschiebst du den Fader im unteren Drittel um 2 mm nach unten, dann wird das Signal aber gleich um 3 dB leiser gemacht (die Werte dienen nur dem besseren Verständnis und sind grob geschätzt).
  2. Die obere Begrenzung (+ 6 dB) des Faderkanalwegs kann ein Problem werden, wenn man die Fader schon von Anfang an zu weit hochschiebt.

Besser: Für einen RMS-Pegel von ungefähr -18 dB regel lieber an der Eingangssignalstärke als am Fader nach. Oder mit einem Plugin zur Pegelanhebung, das im Insert des Kanals hinzugefügt wird.

Cubase Mixer Pre Gain Lautstärke
Wenn ihr Audiosignale (Gesang, Rap, Instrumente) vom Produzenten in den Mix einfügt, die nicht ungefähr einen RMS-Pegel von -18 dB haben, dann regelt lieber an der Eingangssignalstärke nach. Im Mixer von Cubase wird dieser unter Pre als Gain bezeichnet.
Eine Alternative wäre es am Anfang der Signalkette ein Plugin zu laden, das die Lautstärke regeln kann. Einfach, praktisch und ressourcenschonend: das kostenlose GGain von GVST (Freeware).

Hat der Musikproduzent die Audiosignale viel zu laut (clipping) oder viel zu leise aufgenommen (schlechte Auflösung), fragen ihn höflich, ob er bitte die Signale noch einmal sauber aufnehmen könnte. Aus solchen Signalen kann nämlich kein großartiger Mix entstehen. Siehe auch der richtige Pegel beim Aufnehmen.

Übrigens gehört es zu guten Mischverhältnissen dazu, dass man oft einen Kompromiss eingeht. Das heißt, dass das neu hinzugefügte Audiosignal bzw. die neue Spur zum einen so laut sein sollte, dass man alle relevanten Sachen gut hört, die dir an der Spur gefallen. Aber zum anderen sollte die Spur im Mix so leise sein, dass es nicht die Vorzüge der wichtigen Instrumente verdeckt, die bereits im Mix zu hören sind.

Tipps für das Einstellen der Lautstärke

Manchmal ist es gar nicht so einfach, die richtige Lautstärke für ein Instrument im Verhältnis zu den anderen Instrumenten zu finden. Ein Tipp ist es, das Signal aus- und wieder einzuschalten, wenn du denkst, dass die Fadereinstellung passen müsste. Wenn du es wieder einschaltest und das Instrument sticht nicht heraus, ist jedoch gut zu hören, dann hast du alles richtig gemacht. Andernfalls korrigiere nach und wiederhole den Vorgang.

Ein weiterer Tipp ist es, den Fader ganz nach unten zu fahren. Schiebe diesen nun nach oben, bis für dich die Lautstärke passt. Merke oder notiere dir die Stelle. Nun machst du das gleich Spiel nur umgekehrt: Fahre den Fader nach oben, bis das Instrument eindeutig zu laut ist. Nun fährst du diesen herunter bis die Lautstärke dir wieder vernünftig erscheint. Merke oder notiere dir wieder die Stelle. Nun hast du zwei Markierungen innerhalb du den Fader bewegen kannst. Stelle nun je nach Wichtigkeit den Fader innerhalb des Bereichs ein. Notfalls kannst du auch noch einmal mit dem ersten Tipp die Lautstärke kontrollieren.

Selbstverständlich kannst du die Tipps auch beim Gesang, Hintergrundgesang, Chor, Sprechgesang (Rap, vocal) usw. ausprobieren und nicht nur bei den Instrumenten. 😉

In dieser Mixphase kann sich ein Zweitabhörsystem wie die Auratone-Ersatz-Lautsprecher lohnen. Es ist übrigens ausreichend, wenn du nur einen Auratone-Lautsprecher besitzt. So kannst du den Song in Mono abhören. In Mono kann man nämlich besser die Lautstärkeverhältnisse beurteilen! Mehr Informationen zu den Auratones unter Studiolautsprecher / Studiomonitore kaufen – Empfehlungen und Tipps.

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Schalte in dieser Mischphase öfters zu deiner Zweitabhöre um. Es ist wichtig mal einen anderen Höreindruck vom Mix zu bekommen, damit sich das Gehör nicht an falsche Einstellungen gewöhnt bzw. du als Toningenieur im Tonstudio wieder aufmerksamer zuhörst.

Du hörst alles nicht mehr so genau heraus? Mache eine Pause von ca. 15 min. Höre dir auch noch einmal den Referenzsong an, um dein Gehör einzustellen. Korrigiere die Lautstärke, wenn nötig. Verzettel dich aber nicht. Es müssen nicht gleich die perfekten Lautstärkeverhältnisse sein.

Pause gegen die Ermüdung des Gehörs
Es ist normal, dass unser Gehör schnell ermüdet. Wir hören beim Mixing / Abmischen irgendwann alles nicht mehr so genau heraus. Wir stellen dann Equalizer, Kompressoren und andere Effekte zu heftig ein. Eine 15-minütige Pause hilft, wieder „frische Ohren“ zu haben. Wie wäre es mit einem wunderbaren Lat­te mac­chi­a­to? Zubereiten, genüsslich trinken und schon sind die 15 Minuten um.

Vorgehensweise

Bei den nächsten Instrumenten, die du in den Mix hinzufügst, gehst du wieder wie oben beschrieben vor:

  • Eventuell Tiefbassbereich bereinigen
  • Eventuell im Stereopanorama verteilen
  • Eventuell Fader einstellen

Fügst du ein neues Instrument hinzu, höre genau hin, ob es ein anderes Instrument verdeckt. Das heißt, ob dadurch ein Instrument, das mehr Aufmerksamkeit vom Hörer bekommen soll, etwas schlechter zu hören ist bzw. bestimmte Frequenzen des wichtigen Instruments verdeckt werden. Vergleiche zudem immer mit dem Referenzsong. Bedenke auch, dass das Gehör schnell ermüdet. Hörst du nicht mehr alles so genau heraus, mache eine Pause von ca. 15 min.

Keine passende statische Fadereinstellung gefunden?

Wenn beim Einstellen keine Faderposition bzw. keine statische Faderposition passt, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass ein Plug-In benötigt wird. Umgekehrt kann das bedeuten, dass das Instrument keine (!) Signalbearbeitung benötigt. Gerade weil wir im Tonstudio den Drang haben, den Sound zu verbessern, ist es manchmal gar nicht so einfach, diesen unbearbeitet zu lassen, wenn man mit statischen Fadereinstellungen bereits gute Mischverhältnisse hinbekommt.

Wenn eine statische Faderposition nicht zu finden ist, kann es verschiedene Ursachen haben. Welche Ursachen das sein könnten, erfährst du in den nächsten Artikeln auf Abmischen lernen.

Die Mute-Taste (die Stummschalt-Taste)

Wer abmischt, der trifft auch Produktionsentscheidungen. Neben dem Aufpolieren des Audiosignals ist es manchmal wichtig, bei einigen Musikproduktionen ein paar Instrumente stummzuschalten – die Mute-Taste am Mischpult zu drücken. Manche Songs werden vollgestopft mit Instrumenten. Einige helfen aber gar nicht, den Song besser klingen zu lassen. Sie überdecken sogar zu sehr die wichtigen Instrumente. Trau‘ dich, drücke die Mute-Taste.

Hilfreich kann die Mute-Taste auch sein, wenn eine Steigerung fehlt. Wenn sich beispielsweise die Strophe 1 und 2 identisch anhört, dann könnte man probieren, in Strophe 1 ein Instrument auf Mute zu schalten.

Das Abmischen von Musik ist auch abhängig von der Tagesform

Alle Toningenieure – ja, ich unterstelle jetzt einfach mal, dass es bei allen so ist – würden einen abgemischten Song am nächsten Tag oder einige Zeit später anders abmischen – nie genau identisch. Woran liegt das? Das kann viele Gründe haben: wie man an dem Tag drauf ist, welchen Referenzsong man benutzt, wie lange man geschlafen hat, ob man Ärger mit der Freundin hatte usw.

Fazit: Mit viel Übung die richtigen Pegelverhältnisse einstellen

Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man sich am Anfang bei allen Sachen, die man tut, sich etwas unsicher ist. Der erste Mixentwurf kann auch völlig schiefgehen. Nicht verzweifeln! Das Abmischen erfordert viel Übung. Es ist so, als ob du anfängst, eine Gitarre zu spielen. Kann man da gleich perfekt spielen? Nein. Wenn ja, schreibe einen Kommentar und erkläre bitte, wie das geht. 😉 Scheue den knallharten Vergleich mit dem Referenzsong nicht. Du wirst sehen, mit der Zeit kommst du immer näher an die Soundqualität heran.

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