Frequenzen: Erklärung, Frequenztabelle, Instrumente, Töne

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Beim Abmischen fällt uns auf, dass die Gitarre etwas dröhnt. Um das Dröhnen zu entfernen, ist es eine gute Idee, einen Equalizer in die Audiospur zu laden. Nach dem Öffnen des EQs stellen wir uns aber folgende Frage: Wo genau befindet sich die Frequenz, die das Dröhnen verursacht? Welche Frequenz muss ich eigentlich absenken? Ohne die nötige Hörerfahrung ist das richtige Einstellen des Equalizers alles andere als einfach. Bestimmte Frequenzen einem bestimmten Klangbild nach Gehör zuzuordnen, ist vor allem für Anfänger sehr schwierig. Erst mit zunehmender Erfahrung fällt es immer leichter nasalen, scharfen oder muffigen Klang einem Frequenzgebiet zuzuordnen und diesen gezielt zu bearbeiten.

Es gibt aber noch andere Methoden die Frequenz, die Probleme bereitet, zu finden. Diese werden auch von den Profis genutzt. Eine Methode ist das sogenannte Sweepen. Was das bedeutet, erfahrt ihr gleich im nächsten Abschnitt. Zuvor solltet ihr noch einen wichtigen Punkt beachtet.

Bitte bedenkt, dass ihr für die richtigen Equalizer Einstellungen eine gute / optimale Raumakustik in eurem Tonstudio oder Homestudio (Homerecording) benötigt. Ohne eine gute Raumakustik ist es schwierig bis unmöglich herauszuhören, welche Frequenz eventuell abgesenkt oder angehoben werden sollte. Im schlimmsten Fall senkt ihr die falsche Frequenz in eurem Studio ab. Tatsächlich hört ihr diese unschöne Frequenz aber nur in eurem Studio – vielleicht sogar nur an eurem Studioplatz. Macht ihr diesen Fehler auf allen Spuren, könnt ihr euch wahrscheinlich denken, dass so eine Mischung nie großartig klingen wird. Um erst einmal die Raumakustik zu verbessern, könnt ihr euch den Artikel Studiomonitore aufstellen und Raumakustik verbessern durchlesen.

Sweeping / Sweepen

Um auch mit wenig Hörerfahrung den Equalizer richtig einzustellen, ist das sogenannte Sweepen, auch Sweeping genannt, hilfreich. Dazu wird ein Band des Equalizers stark und schmalbandig (Q-Faktor) angehoben und durch das Frequenzspektrum durchgefahren. Sobald eine unangenehme Frequenz-Resonanz festgestellt wird, sollte diese abgesenkt werden.

Wie funktioniert das Sweeping / Sweepen? Aktivieren ein Band. Erhöhe das Gain ordentlich. Erhöhe den Q-Faktor, sodass nur ein kleiner Frequenzbereich angehoben wird. Nun fahre durch die Frequenzen. Dazu kannst du in Cubase den Punkt (im Beispiel Punkt 2) mit der Maus „festhalten“ und diesen nach links und rechts bewegen – das funktioniert genauso mit anderen parametrischen EQs. Nun hörst du deutlicher heraus, wo sich die Problemfrequenz befindet.

Jedes Instrument hat allerdings mehr oder weniger starke Eigenresonanzen, die bei starker Anhebung unangenehm oder „schlecht“ klingen. Es stellt sich also die Frage, ob die Resonanzen tatsächlich abgesenkt werden müssen. Die isolierte Betrachtung einzelner Instrumente (z.B. Gitarre) lässt keine Beurteilung zu, ob dieses im Kontext nicht auch ohne Bearbeitung gut klingen würde.

Grundtöne und mehr mit der Frequenztabelle ermitteln

Um die Frequenzen einen bestimmten Bereich besser zuordnen zu können (z.B. Grundtöne), ist die für euch erstellte Frequenztabelle hilfreich, die ihr euch gleich in Ruhe anschauen könnt.

Wie kann man die Frequenztabelle für das Mixing nutzen? Obwohl du das Instrument im richtigen Lautstärkeverhältnis gesetzt hast, fällt dir trotzdem ein Ton auf, bei dem sich z.B. Bass und Gitarre stark verdecken. Dann finde zunächst heraus, um welchen Ton es sich handelt.

In der Frequenztabelle kannst du im Anschluss nachschauen, um welche Frequenz bzw. Frequenzbereich es sich handelt. Anschließend probiere den Grundtonbereich des tiefsten Gitarrentons schmalbandig abzusenken oder den ersten Oberton der Oktave usw. Da es sich in der Natur nicht um Sinustöne, sondern um komplexe Schwingungsüberlagerungen handelt, heißt schmalbandig nicht, dass man den Notchfilter / Kerbfilter  (mit diesem Filter wird nur ein ganz enger Frequenzbereich ausgefiltert) ansetzen sollte. Zudem sind die angegebenen Frequenzen mehr zur Orientierung im Frequenzspektrum anzusehen.

Zusätzlich enthält die Frequenztabelle die Bedeutung der verschiedenen Frequenzen. So erlangt ihr ein besseres Verständnis dafür, was beispielsweise eigentlich 60 Hz (ausgesprochen Hertz)  bedeuten. Sind das tiefe Töne? Wenn ja, wie tief? Was bedeutet 1500 Hz? Ab wann fangen die hohen Töne an? Kleiner Hinweis schon mal am Rande: Ab 1000 Hz wird zur Vereinfachung meistens 1 kHz (ausgesprochen Kilohertz) geschrieben. 5000 Hz sind dann z.B. 5 kHz.

Hier nun die Frequenztabelle als PDF, die ihr euch kostenlos herunterladen könnt. Es ist empfehlenswert, diese auszudrucken, wenn ihr beginnt einen Song abzumsichen. So lernt ihr schneller die Frequenzen einen bestimmten Bereich einzuordnen.

Frequenztabelle im PDF-Format kostenlos anschauen

Frequenzen

Grob können die Frequenzen wie folgt eingeteilt werden:

20-40 Hz

In diesem Bereich werden die ganz tiefen Töne wiedergegeben, die außerhalb des menschlichen Hörvermögens liegen. Toningenieure entfernen grundsätzlich die Frequenzen mit dem Equalizer (Low-Cut).

40-80 Hz – Sub-Bass, gefühlter Bass

Der Sub-Bass-Bereich wird in der Musik oft mit der Kick / Bassdrum (oft abgekürzt mit BD) ausgefüllt. Kleine Lautsprecher, wie z.B. beim Smartphone, können den Bereich nicht wiedergeben. Es ist daher empfehlenswert, dass die Kick auch höhere Frequenzen hat. Ob die Kick genug hohe Frequenzen hat, sodass diese auch bei einem Smartphone gut zu hören ist, kannst du mit einem Analyzer kontrollieren. Dazu gleich mehr.

80-250 Hz – Bass

Im Frequenzbereich zwischen 100-200 Hz kann der Bass angehoben oder abgesenkt werden.

250-600 Hz – Untere Mitten

Der sogenannte pappige Sound einer (Schlagzeug) Bassdrum /Kick kann zwischen 300-400 Hz entfernt werden. Aber auch z.B. Vocals oder Percussion tummeln sich in den Frequenzen.

600-4000 Hz – Mitten

Bei 800 Hz kann man das Nasale in der Stimme reduzieren. Die Attack (Punch, Anschlag) der meisten perkussiven Instrumente  befindet sich zwischen 2-4 kHz.

4-6 kHz – Präsenz

Hier können den Vocals mehr Präsenz verliehen werden.

7 kHz – Sibilanz / Zischen

Unschöne s-Laute befinden sich meisten in diesem Bereich.

8-20 kHz – Höhen

In diesem Frequenzbereich kann dem Sound mehr Glanz verliehen werden. Übertreibe es aber nicht. Vor allem wenn du schon lange an einem Song sitzt und abmischst, ermüdet dein Gehör durch den ständigen Reiz schnell. Man neigt dazu, bei den Einstellungen zu übertreiben, weil man alles nicht mehr so genau heraushört. Die Lösung? Mache eine Pause von ca. 15 Minuten. Du sitzt schon viele Stunden an dem Song? Mische am nächsten Tag weiter.

Je lauter man hört, desto schneller wird das Gehör unempfindlicher. Wir machen die Musik noch lauter. Dadurch wird unser Gehör aber noch unempfindlicher. Es entsteht ein Teufelskreis. Um dies u.a. zu vermeiden, sollte die optimale Lautstärke bei 80-87 dB SPL liegen. Mehr dazu unter Abhörlautstärke – Die richtige / optimale Lautstärke im Tonstudio.

Fazit: Mit der Frequenztabelle Musik abmischen lernen

Drucke die Frequenztabelle aus und lege sie dir auf deinen Studiotisch. Mit der Zeit lernst du immer besser Frequenzen einen bestimmten Klangbereich zuzuordnen. Nutze zudem das Sweeping / Sweepen mit deinem EQ, um genau herauszuhören, ob du die zu bearbeitende Frequenz gefunden hast.

Im nächsten Artikel wird eine weitere Methode aufgezeigt, Frequenzen aufzuspüren. Vor allem wenn dein Homestudio / Tonstudio eine noch nicht ganz optimale Raumakustik aufweist, solltest du nach dieser Methode vorgehen. Aber selbst Profis in einer sehr guten Raumakustik nutzen diese optische Hilfe häufig: Die Rede ist vom Spectrum Analyzer. Unten rechts geht es – wie gewohnt – zum nächsten Artikel. Alle sortierten Artikel über das Mixing sind in der umfangreichen und kostenlosen Anleitung Mixing Tutorial – Abmischen lernen zu finden.

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