Spectrum Analyzer Tutorial: Erklärung und Anwendung

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Du kennst nun die Methode „Sweepen“, die im vorherigen Artikel beschrieben wurde. Eine weitere Methode ist es, die Frequenzen, die Probleme beim Mixing bereiten, im Audio Spectrum Analyzer, auch Spektrumanalysator oder Spektrum Analyzer genannt, aufzuspüren. Denn wie wir schon im vorherigen Artikel festgestellt haben, ist es gar nicht so einfach, genau herauszuhören, welche Frequenz oder Frequenzen abgesenkt oder angehoben werden sollen.

Ein Spectrum Analyzer erfasst und stellt ein Audiosignal im Frequenzbereich dar. Das dargestellte Bild wird als Frequenzspektrum, kurz Spektrum, bezeichnet.

Auch wenn wir eine sehr gute Raumakustik im Studio haben, ist es aus folgenden Gründen empfehlenswert mit einem Analyzer zu arbeiten:

  • Unser Gehör ermüdet schnell
  • Durch die optische Darstellungen erkennen wir schneller eventuelle Probleme
  • Wer hat schon wirklich eine perfekte Raumakustik?

Der Analyzer ist eine gute Hilfestellung, damit wir wissen, wo wir mit einem EQ ansetzen müssen. Auch Profis arbeiten überwiegend mit einem Spectrum Analyzer. Einige Audio-Sequenzer, auch DAWs (Digital Audio Workstation) genannt, besitzen bereits einen Analyzer. Diese haben aber oft den Nachteil, dass sie nicht detailliert genug, für beispielsweise einen Kerbfiltereinsatz, ihren Job machen. Empfehlenswert sind hochauflösende Analyzer.

Free VST Spectrum Analyzer

Einen sehr guten Free VST Spectrum Analyzer ist der Voxengo Span. Diese Freeware bietet alles, was das Toningenieur-Herz höher schlägt.

Der Voxengo Span bietet sogar eine Multikanal-Analyse. Das bedeutet, dass das Plugin die Frequenzspektren von zwei verschiedenen Kanälen oder Kanalgruppen gleichzeitig darstellen kann. Pro Frequenzspektrum kann eine Farbe zur besseren Unterscheidung gewählt werden.

Das Plugin Voxengo Span steht unter http://www.voxengo.com/product/span/ zum Download bereit (ein neuer Tab wird geöffnet).

Wann und warum brauche ich so einen Spectrum Analyzer beim Mixing?

Die tiefen Frequenzen mit einem Spectrum Analyzer aufräumen

Vor allem bei den tiefen Frequenzen ist es eine große Herausforderung, die Akustik so zu optimieren, dass wir im Tonstudio oder Homestudio (Homerecording) den korrekten Anteil an tiefen Frequenzen hören. Meistens hören wir am Abhörplatz zu wenig Bass. Wir drehen dadurch schön viel Bass rein. Auf anderen Lautsprechern und Räumen dröhnen jedoch die tiefen Frequenzen.

Aus diesem Grund ist der Spectrum Analyzer vor allem bei den Bässen eine sehr gute Hilfe. Er zeigt uns genau an, wie viel Bass tatsächlich in der Musik bzw. in einem Song vorhanden ist. Zudem können viele Studioboxen, auch Studiomonitore oder Studiolautsprecher genannt, keine tiefen Frequenzen unter 60 Hz wiedergeben. Auch hier ist ein Spectrum Analyzer unabdingbar.

In der Anleitung Abmischen lernen wird in den Artikeln

Mixing / Abmischen Reihenfolge – Mix aufbauen

und

Tutorial Equalizer: EQ richtig einstellen lernen erklärt, dass es sinnvoll ist, sich alle Spuren solo anzuhören und drauf zu achten, ob die Sounds unnötige tiefe Frequenzen haben. Vielleicht hast du schon festgestellt, dass das gar nicht so einfach ist, herauszuhören. Dabei liegt es vermutlich nicht an dir, sondern an deiner Raumakustik und/oder deinen Lautsprechern / Boxen, die gar keine tiefen Frequenzen wiedergeben.

Mit einem Spectrum Analyzer können wir schnell erkennen, ob der Gesang / Rap, Drums, Gitarren, Klaviere, Synths, Spezialeffekte usw. tieffrequenten Müll besitzen. Wenn der Spectrum Analyzer in diesem Bereich gar nichts anzeigt, brauchen wir auch keinen Low-Cut / Hi-Pass verwenden. Klasse, oder? 🙂

Ich nutze als Standard-EQ für gezielte Eingriffe bzw. Korrekturen den IQ-EQ von der Firma HOFA. Dieser Equalizer hat einen hochauflösenden Analyzer integriert. In diesem Beispiel habe ich geprüft, ob die Hi-Hat im Song tieffrequenten Müll besitzt. Der Analyzer gibt uns eine klare Antwort: nein! Ein Low-Cut / Hi-Pass (dieselbe Bedeutung) wäre hier sinnlos, um die tiefen Frequenzen aufzuräumen. Wir sehen eindeutig, dass die Hi-Hat keine tiefen Frequenzen besitzt, sondern nur hohe Frequenzen (orangefarbene Darstellung).

Tipp: Wie viele tiefe Frequenzen beim Bass wegschneiden? Beim Bass müssen wir darauf achten, welche Funktion er im Mix einnimmt. Sofern dieser zur Unterstützung der Bassdrum im Subbassbereich dient, sollte auf ein Low-Cut verzichtet werden oder maximale die 30 Hz wegeschnitten werden. Andernfalls entscheidet unser Gehör.

Der Spectrum Analyzer ist eine gute optische Hilfe, letztendlich entscheidet aber immer unser Gehör, was dem Audiosignal bzw. dem gesamten Mix gut tut. Höre vor allem beim Einstellen des Low-Cuts genau hin, ob dem Song / der Musik ohne den tiefen Frequenzen etwas fehlt! Wenn du schon mehrere Stunden am Track (Hip-Hop, Pop, Rock, Dance) dran sitzt, solltest du vorher eine kleine Pause von ca. 15 Minuten machen. Wie wäre es mit einem kleinen Spaziergang? Anschließend kannst du den Low-Cut einstellen, ohne übertriebene Einstellungen vorzunehmen – und du hast sogar noch vorher etwas für deine Gesundheit getan.

Frequenzverdeckung gezielt mit dem Spectrum Analyzer finden

Du baust deinen Mix am besten auf, wie es im Artikel Mixing / Abmischen Reihenfolge – Mix aufbauen aufgezeigt wird. Bei jedem neuen hinzugefügten Audiosignal hörst du genau hin, ob sich Frequenzen verdecken. Dazu achtest du beim genauen Hinhören vor allem darauf, ob die Hauptinstrumente, die im Vordergrund stehen sollen, verdeckt werden bzw. irgendwelche Frequenzen nicht mehr so gut zu hören sind.

Wenn ja, lädst du einen Equalizer, kurz EQ, in der hinzugefügten Spur (z.B. Gitarre, E-Gitarre, Chor, Streicher, Percussion usw.). Nun stellt sich die Frage, welche Frequenzen bearbeitet werden müssen. An dieser Stelle hilft dir der Spectrum Analyzer.

Füge nun einen Spectrum Analyzer in der hinzugefügten Spur ein. Welche Frequenzen stechen heraus? Anhand der Kurve kannst du die Frequenzverteilung des Audiosignals sehen. Die Frequenzen die in der Darstellung des Analyzers herausstechen, könnten das primäre Instrument verdecken.

Nun stellt sich also die zweite Frage: Welche vom Analyzer dargestellte Frequenz ist es, die das primäre Instrument verdeckt? Meistens siehst du bei der Frequenzdarstellung – Achtung, Fachbegriffe – „Berge“ und „Täler“.  Mit sehr viel Fantasie könnte die Frequenzdarstellung des Instruments / Gesangs also ein Level von einem Jump-and-Run-Spiel sein, wie z.B. Super Mario. Ok, die Grafik von Super Mario war besser. Überall, wo ein Berg ist, hat das Audiosignal viel Energie bzw. einen hohen Anteil (Verstärkung, Gain) an bestimmten Frequenzen.

Schnell entlarvt: In der Darstellung des Spectrum Analyzers sehen wir 2 herausstechende „Berge“ (rote Kreise im Bild). Hier hat das Signal eindeutig bei ca. 200 Hz und ca. 380 Hz sehr viel Energie. Vor allem bei einem hohen Frequenzanteil bei ca. 380 Hz haben wir meistens ein unschönes Dröhnen im Audiosignal (siehe auch Artikel Frequenztabelle). In diesem Beispiel ist es eine gute Idee, die Frequenzen bei ca. 200 und ca. 280 Hz abzusenken. Wie viel wir absenken sollen, entscheidet unser Gehör. Außerdem sollten wir uns anschließend die 500 Hz anschauen. Eventuell muss hier auch abgesenkt werden. Dadurch, dass wir die tiefen Frequenzen nun leiser gemacht haben, hören wir bei diesem Audiosignal mehr höhen! Ja, selbst bei einem einzigen Audiosignal kann es zur Frequenzverdeckung kommen. Vermutlich würde außerdem dem Signal bei 8 kHz eine Anhebung gut tun – vor allem wenn dieses vorne im Mix stehen soll.

Senke mit dem Equalizer nun einen „Berg“ ab. Beim Absenken höre genau hin, ob das „wichtigere“ (primäre) Instrument wieder deutlicher zu hören ist. Mit dem aus- und anschalten des EQs (den Bypass-Knopf drücken) kannst du noch einmal prüfen, ob es die richtige Frequenz ist. Ist das primäre Instrument dadurch wirklich wieder besser zu hören? Falls nicht, senke einen anderen „Berg“ ab. Sicherlich kannst du vorher schon ein paar Berge ausschließen, indem du dir Frage stellst, ob es eher die hohen oder tiefen Frequenzen sind. Je mehr Erfahrung du hast, desto schneller entscheidest du dich für den richtigen „Berg“.

Welchen Filter soll ich für das Absenken beim Equalizer nehmen? Wenn du einen „Berg“ bzw. eine bestimmte Frequenz absenkst, eignet sich der Glockenkurvenfilter am besten.

Wie viel du absenken musst (Gain) solltest du mit deinem Gehör entscheiden. Für solche Entscheidungen bieten dir die meisten DAWs / Audio-Sequenzer (Cubase, Pro Tools, Studio One, Ableton live, Logic, Samplitude) neben den Bypass-Schalter (der dafür auch hilfreich ist) einen A/B-Vergleich. Falls das deine DAW nicht unterstützt, bieten so eine Funktion auch manche Hersteller direkt am Plugin.

Was ist der A/B-Vergleich? Hast du eine Einstellung an einem Plugin vorgenommen (das ist Einstellung A), kannst du nun den A/B-Knopf drücken. Jetzt kannst du die Einstellung verändern (das ist jetzt Einstellung B). Drück nun wieder den A/B-Knopf und du gelangst zur ursprünglichen Einstellung zurück (Einstellung A). Drückst du nun wieder den A/B-Knopf gelangst du zur Einstellung B zurück usw.

Jedes Plugin, das in der Sequenzer-Software Cubase aufgerufen wird, verfügt über einen Bypass- (roter Kreis 1) und einen A/B-Vergleichs-Button (roter Kreis 2). Die Aussagekraft dieser Buttons sollte nicht unterschätzt werden. Auf diese Weise können wir schnell entscheiden, ob unsere Bearbeitung zur Verbesserung geführt hat oder nicht. Vergisst dabei aber nicht – falls notwendig- die Lautstärke an das unbearbeitete Signal anzupassen. Denn lauter klingt immer besser. Bei einem Spectrum Analyzer – wie in der Abbildung zu sehen – brauchen wir eigentlich keinen Bypass oder A/B-Vergleich. Denn dieser stellt nur die Frequenzen dar. Bei einem EQ sind die Buttons aber beispielsweise sehr hilfreich. Bei der Darstellung des Spectrum Analyzers im Bild erkennen wir, dass die Snare (abgekürzt mit „Sn“) tiefe Frequenzen besitzt (roter Kreis 3). Müssen sie mit einem Low-Cut / Hi-Pass abgeschnitten werden? Das entscheidet dein Gehör. Falls deine Boxen die tiefen Frequenzen nicht wiedergeben können, höre mit Studio-Kopfhörer ab. Aktiviere den Low-Cut und erhöhe von 30 Hz langsam die Frequenz bis sich der Klang der Snare verändert. Anschließend verringere die Frequenz wieder ein bisschen. Achte zudem auf die Bassdrum und den Bass (Hörperspektive verlagern). Haben diese dadurch mehr Platz? Wenn die Snare kaum einen Einfluss auf die Frequenzverdeckung der Bassdrum und dem Bass hat, brauchst du wahrscheinlich keinen Low-Cut. Das ist oft der Fall, wenn die Bassdrum und der Bass nicht spielen, sobald die Snare ertönt. Achte auch darauf, ob die Snare zu viel an Wärme durch den Low-Cut verliert. Du bist dir unsicher, ob der eingestellte Low-Cut den Song verbessert? Nutze den Bypass. Der Low-Cut schluckt eventuell zu viel Bass? Drücke den A/B-Vergleich verringere die Frequenz des Low-Cuts und vergleiche mit dem A/B-Schalter. Gegebenenfalls musst du den Prozess wiederholen.

Den A/B-Vergleich kannst du gerne beim Equalizer nutzen. Welche Absenkung ist besser? A oder B? Welcher Filter ist besser? A oder B? Welcher Q-Faktor ist besser? A oder B? Usw.

Das „wichtigere“ Instrument ist nun besser zu hören, aber noch nicht so, wie du es dir wünschst? Senke eine weitere Frequenz („Berg“ / Pegelspitze) ab. Wenn sich die Frequenzen am unteren oder oberen Ende des Spektrums befinden, dann kannst du auch gerne einmal einen Shelving-Filter (Shelf) ausprobieren. Die verschiedenen Filter beim EQ werden im Artikel Tutorial Equalizer: EQ richtig einstellen lernen verständlich erklärt.

Einen weiteren Spectrum Analyzer laden

Ein weiterer Tipp ist es, noch einen Spectrum Analyzer in den Kanal des Hauptinstruments zu laden, das vom sekundären Instrument verdeckt wird. Mit Hilfe des zweiten Analyzers kannst du optisch erkennen, wo das Hauptinstrument viel Energie besitzt. Schaue dir nun die Darstellung des sekundären Elements an. Stelle dir nun folgende Frage: In welchem Frequenzbereich haben beide Instrumente sehr viel Energie? Haben beide Instrumente einen „Berg“ im gleichen Frequenzbereich? Wenn ja, senke den Berg des unwichtigeren / sekundären Instruments mithilfe des EQs (Glockenkurvenfilter) ab.

Der MMultiAnalyzer von Melda Production. In der kostenpflichtigen Version kannst du sogar mehrere Instrumente in einem Analyzer analysieren. In der Abbildung wird im MMultianalyzer die Bassdrum (abgekürzt mit BD; schwarze Darstellung) und der Bass (rote Darstellung) angezeigt. Wir können erkennen, dass die beiden Audiosignale gut miteinander harmonieren. Bei ca. 50 Hz hat die Bassdrum (schwarz) einen Peak („Berg“). Die Frequenzen vom Bass sind hier schon am „Sinken“. Eventuell könnte man probieren, noch einen Low-Cut bei ca. 50 Hz beim Bass einzustellen, damit die Bassdrum noch mehr Platz in diesem Frequenzbereich bekommt. Bei ca. 80 Hz hat der Bass einen Peak („Berg“). Die Bassdrum hat bei ca. 80 Hz eindeutig einen geringeren Frequenzanteil („Tal“). Bei ca. 110 Hz hat die Bassdrum, auch Kick genannt, den nächsten Peak. Beim Bass senkt sich in diesem Bereich wieder der Anteil an Frequenzen.

Auf diese Weise kannst du noch schneller entscheiden, welche Frequenz abgesenkt werden sollte. Praktisch ist es, wenn in einem Analyzer die Frequenzen von mindestens 2 Audiosignalen dargestellt werden können. Das kann z.B. der MMultianalyzer von MeldaProduction. So können wir schnell erkennen, wo es eventuelle Frequenzüberlagerungen gibt.

Die Basisversion des MeldaProduction Analyzers ist sogar kostenlos und sehr gut. Die praktische Darstellung von mehreren Audiosignalen in einem Analyzer gibt es allerdings erst in der kostenpflichtigen Version.

MeldaProduction Plugins unter die Lupe nehmen (eine neue Registerkarte wird geöffnet).

Tipp: Wöchentlich gibt es ausgewählte Plugins von MeldaProduction mit einem Preisnachlass von 50% – auch den Multianalyzer und den tollen MAutoAlign und den hervorragenden MCompare.

Der richtige Q-Faktor

Beim Absenken sollte der Q-Faktor beim Glockenkurvenfilter ungefähr so groß wie der „Berg“ / die Pegelspitze eingestellt sein. Als grobe Orientierung solltest du zudem Folgendes berücksichtigen: Je mehr du absenkst, desto schmaler sollte das Band sein (höherer Q-Faktor). Grundsätzlich solltest du schmalbandig absenken und breitbandig anheben.

Beim Low-Cut, auch Hi-Pass genannt, kannst du einmal den Q-Faktor 6 dB/oct, 12 dB/oct oder 18 db/oct ausprobieren. Höre wieder genau hin, was am besten klingt. Nutze hierfür wieder den Bypass und/oder A/B-Vergleich. Mehr als 18 db/oct sind in der Regel unnötig. Bedenke: Je steiler der Q-Faktor, desto mehr Nebenwirkung hat dieser in der Regel.

Zu viele Höhen! Instrumente oder Drums sind zu sehr im Vordergrund

Das neue hinzugefügte Instrument sticht heraus, weil es zu viele Höhen hat (oft ist das bei HiHats ein Problem bzw. eine Herausforderung)? Auch hierbei kannst du mit einem Spectrum Analyzer prüfen, wo sich der Bereich in den Höhen befindet.

Stellst du mit der optischen Hilfe fest, dass ein größerer Bereich am Ende des Frequenzgangs zu viele Höhen besitzt (es sticht also kein großer „Berg“ heraus), ist der Shelving-Filter grundsätzlich die bessere Wahl als der Hi-Cut / Low-Pass-Filter. Der Shelving-Filter klingt mit ein paar dB Absenkung einfach dezenter. Es klingt dann weniger bearbeitet bzw. natürlicher. Setze den Shelving-Filter dort an, wo zu viele Höhen im Spectrum Analyzer dargestellt werden.

Natürlich kannst du das Beschriebene auch im umgekehrten Fall anwenden. Das heißt, wenn das Audiosignal zu wenig Höhen hat, kannst du mit einem Shelving-Filter auch einen Frequenzbereich anheben. Vorausgesetzt das Signal hat überhaupt Höhen. Ein EQ kann nämlich keine Frequenzen verstärken, die nicht im Audiosignal vorhanden ist. Ein EQ erzeugt keine Signale, er skaliert sie nur. Auch das kannst du wunderbar mit einem Spectrum Analyzer prüfen.

Das interne Plugin Bitcrusher von Cubase. Unbedingt mal Mode 3 ausprobieren.

Tipp: Stelle den Self-Filter nicht zu extrem ein, sonst klingt dieser auch wie der Low-Cut-Filter zu unnatürlich. Sofern eine unnatürliche Bearbeitung nicht gewünscht ist, stelle den Selving-Filter dezent ein und nehme lieber ein weiteres Audio-Plugin. In diesem Fall ist es empfehlenswert, mit einem Saturation-Effekt / Bandmaschine zu arbeiten. Pro Tools bietet z.B. die Reel Tape Suite. Mit dem Saturation-Effekt kann dem Sound auf natürlicher Weise Höhen „geklaut“ werden. In Cubase kannst du dafür den Bitcrusher nehmen. Das Audiosignal klingt dann Solo schlechter, weil Höhen fehlen, es sticht dann aber nicht mehr so stark im Kontext heraus. Es ist nun auf natürlicherweise mehr in den Hintergrund gerückt – und das war in unserem Fall gewünscht.

Es klingt allgemein weniger nach Bearbeitung bzw. natürlicher, wenn wir 2 Plugins für ein bestimmtes Ziel nehmen und dezent einstellen, anstatt 1 Plugin sehr heftig einzustellen. So klingen z.B. auch 2 Audio-Kompressoren dezent eingestellt natürlicher als ein Kompressor mit einer extremen Einstellung.

Übrigens spielt der Anteil der Höhen im Verhältnis zu der Entfernung auch in unserer natürlichen Umgebung eine Rolle: Je weiter ein Klang (egal, ob Klatschen, Instrumente, Schlagzeug, Stimme, Geräusch usw.) von uns entfernt ist, desto weniger Höhen kommen bei uns an.

In der Summe / Masterkanal einen Spectrum Analyzer einfügen

Du hast in deinem Tonstudio / Homestudio nun alle Audiosignale in den Mix eingefügt. Mit dem Ergebnis deines Mixes bist du schon ganz zufrieden. Neben dem Hörvergleich mit dem Referenzsong kannst du außerdem die Equalizer-Kurve des Referenztracks mit der Equalizer-Kurve deines Mixes vergleichen. Dafür nehme ich vor allem wegen der Energy-Kurve den HOFA IQ-Analyser. Außerdem gibt es  noch weitere Gründe, warum ich diesen nutze – von Anfang an.

HOFA IQ-Analyser V2

Ich benutze sehr gerne den HOFA IQ-Analyser. Warum?

Der IQ-Analyser von der Firma HOFA. Die Peak-Kurve stellt das aktuelle Frequenzspektrum des analysierten Audiosignals dar. Die Hold-Kurve stellt das Maximum der Peak-Kurve dar. Die RMS-Kurve zeigt die derzeit empfundene Lautstärke der einzelnen Frequenzen an. Die Energy-Kurve die durchschnittliche RMS-Kurve (RMS? Erklärung im Artikel Pegel beim Aufnehmen). Alle Kurven können für einen bessere Übersicht an- und ausgeschaltet werden. Die weiße Kurve ist eine geladene Kurve von einem Referenzsong. Vergleicht man die beiden Energy-Kurven (weiß und orange), sollte man sich in dem Beispiel noch einmal die 46 Hz näher anschauen und auch die Höhen bei 13.9 kHz. Außerdem fehlen eindeutig die Mitten. Denkt aber daran, dass der Kurven-Vergleich nur zur Orientierung dient. Letztendlich entscheidet der Hörvergleich. Gleicht du deinen Mix an die Energy-Kurve des Referenzsongs an, bedeutet das nicht, dass dein Mix nun so gut wie der Referenzsong klingt.
  • Er bietet mir eine Peak‑, Hold‑, RMS- und Energy-Kurve. Die Peak-Kurve stellt das aktuelle Frequenzspektrum des analysierten Audiosignals dar. Die Hold-Kurve fixiert dabei jeweils die Spitzenwerte der Peak-Kurve. Sie stellt also das Maximum der Peak-Kurve dar. Die Peak-Kurve und Hold-Kurve können eigentlich alle Spectrum Analyzer anzeigen. Das Besondere an dem IQ-Analyser ist die Energy-Kurve, die ich hauptsächlich nutze. Die Energy-Kurve zeigt den durchschnittlichen RMS-Pegel an. Die Energy-Kurve ist grundsätzlich aussagekräftiger als die Peak- oder Hold-Kurve, um Einstellungen mit dem EQ (Equalizer) vorzunehmen, da sie auch die Zeitdauer berücksichtigt.
  • Wenn Alt+Mausklick gleichzeitig gedrückt wird, können Marker auf der Frequenzkurve gesetzt werden (in der Abbildung bei 46 Hz, 225 Hz und 13.9 kHz). Die Marker erscheinen beim Peak („Berg“), der dem Mauszeiger am nächsten liegt. So sieht man sehr schnell in seinem Tonstudio / Homestudio, wo genau der Peak beim analysierten Audiosignal liegt. Sofern in der Nähe des Mauszeigers eine Frequenz mit wenig Energie ist („Tal“), wird diese markiert und angezeigt.
  • Der Spectrum Analyser kann individuell in der Größe verstellt werden.
  • Dort, wo sich der Mauszeiger befindet, werden mit einem Klick immer die genaue Frequenz und dessen Lautstärke angezeigt (in der Abbildung bei 754 Hz). Interessant, um beispielsweise genau zu analysieren, wie breit der Peak („Berg“) ist.
  • Neben der aktuellen Analyse des Audiosignals können auch weitere Frequenz-Kurven von deiner Referenzmusik in den IQ-Analyser geladen werden. Einfach dazu den Song per Drag&Drop in den IQ-Analyser laden (weiße EQ-Kurve). Schon werden alle Kurven, wie oben beschrieben, angezeigt. Am interessantesten ist hierbei wieder die Energy-Kurve. Diese kann als grobe Orientierung beim Vergleichen herangezogen werden.
    Überall dort, wo deutliche Abweichungen im Frequenzgang vorhanden sind, sollte noch einmal überlegt werden, ob die Frequenzverteilung der Audiosingale korrekt ist. Gerne kannst du auch mit einem Summen-EQ probieren (der IQ-EQ eignet sich hierbei auch hervorragend), die Frequenz an der Stelle anzuheben. Bedenke, dass eine identische Energy-Kurve im Vergleich zu deinem Referenztrack noch lange nicht heißt, dass dein Song auch so transparent und hervorragend abgemischt klingt.
    Übrigens ist es auch bei der Kick / Bassdrum und dem Bass empfehlenswert, sich jeweils die Energy-Verteilung anzuschauen. Es können dadurch viele Rückschlüsse gezogen werden:
  • Füllt die Bassdrum, abgekürzt BD, die tiefen Frequenzen genug aus?
  • Gibt es zwischen ca. 30 bis 100 Hz Frequenzlöcher („Täler“), die für einen fetteren Klang gefüllt werden sollten?
  • Was passiert mit der Frequenzverteilung, wenn weitere Bassdrums hinzugeschaltet werden? Klingt es wirklich besser oder entstehen sogar Frequenzlöcher? Die Methode wird oft von Musikproduzenten genutzt und nennt sich „Layering“. Layering bedeutet, dass mindestens zwei ähnliche Audiosignale, wie z.B. zwei Bassdrums, Snares, Stimmen, Synthesizers oder Pads, übereinander geschichtet werden.
    Sind die ähnlichen Sounds richtig ausgewählt, ergeben sie einen „fetteren“ Klang. Falsch ausgewählt, können sie den Sound aber auch verschlechtern. Sound-Layering wurde bereits in der Orchester-Musik genutzt. Denn mehrere Geigen geben beispielsweise einen größeren Klang als eine Geige wieder.
  • Hat die Bassdrum, auch Kick genannt, genug hohe Frequenzen, sodass diese auch gut auf kleinen Boxen zu hören ist?

Den Hofa IQ-Analyser auf der Webseite des Herstellers unter die Lupe nehmen (eine neue Registerkarte wird geöffnet).

Fazit: Für die richtigen Equalizer-Einstellungen ist ein Spectrum Analyzer sehr empfehlenswert

Auch wenn letztendlich unser Gehör immer entscheiden sollte, was gut und was schlecht klingt, sollte man – wie es auch viele Profis machen – einen Spectrum Analyzer besitzen und in jedem Mix einsetzen. Denn wir erkennen durch die optische Darstellung u.a. schneller eventuelle Probleme bei der Maskierung von Frequenzen. Selbst wenn deine Raumakustik gut optimiert ist, kann er uns helfen, schneller die richtigen Entscheidungen beim Einstellen des Equalizers zu treffen. Da unser Gehör – vor allem beim Kopfhörer-Mixing – schnell ermüdet, ist das ein weiterer Grund, den Analyzer zu nutzen.

Du hast zu dem Thema Spectrum Analyzer noch Fragen? Schreibe einen Kommentar. Dir hat der Artikel gefallen und geholfen? Gerne kannst du diesen über Facebook, Twitter oder Google+ teilen. Herzlichen Dank. Du bist mitten in diesem Artikel gelandet? Im vorherigen Artikel wurde eine weitere Methode anschaulich und verständlich erklärt, wie wir Frequenzen, die Probleme bereiten, aufspüren: Frequenzen: Erklärung, Frequenztabelle, Töne.

Alle Artikel sind zusammenhängend und sinnvoll gegliedert, sodass du dir das gesamte Wissen über das Abmischen wie bei einem guten Buch aneignen kannst. Zur Anleitung Mixing Tutorial – Musik abmischen lernen.

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