Die Raumakustik eines Mastering-Studios

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Wenn du Mastering wie ein Profi betreiben möchtest, dann ist eine wichtige Voraussetzung neben hervorragende Lautsprecher, wie im letzten Artikel Mastering-Monitore beschrieben, eine optimale Raumakustik zu besitzen. Deine Lautsprecher können den Sound nämlich nur so linear wiedergeben, wie es dein Raum zulässt. Wie wir im letzten Artikel Mastering-Monitore gelernt haben, ist eine lineare Frequenzwiedergabe essentiell für herausragende Master. Du besitzt sehr gute Studioboxen? Dann bist du nun bereit für das Tutorial Raumakustik.

Mastering-Ingenieure benötigen eine nahezu perfekte Raumakustik. Um diese zu erreichen, ist es empfehlenswert einen Akustiker, wie z.B. MBAkustik oder HOFA, zu kontaktieren. Diese kommen direkt zu deinem Mastering-Studio. Die Experten messen mit entsprechender Raumakustik-Software die Akustik vor Ort. Sie analysieren Frequenzspektrum, Nachhallzeit, erste Reflexionen und Moden deines künftigen Mastering-Studios. Anhand der Messdaten werden entsprechende Akustikelemente an die Wand und Decke angebracht.

Das ist natürlich mit nicht zu unterschätzenden Kosten verbunden.

Denke daran, dass man sich nicht gleich alles auf einmal anschaffen muss.

Links zu den Akustikern:

MB Akustik

HOFA-Akustik

Selbstverständlich kannst du auch erst einmal selber versuchen, deine Raumakustik so gut es geht zu verbessern. Die letzten Unebenheiten im Frequenzgang kannst du danach vom Akustiker verbessern lassen. Möchtest du erst einmal nur ein bisschen „Mastering-Luft“ schnuppern, reicht es, selber deine Akustik in deinem Mastering-Homestudio zu verbessern – ohne einen Akustiker zu beauftragen.

Jetzt fragst du dich natürlich als nicht Akustiker zurecht, wie du dabei am besten vorgehen sollst. Zunächst ist die Aufstellung deiner Studioboxen wichtig.

Voraussetzung und Aufstellung der Studiomonitore

Ich hoffe, du hast dir keinen quadratischen Raum als Mastering-Homestudio ausgewählt. Dieser ist unter akustischen Gesichtsunkten sehr ungeeignet für einen linearen Frequenzgang. Besser sind Räume, die länger als breiter sind. Dein Abhörplatz sollte in Längsrichtung ausgerichtet sein. An deinem Abhörplatz schaust du also auf die kurze Wand im Zimmer. Ihr besitzt so einen Raum?

Für den richtigen Abhörplatz gibt es eine Faustformel, an die ihr euch halten könnt:

Formel: 38% * Länge des Raums (z.B. 15 m) / 100 = Abstand von der kurzen Wand, zu der du am Abhörplatz guckst (bei einer Länge des Raums von z.B. 15 m beträgt der Abstand 5,7 m).

Nun habt ihr schon einmal eine ungefähre Sitzposition im neuen Mastering-Studio. Stellt eure Mastering-Monitore, die auf einem schweren Monitorstativ stehen sollten, ungefähr so ein, dass die Höchtöner deiner Studiolautsprecher genau die Höhe eurer Ohren haben.

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Als Nächstes berücksichtige, dass deine Ohren den gleichen Abstand wie die beiden Lautsprecher bzw. Hochtöner zueinander haben sollten. Deine Lautsprecher und Ohren sollten ein gleichseitiges Dreieck bilden. Der Winkel der Studioboxen beträgt hierbei 60°. Stelle die Mastering-Monitore nicht in die Raumecken!

Der Abstand der Studiomonitore zu deinen Ohren sollte grob 1 bis 2 m betragen. Die Studiomonitore sollten nur mit Abstand von der Wand gestellt werden, wenn du diese auch mindestens 2 m entfernt von der Wand aufstellen kannst, ohne dabei in der Mitte des Raums zu sitzen oder sogar noch weiter hinten. Die Wände links und rechts neben deinen Mastering-Monitoren sollten symmetrisch und identisch sein. Die Mastering-Monitore haben mindestens 1 m Abstand zur linken und rechten Wand.

Wenn du dich nun auf deinen Produzentenstuhl setzt, sollten deine Ohren immer noch auf einer Ebene mit den Hochtöner sein. Dazu kannst du normalerweise die Monitorstative in der Höhe verstellen.

Verinnerliche die genannten Punkte und schaue dich in deinem Homestudio um. Wähle anhand der genannten Punkte den perfekten Platz für deine Studioboxen aus.

Nun höre dir einmal an, wie die Musik von der aktuellen Lautsprecherposition klingt. Dazu höre dir die Musik über die Lautsprecher an, die dir gefällt und die gut abgemischt ist. Im nächsten Schritt verschiebst du deine Mastering-Monitore mit Monitorstativ um ca. 10 cm. Klingt es nun besser? Probiere nach und nach die verschiedenen möglichen Lautsprecherpositionen aus. Oft sind es Kleinigkeiten, die eine große Wirkung erzielen.

Notiere dir dazu immer die jeweilige Aufstellung, entweder per Skizze oder mit einem Foto per Smartphone. Schreibe dir dazu jeweils einen Kommentar auf. Was hat dir an der Position gut gefallen? Klang der Song so, wie du es gewohnt bist?

Tipp: Damit beide Mastering-Monitore die gleiche exakte Entfernung zu den Wänden haben, ist zum Messen ein Laser-Entfernungsmesser sehr empfehlenswert. So machen es auch die Akustiker.

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Anschließend kannst du – falls vorhanden – deine Couch und/oder dein Teppich nach dem gleichen Prinzip in deinem neuen Tonstudio positionieren. Höre immer genau hin! Notiere dir wieder die verschiedenen Positionen und kommentiere diese. Jeder neue Gegenstand ändert den Sound stark. Es ist nicht übertrieben, wenn du dir dafür einen ganzen Tag Zeit nimmst.

Das Problem Studiotisch

Bei einem idealen Wiedergabe-System sollte es zwischen Lautsprechern und unser Gehör keine Hindernisse geben. Reflexionen innerhalb der ersten 15-20 ms, nachdem der Direktschall auf unsere Ohren eingetroffen ist, sollte ca. -15 dB darunter liegen. Wenn das der Fall ist, wird das als reflexionsfreie Zone (RFZ) bezeichnet.

Die Reflexionen die bei einem Studiotisch auftreten, sind für gute Master störend. Ein Studiotisch sollte

  1. so niedrig wie möglich eingestellt sein, also gerade oberhalb der Knie des Hörers in Sitzposition;
  2. angewinkelt sein (Sehr guter Tipp: Winkel den Tisch an, in dem der hintere Teil um 10 cm angehoben wird).

Werden diese beiden Punkte erfüllt, werden die ersten Reflexionen auf die Brust des Hörers gerichtet. Es werden Kammfiltereffekte reduziert.

Kammfiltereffekte? Der Begriff wird im Artikel Phasenverschiebung in der Musik (Audio) erklärt.

Andere nicht ganz so schöne Lösungen, um die Reflexionen eines Studiotisches zu vermeiden, wären:

  1. kein Studiotisch,
  2. Mastering im Stehen durchzuführen,
  3. einen kleinen Tisch zu benutzen,
  4. eine Teil des Studiotisches mit Absorbern abzudecken oder
  5. ein großes unregelmäßiges Objekt auf den Studiotisch zu stellen, um die Streuung zu steigern und die Reflexionen zu reduzieren.

Akustik-Absorber – Raumakustikelemente

Durch eine sorgfältige Aufstellung deiner Studioboxen hast du nun eine gute Basis für die Akustik-Absorber in deinem Mastering-Studio geschaffen, die du als Nächstes benötigst. Was ist ein Akustik-Absorber? Einfach ausgedrückt, „schlucken“ Absorber den Schall. Diese werden an den Wänden und Decken angebracht. Die Absorber vermindern direkte Reflexionen und den Nachhall. Außerdem wird dadurch das Stereobild deutlich verbessert.

Absorber bieten z.B. Akustiker an. MB Akustik bietet beispielsweise verschiedene Größen und Farben an. Je nach Größe absorbiert dieser Absorber unterschiedliche Frequenzen. Auch HOFA bietet Raumakustikelemente an, die in verschiedenen Farben bestellt werden können. Diese reduzieren die mittleren und hohen Frequenzen.

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Du kannst auch selber Absorber bauen. Dafür ist Basotect sehr empfehlenswert, der eine Dicke von 10 cm haben sollte. Theoretisch könntest du nur diesen Basoect an den Wänden und Decken abringen. Da Basoect aber kein optischer Hingucker ist, solltest du noch einen Holzrahmen, der mit Stoff bespannt ist, um diesen basteln.

Gewöhnlicher Schaumstoff ist nicht so effektiv wie Basotect und daher nicht zu empfehlen.

Akustik-Absorber aufstellen

Als erstes sollten die ersten Raumakustikelemente bzw. Akustik-Absorber genau dort aufgestellt werden, wo die Erstreflexionen auftreten. Das ist der erste reflektierende Schall aus deinen Studioboxen, der auf die Wände trifft und dann dein Gehör erreicht. Sie treffen innerhalb der ersten 15 ms nach Eintreffen des Direktschalls auf deine Ohren, und zwar nach dem Prinzip Einfallswinkel ist gleich Ausfallswinkel. Solche Flatterechos entstehen durch Reflexion hoher Frequenzen an schallharten Wänden. Wo genau treffen die Erstreflexionen also auf Wand und Decke auf?

  1. Setze dich an die Mixposition und richte deinen Kopf so aus, wie du ihn auch beim Abmischen hättest. Bitte nun einen Freund, einen Spiegel in die Hand zu nehmen und sich an der Seitenwand zwischen dir und den Boxen hinzustellen. Er soll den Spiegel nun so bewegen, dass du im Spiegel den Hochtöner deines Studiolautsprechers siehst. Er muss also entlang der Seitenwand laufen. Genau dort gehört ein großer, langer Akustik-Absorber hin! Genau auf der anderen Seite der Seitenwand gehört auch ein Absorber hin.
  2. Außerdem montiere zwischen deinem Abhörplatz und den Monitorboxen einen langen, großen Akustik-Absorber an deine Decke. Dieser sollte ungefähr so groß wie dein Studiotisch sein.

Eine schöne Darstellung zu den beiden Punkten findest du in den Akustik-Tipps von HOFA.

Die Akustik-Absorber werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Reflexionen loszuwerden. Du musst also noch weitere Absorber hinzufügen.

Der Akustiker HOFA empfiehlt ca. ein Absorber-Modul (das aus Basotect besteht) pro m³. Ein Modul ist bei HOFA 50 cm x 50 cm groß. So hast du schon einmal einen groben Richtwert für die Menge an Basotect in deinem Homestudio.

Tipp: Du kannst dir gerne Bilder von einem Profi-Mastering-Studio oder Profi-Tonstudio anschauen, um zu prüfen, wo genau Absorber und Bassfallen platziert wurden. Gebe einfach entsprechende Suchbegriffe bei deiner Lieblingssuchmaschine ein. Bedenke aber, dass die Bilder nur zur Orientierung dienen sollen, da sich jeder Raum anders verhält.

Um nur durch das Hören zu wissen, wie viele Absorber du benöigst, mische nun einen Song ab. Wenn der Mix

  • zu spitz klingt oder die Hallanteile zu stark sind, ist das Tonstudio zu stark gedämpft. Lösung: Nehme etwas von den Absorber und/oder Vorhängen weg.
  • zu dumpf oder zu trocken klingt, ist der Raum noch zu wenig gedämpft. Lösung: Nehme etwas mehr von den Absorbern und/oder Vorhängen.

Als Nächstes werden in deinem Mastering-Studio Bassfallen aufgestellt.

Bassfallen aufstellen

Wie auch die Akustik-Absorber, werden auch Bassfallen von Akustiker, wie beispielsweise MB Akustik oder HOFA, angeboten. MB Akustik bietet 2 unterschiedliche Bassfallen an. Die eine Bassfalle wird individuell auf eine Resonanzfrequenz zwischen 20 und 60 Hz abgestimmt. Die andere Bassfalle wirkt im gesamten Frequenzbereich von 30 Hz bis 20 kHz.

HOFA bietet sogenannte zylinderförmige Basstraps an. Ein Basstrap ist 103 cm hoch und hat einen Durchmesser von 43 cm. Die Basstraps können bis zur Decke gestapelt werden. Neben dem Stapeln der Bassfallen ist es empfehlenswert, diese in den Ecken aufzustellen. Für eine noch stärkere Absorption unter 80 Hz lassen sich zwei HOFA Basstraps hintereinander aufstellen.

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Die Bassfallen von HOFA werden in der Regel in den Ecken gestellt. In den Ecken, zu denen du beim Mastern am Abhörplatz guckst, werden die meisten Bassfallen platziert.

Tipp: Du kannst dir gerne Bilder von einem Profi-Mastering-Studio oder Profi-Tonstudio anschauen, um zu prüfen, wo genau die Experten ihre Absorber und Bassfallen platziert haben. Gebe einfach entsprechende Suchbegriffe bei deiner Lieblingssuchmaschine ein. Auch HOFA bietet viele Bilder von Kunden direkt auf der Seite.

Du kannst auch Bassfallen selber bauen. Eine Bassfalle kann z.B. aus dem Material Rockwool Sonorock bestehen. Rockwool Sonorock ist ein sehr günstiges Material, das sehr empfehlenswert ist. Die Absorber decken idealweise immer die komplette (!) Raum-Ecke in der Höhe ab. Um die tiefen Frequenzen in den Griff zu bekommen, braucht so ein Absorber aus Rockwool Sonorock eine Mindestdicke. Üblicherweise hat die Mineralwolle eine Bahnbreite von 62 cm. Davon ausgehend benötigst du, um bis zu den 30 Hz herunterzukommen, ungefähr eine Mindesttiefe von 45 cm. Also 45x62cm.

Außerdem solltest du die Mineralwolle komplett in einer Malerfolie einwickeln. Zum einen wegen deiner Gesundheit und zum anderen damit die Höhen nicht so stark gedämmt werden. Zudem solltest du noch eine Holzkonstruktion um das Rockwool Sonorock basteln, die du mit Stoff bespannst. So kann die Bassfalle bzw. das Rockwool Sonorock stabil in der Ecke stehen und sieht optisch ansprechend aus.

Wann ist die Raumakustik perfekt? Wenn alle Frequenzen möglichst eine Ebene darstellen bzw. gleichmäßig verlaufen. Außerdem sollte geprüft werden, wie sich der Sound im Raum über die Zeit entwickelt – etwa über die ersten 300 Millisekunden. Perfekte Werte in der Zeitebene sind 300 Millisekunden. Noch weniger sollte es nicht sein, sonst klingt dein Raum schalltot.

Wie sehe ich das? Die Messung kannst du mit einem Schallpegelmesser, einem Messmikrofon (günstiges Messmirko bei Thomann ansehen*), einem Mikrofonständer und einer Akustik-Software, die den u.a. Frequenzgang und das sogenannte Wasserfalldiagramm darstellt, durchführen.

Kostenlose Akustik-Software: Room EQ Wizzard (REW)

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Alternative: Pegelmesser von Digital Sound (bei Thomann ansehen)*

Auf diese Weise können Frequenzspektrum, Nachhallzeit, erste Reflexionen und Moden analysiert werden. Weitere Informationen zum Thema Bassfallen und Messen findest du im Artikel Raumakustik: Bass (-dröhnen beseitigen/verhindern), den du auch in der sortierten Anleitung Abmischen lernen findest.

LEDE – Live End – Dead End

Sinnvoll ist es, nach dem LEDE-Prinzip seine Akustikmodule zu platzieren. LEDE bedeutet viel Absorption (Dead End) hinter, seitlich sowie über den Boxen und dem Abhörplatz, in Kombination mit Diffusion im hinteren Bereich des Raumes (Live End). Für die Diffusion gibt es sogenannten Diffusoren. Die Diffusoren sorgen für gleichmäßige Streuung des Schalls für einen breiten Frequenzbereich in alle Raumrichtungen.

Fazit: Wer professionell Mastern möchte, braucht eine möglichst perfekte Raumakustik

Eine lineare Frequenzwiedergabe ist eine essenzielle Voraussetzung für das Mastering. Dafür brauchst du nicht nur sehr gute Studiomonitore, sondern auch eine optimierte Raumakustik. Ansonsten können deine Studiomonitore nur so linear sein, wie es dein Mastering-Homestudio ist. Ohne eine akustische Behandlung ist dein Mastering-Studio alles andere als linear.

Wer professionell Mastern möchte, braucht eine möglichst perfekte Raumakustik. Dazu solltest du einen Akustiker beauftragen. Falls du ein begrenztes Budget hast, kannst du auch erst einmal mit den genannten Tipps selber deine Akustik optimieren. Für Problemfrequenzen, die du nicht in den Griff bekommst, kannst du einen Akustiker kontaktieren. Wer einfach noch ein bisschen das Mastering ausprobieren möchte, kann auch ohne einen Akustiker versuchen, seine Raumakustik zu verbessern.

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