Audio-Mastering: Die richtige Reihenfolge (Mastering-Kette)

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Jeder Song ist einzigartig. Jeder Song braucht daher eine individuelle Bearbeitung. Die Soundqualität sollte den Ansprüchen des Produzentens und Künstlers erfüllen. Ein Mastering-Ingenieur hat bereits jahrelange Erfahrung im Bereich Mixing. Er weiß genau, wie akustische und elektronische Instrumente sowie Gesang zu klingen haben. Außerdem weiß er, wie ein kommerzieller Song insgesamt zu klingen hat. Und wichtig: Er weiß, wann der Song keine weitere Bearbeitung mehr benötigt.

Der Schall aus den Lautsprechern sollte letztendlich wie ein fertiger, professioneller und brillanter Song klingen – das sollte immer das Ziel beim Mastering sein. Grundsätzlich gibt es 3 unterschiedliche Wünsche, die wir als Mastering-Ingenieur durchführen sollen:

  1. Der Mix ist fertig. Der Toningenieur hat sehr gute Arbeit geleistet. Der Mastering-Ingenieur muss nichts Grundlegendes verändern – höchstens minimale Korrekturen mit dem EQ.
  2. Der Mix ist schon ganz gut. Wir sollen den Song aber noch ein bisschen Make-Up verpassen.
  3. Der Künstler ist mit seiner Mischung unzufrieden. Er hofft nun, dass der Mastering-Ingenieur alle Fehler beseitigt.

Bei allen 3 Wünschen ist es wichtig, dass sich der Mastering-Ingenieur mit dem Produzenten abstimmt. Nur so können die Vorstellungen vom Produzent erfüllt und der Mastering-Ingenieur eigene Ideen einbringen, sodass ein perfektes Master entsteht – besser, als wenn der Toningenieur ein eigenes Master erstellt hätte.

Frage den Künstler oder Produzenten nach seinen Lieblingssongs, damit du eine genaue Vorstellung von davon hast, wie für ihn gute Musik zu klingen hat. Die Kommunikation mit dem Kunden ist für das Mastering sehr wichtig, damit du weißt, welche Erwartungen er an das Master hat. Du hast alle Informationen eingesammelt? Dann setze dich auf dein Mastering-Stuhl und lass uns (endlich) mastern! Aber wie soll ich vorgehen?

Bitte beachten: Ein gutes Master kann nur entstehen, wenn du die Punkte unter der Mastering Anleitung „1 Grundlagen und Equipment für dein Mastering-Studio“ sowie „2 Vorbereitung für das perfekte Master“ beachtest. Insbesondere eine sehr gute Raumakustik und sehr gute Studiomonitore, die auch die ganz tiefen Töne wiedergeben können, sind essenziell. Darüber hinaus sollte der Mix schon herausragend sein, um ein herausragendes Master zu erstellen.

Es gibt viele Ansätze, ein Master zu erstellen. So könnte dein Master nur in deiner Mastering-DAW erstellt werden, ohne dass es die digitale Ebene verlässt. Oder du bindest auch ein analoges Equipment in dein Setup ein (Hybrid-Setup).

So könnte beim Mastering eine Plugin-Reihenfolge aussehen.

Egal, für welche Pluging-Reihenfolge du dich entscheidest, grundsätzlich musst du bei jedem Song bzw. Album

  1. kritisch hören,
  2. editieren,
  3. säubern,
  4. pegeln,
  5. PQ-Codierung durchführen (PQ-Codierung? Eine CD beinhaltet Subverschlüsselungen. Diese enthalten z.B. die Anzahl der Tracks),
  6. Prozessoren bzw. Plugins einsetzen und
  7. den Song oder die Songs auf das endgültige Medium bringen.

Wenn du die Songs von einem Toningenieur bekommst, verschaffst du dir einen Überblick über die Songs und kannst schon am Anfang eine Reihenfolge der Songs mit deiner Mastering-DAW für das Album festlegen. Bekomme hierbei ein Gefühl dafür, wie die Tracks zueinander passen. Dazu auch noch später in der Anleitung Mastering lernen mehr. Doch bevor genau erklärt wird, wie du die Reihenfolge der Tracks am besten festlegst, soll erst einmal beim einzelnen Song erklärt werden, welche Effekt-Reihenfolge sinnvoll ist.

Allgemein ist es im Software-Mixer deiner DAW einfach, die Reihenfolge der Plugins zu tauschen. So kann man schnell die beste Reihenfolge herausfinden. Der Artikel soll einen Überblick und Empfehlungen geben, welche Mastering-Kette bzw. Hardware- und/oder Plugin-Reihenfolge für die einzelnen Songs sinnvoll ist. Wenn du einen anderen Weg bevorzugst, der dir schone gute Ergebnisse geliefert hat, kannst du diesen gerne in den Kommentaren präsentieren. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom.

Mastering-Plugin-Reihenfolge

Auch wenn unsere Ohren immer entscheiden sollen, was gut klingt und was stört, ist es sehr hilfreich mit Analyse-Tools im Audio-Mastering zu arbeiten. Dabei ist es empfehlenswert, am Ende der Plugin-Reihenfolge wenigsten ein Analyzer und ein Pegelmesser, der den Peak-, RMS- und LUFS-Wert anzeigen kann, einzufügen.

Grundsätzlich besitzt eine Mastering-DAW bereits gute Tools zum Analysieren. Wie man einen Analyzer liest, wird im Artikel 14.2 Spectrum Analyzer Tutorial: Erklärung und Anwendung erklärt. Wie man einen Pegelmesser liest, wird im Artikel 8. Der richtige Pegel beim Aufnehmen (Recording) erklärt. Der Unterscheid zwischen RMS und LUFS wird noch in einem späteren Artikel in der Anleitung Mastern lernen erklärt.

Es ist außerdem sinnvoll, auffällige und störende Geräusche gleich am Anfang in deiner Effektkette bzw. Mastering-Kette zu bereinigen. Wer kann sich schon konzentrieren, wenn die Höhen zu scharf sind, der Bass dröhnt oder „Klick“-Geräusche zu hören sind? Je nach Problem kann man z.B. einen dynamischen Equalizer (gleich mehr dazu) oder spezielle Tools, wie z.B. den iZotope RX 7, dafür nehmen. iZotope RX 7 Standard bei Thomann ansehen.*

Dynamischer Equalizer

Vor allem in einem Song mit akustischen oder live eingespielten Instrumenten kann es bei bestimmten Noten zu einem unschönen Dröhnen kommen. Die Störgeräusche bzw. Frequenzen treten also nur zeitweise auf. Würden wir hier einen normalen EQ einsetzen und die Frequenz absenken, sind leider auch die danach gespielten Noten oder gesungenen Wörter abgesenkt, die eigentlich vorher korrekt waren.

Sonnox Oxford Supresser

Eine Lösung wäre es, den Equalizer zu automatisieren. Also die EQ-Einstellung so aufzunehmen, dass bei einem 4-minütigen Song nur die eine bestimmte Frequenz abgesenkt wird, wenn diese zu sehr heraussticht. Das kann jedoch sehr zeitaufwendig sein. Schneller geht es mit einem dynamischen Equalizer. Es ist sinnvoll den dynamischen EQ vor dem Kompressor einzusortieren, da der dynamische EQ eher den Frequenzgang absenkt – also bereinigt. Bei dieser Mastering-Kette würde auch der Kompressor nichts mehr von den störenden Frequenzen mitkriegen und wäre davon unbeeinflusst. Empfehlenswerter dynamischer Equalizer ist der Sonnox Supresser. Sonnox Supresser bei Thomann ansehen.*

Erst der Kompressor, dann der Equalizer?

Falls der Song es benötigt, kann anschließend ein Equalizer und ein Kompressor (auch mehrere, falls notwendig) hinzugefügt werden. Welche Reihenfolge ist beim Kompressor und Equalizer empfehlenswert? Wenn du störende Frequenzen entfernen möchtest, setze den Equalizer am besten vor den Kompressor. Wenn z.B. der Song bei 60 Hz dröhnt, wird der Kompressor deutlich mehr komprimieren, als wenn die 60 Hz nicht mehr herausstechen. So bekommt der Kompressor ein sauberes Signal. Wenn Frequenzen angehoben werden sollen, ist es sinnvoll, den EQ hinter den Kompressor einzusetzen.

Warum? Wenn ich den EQ bei 60 Hz anhebe, möchte ich auch, dass die 60 Hz um 2 dB angehoben werden. Würde ich den EQ vor dem Kompressor einfügen und die 60 Hz um 2 dB anheben, dann würde der Kompressor jedes Mal, wenn bei 60 Hz viel passiert, die 2-dB-Anhebung komprimieren. Ich würde also nicht um 2 dB anheben, sondern die Frequenz würde nur so weit angehoben werden, wie der Summen-Kompressor es erlauben würde. Wird der EQ nach dem Kompressor eingefügt, machen Kompressor und EQ genau das, was sie sollen.

Tipp: Als Alternative zum Kompressor, kann auch gerne ein Transienten-Tool, wie z.B. der empfehlenswerte Sonnox Oxford Transmod, in der Mastering-Kette eingefügt werden. Insbesondere um Transienten etwas mehr Punch zu geben, ist der Sonnox Oxford Tansmod spitze!

Equalizer für schöne Färbungen

Wie oben im Artikel beschrieben, sollten Equalizer-Anhebungen nach dem Kompressor durchgeführt werden. Solche Anhebungen werden grundsätzlich mit einem färbenden Equalizer durchgeführt. So klingt der Song schon mehr nach einer Profi-CD oder heutzutage eher nach einem Profi-Song, der per Spotify, Deezer oder Youtube gestreamt wird.

Sehr empfehlenswert für schöne Färbungen ist der UAD Pultec EQP-1A und UAD Manley Massiv Passiv. Schöne EQ-Kurven zum breiten Anheben ohne Färbung bietet der Dangerous BAX EQ. Dieser ist sowohl als Hardware als auch als Plugin erhältlich.

Für eine edle und dezente Färbung, die eigentlich immer passt, ist auch der Kompressor UAD Fairchild 670 Tube Limiter sehr geeignet – als Hardware nicht mehr produziert und unbezahlbar. Dieser Kompressor sollte so eingestellt werden, dass er nicht komprimiert. Das Audio-Signal soll also nur durch diesen in der Summe geschickt werden. So ein Kompressor, der gar nicht zum Komprimieren genutzt wird, sondern um den Song edler klingen zu lassen, kann auch gerne am Anfang der Mastering-Kette eingefügt werden. Einfach mal ausprobieren.

UAD Fairchild 670

Reverb

Heutzutage wird zum einen das Mikrofon bei der Aufnahme (Recording) sehr nah am Sänger, Rapper oder den Instrumenten, wie z.B. der Gitarre, positioniert und zum anderen viel am Computer (Audio-PC) produziert. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass du einen Song erhältst, der noch relativ trocken klingt.

Eine schlechte Lösung wäre es, den gesamten Song in eine lange Hallfahne zu packen, als ob der Song in eine Kirche abgespielt wird. Als Mastering-Ingenieur möchten wir geschickt den Hall mehr Räumlichkeit verleihen. Dazu nutzen wir die frühen Reflektionen. Eine gute Idee ist es, nach dem färbenden EQ dem Song mehr Räumlichkeit zu verleihen. Welche schönen Methoden es dafür gibt, wird in einem späteren Artikel in der Anleitung Mastering lernen erklärt. Auf jeden Fall können wir auch noch in der Summe Tiefe und Räumlichkeit hinzufügen

Stereoverbreitung

Viele Pop-Songs haben über das Panning hinaus eine Stereoverbreitung, damit der Song noch breiter wirkt. Hierfür gibt es zwei Plugins, die dafür sehr empfehlenswert sind, um das Stereo zu verbreitern: SPL Vitalizer MK2-T oder bx_digital V3 von Plugin Alliance (Brainworx). Einfach deinen Referenzsong mit dem Song, der gemastert werden soll, vergleichen und am entsprechenden Knopf für die Stereoverbreitung drehen bis es passt. Prüfe anschließend, ob die Mono-Kompatibilität noch in Ordnung ist.

SPL Vitalizer MK2-T

Limiter

Kompressoren, die mit einer Ratio von unendlich:1 arbeiten, werden Limiter genannt. Sie lassen ab dem eingestellten Threshold meistens keine Töne bzw. Signalspitzen durch. Das ist ideal, um eine digitale Übersteuerung zu vermeiden (über 0 dBFS). Daher werden sie oft beim Audio-Mastering eingesetzt, um einen Mix lauter zu machen.

Wie wir dabei am besten vorgehen, wird auch noch später erklärt. Damit ein Limiter seine Aufgabe ordnungsgemäß erfüllen kann, wird er zum Schluss in der Effektkette bzw. Mastering-Kette eingesetzt – wenn der Song noch auf 16 Bit exportiert werden muss, dann folgt tatsächlich noch eine letzte Sache nach dem Limiter: Dithering.

Dithering

Im besten Fall wurde der Song, den du mastern sollst, in einer Samplingtiefe, auch Bittiefe genannt, von mindestens 24 Bit zu dir geschickt. Für manche Medien, wie z.B. bei der CD, auf die der Song oder das Album soll, muss das Format anschließend auf 16 Bit heruntergerechnet werden. Damit kein Qualitätsverlust entsteht, wird das Dithering angewandt. Dieses Verfahren wird immer ganz am Schluss in der Mastering-Kette genutzt. Genauere Erklärungen erfolgen auch hier in einem späteren Artikel in der Anleitung Mastering lernen.

Gain Staging

Beachte bei allen hinzugefügten Plugins und Hardware-Geräten das Gain Staging – egal, ob beim Mastering oder Mixing oder Producing. Ansonsten können schnell unschöne Verzerrungen auftreten, die nicht immer sofort auffallen! Die Lösung? Am besten ist es, wenn du Plugins verwendest, die dir anzeigen, ob das Eingangssignal (Input) vom vorherigen Plugin verzerrt ankommt und das Ausgangssignal (Output) des geöffneten Plugins verzerrt.

Klasse! Wie die roten Kreise im Bild verdeutlichen, hat der EQ von HOFA oben links eine Input-Anzeige (das ist der Spitzenpegel, der ankommt) und oben rechts eine Output-Anzeige (das ist der Spitzenpegel, der aus dem Plugin herausgeht).

Gain Staging stellt die korrekte Einstellung der Verstärkung für jeden Abschnitt des Signalwegs dar, sodass keine Sektion und ins Clipping gerät. Alle hinzugefügten Audio-Plugins oder Hardware-Geräte dürfen nicht übersteuern. Mehr dazu im Artikel Gain Staging unter der strukturierte Anleitung Abmischen lernen.

Fazit: Die Mastering-Reihenfolge trägt zu einem guten Klang bei

Die aufgezeigte Reihenfolge für das Mastering kannst du gerne am Anfang als Orientierung nehmen. Zudem kannst du als Anfänger den Artikel als Checkliste nehmen, ob du einen Arbeitsschritt vergessen hast oder den Song mit einem Tool noch verbessern kannst. Glücklicherweise kannst du in deiner Mastering-DAW schnell deine Mastering-Kette verändern. Probiere es selber aus, welche Plugin-Reihenfolge am besten für den Song passt.

Höre dir den Song aber zunächst intensiv an und frage dich beim ersten Hören, welche Probleme dieser hat und wie du diese am besten mit deiner Software oder Hardware lösen kannst. Irgendwann musst du dafür nicht mehr viel nachdenken, weil du in der Vergangenheit bereits auf dieses Problem gestoßen bist und eine gute Lösung dafür gefunden hast.

In diesem Artikel wurde dir eine mögliche Reihenfolge für das Mastering dargestellt. In den nächsten Artikel wird auf die einzelnen Arbeitsschritte detailliert eingegangen. Du bist mitten in diesem Artikel gelandet? Auf Tonstudio Wissen wird unter Mastering Tutorials – Musik mastern lernen das Wissen über das Mastering – wie in einem guten Buch – in einer aufbauenden Reihenfolge aufgezeigt. Welche Plugin-Reihenfolge nutzt du gerne für das Mastering? Kommentare sind willkommen.

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