Mastering Musik – den passenden Song auswählen

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Wenn du einen fertig abgemischten Song zum Mastern erhältst, höre dir diesen zunächst einmal an. Auch wenn du gute Mastering-Plugins und sogar Mastering-Hardware besitzt und du voller Tatendrang alle Frequenzen veredeln möchtest, stelle dir zunächst die Frage, ob der Song überhaupt noch eine Bearbeitung benötigt. Bei gut abgemischten Songs, ist das gar nicht so einfach zu beurteilen.

Wie klingt denn ein sehr guter Song? Um sehr gut zu mastern, solltest du schon jahrelange Erfahrung im Bereich Mixing haben. So kannst du schon sehr gut beurteilen, wie ein toller Mix zu klingen hat. Außerdem hörst du einfacher Probleme heraus und weißt, wie diese am besten zu bearbeiten sind.

Das heißt im Detail, du kennst

  • die verschiedenen Frequenzbereiche,
  • Kammfiltereffekte,
  • Phasing (verändernde Kammfilter),
  • gute Aufnahmen von unterschiedlichen Musikstilen,
  • Transienten (wann wurde der dynamische Bereich eingeschränkt?),
  • Raum und Tiefe,
  • beurteilen, wenn Sänger zu nah am Mikrofon standen (Nahbesprechungseffekt),
  • elektrische Geräusche (Klicken, Poppgeräusche, Ticken),
  • Übersteuerung (Clipping),
  • Artefakte von Hallräumen (klingen diese Flach oder haben diese eine herausragende Tiefe?),
  • Mono, schlechtes Stereo, gutes Stereo,
  • kleinste Unterschiede erkennen (Kannst du eine 0,5 dB Anhebung eines Frequenzbandes hören?),
  • Pumpen eines Kompressors,
  • schlechte Edits (Räumlichkeit oder Sound wurden schlecht abgeschnitten.

Immer mehr Sachen in der Musik herauszuhören, ist keine kurzfristige Aufgabe. Es sollte eine lebenslange Beschäftigung sein. Kein Meister bzw. Mastering-Experte ist vom Himmel gefallen. Wenn du viel Spaß und Leidenschaft mitbringst, dann bin ich mir sehr sicher, dass du automatisch zu einem Audio-Mastering-Experten wirst.

Audio-Voodoo

Im vorherigen Abschnitt wurde der Punkt

  • „kleinste Unterschiede erkennen (Kannst du eine 0,5 dB Anhebung eines Frequenzbandes hören?)“

erwähnt. Viel weniger als 0,5 dB nehmen wir nicht mehr wahr. Habe hierbei immer Folgendes im Hinterkopf:

Wenn du schon eine Weile Musik machst, hast du das wahrscheinlich zumindest in einer ähnlichen Form erlebt: Du schraubst an einem Plugin herum und hörst leichte Veränderungen im Sound. Doch in Wahrheit hast du nichts verändert, da das Plugin auf Bypass war. Die Macht des Audio-Voodoos sollten wir nicht unterschätzen! Unsere Wahrnehmung besitzt manchmal eine ganz eigene Macht. Versuche dich nicht täuschen zulassen. Sei dir immer sicher, dass ein Unterschied zu hören ist. Eine Pause von ca. 15 min hilft hier sehr!

Welche aktuellen Songs klingen hervorragend?

Es ist immer zu empfehlen, wenn du Radio (z.B. im Auto) hörst, auch auf die Soundqualität zu achten. Wenn du die Möglichkeit hast, nutze gerne einen Streaming-Dienst, wie z.B. Spotify oder Deezer. Auch wenn du bei den Streaming-Diensten keine Wave-Qualität, sondern „nur“ die MP3-Qualität hörst, sind diese immer noch deutlich besser von der Klangqualität als das UKW-Radio. Außerdem kannst du dir so gezielt die aktuelle Musik bzw. Soundqualität anhören und bist nicht auf das Radio-Programm angewiesen.

Sehr praktisch ist es bei neueren Autos. Bei diesen kannst du dein Smartphone mit Bluetooth verbinden und Musik von Spotify oder Deezer über die Auto-Lautsprecher hören. Wenn du dir die verschiedenen aktuellen Songs intensiv anhörst, können dir verschiedene Dinge auffallen. Der nächste Song kann z.B.

– voller,
– transparenter (einzelne Instrumente sind besser zu hören) sein,
– eine bessere hörbare Kick besitzen,
– einen besseren hörbaren Bass haben,
– mehr Glanz haben,
– breiter sein,
– besseren Hall (Tiefe) besitzen,
– mehr Punch (Anschlag der Instrumente oder Drums) haben.

Mit diesem Prinzip kannst du dir deine eigene persönliche Referenzsongliste für die verschiedene Musikstile erstellen.

Ein Meilenstein in Sachen herausragender Soundqualität ist z.B. der Song „Get lucky“ von Daft Punk. Der Song klingt ungewohnt breit. Die Kick und der Bass klingt sehr (Achtung Fachbegriff) „fett“.

Bekannt für eine herausragende Soundqualität ist auch „Yello“. Das Schweizer Musiker-Duo, bestehend aus Dieter Meier und Boris Blank, gibt es bereits seit den 80igern. Schon damals überzeugte Yello mit einer sehr guten Klangqualität. Den Durchbruch schafften Yello in Deutschland mit der Single „The Race“. Der Song war die Titelmusik für die populäre Musikvideosendung „Formel Eins“. Derzeit kann auch die sehr gute Klangqualität von Yello bei der aktuellen McDonalds-Werbung jeweils am Schluss gehört werden. Man hört einen deutlichen Unterschied in der Soundqualität, wenn wir uns die Musik bei den anderen Werbespots anhören.

Ein weiteres Beispiel ist die Band RÜFÜS. Die Songs „Like an Animal“, „Brighter“, „You Were Right“ oder „Until the Sun Needs to Rise“ klingen hervorragend.

Solche Referenzsongs dienen als Gradmesser für eine sehr gute Klangqualität. Erweitere ständig deine Sammlung, sodass du bei den verschiedenen Musikstilen einen passenden Gradmesser hast. Bekommst du einen Song zum Mastern, solltest du diesen mit einem Referenzsong vergleichen, der ähnlich klingt bzw. der dem gleichen Musikgenre zuzuordnen ist (z.B. Pop, HipHop, Rock). Außerdem ist es beim Vergleich sehr wichtig, dass du diese in der gleichen Lautstärke abhörst! Denn lauter klingt immer besser.

Weitere Informationen werden im Artikel Mix mit Referenzsong / Referenzmusik vergleichen aufgezeigt.

Fazit: Referenzmusik als Gradmesser beim Audio-Mastering ist sehr wichtig

Höre Musik immer sehr intensiv. Neben den Gefühlen, die ein Song bei dir auslöst, solltest du auch auf die Soundqualität achten. Dein Lieblingssong muss nicht zwangsweise die beste Musikqualität haben. Auf diese Weise kannst du dir deine eigene Referenzsongliste erstellen, die du beim Audio-Mastering nutzen kannst. Für einen fairen Vergleich solltest du immer die Lautstärke anpassen. Zudem sollte die Referenzmusik den gleichen Musikstil aufweisen.

Tonstudio Wissen bietet übrigens eine komplette Anleitung für das Mixing. Falls du dich noch nicht reif für das Mastern fühlst, schnappe dir ein Getränk und lese dir die strukturierten Artikel unter Abmischen lernen zunächst durch. Sofern du mitten in diesem Mastering-Artikel gelandet bist und du dich bereit für das Audio-Mastering fühlst, ist die strukturierte Mastering-Anleitung unter Mastering lernen für dich empfehlenswert.

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