Tutorial: Triggern / Sound-Layering in der Musik (Audio)

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Du erhältst einen Song, bei dem der Sound nicht wirklich mit den Produktionen aus den Charts mithalten kann. Vor allem die Drums (Schlagzeug) klingen einfach nicht so galaktisch, wie man es aus dem Radio gewohnt ist. Zum Glück gibt es Equalizer, Kompressor, Verzerrung, Saturation, Hall und viele andere Mixing-Tools. Einige Zeit später sind deine Inserts im Mischpult prall mit Plugins gefüllt. Du hast überkomprimiert, übermäßig viel mit Equalizer bearbeitet, schön viel Sättigung (Saturation) hinzugefügt und alles im Hall erstickt. Wie klingt es? Nicht wirklich gut. Das macht dich nicht glücklich. In diesem Tutorial möchte ich eine sehr effektive Methode für einen tollen Sound vorstellen, die in unzähligen Produktionen genutzt wird: das Triggern (Auslösen, Spielen von Samples) / Sound-Layering (Klänge in der Musik (Audio) schichten).

Eine Sache sollte dir immer bewusst sein: Wichtig für einen sehr guten Mix ist das Rohmaterial. Das Schlagzeug, die Instrumente (z.B. Gitarren, Keyboards, Streicher, Orgel, Klavier) und der Gesang sollten schon ohne Effekte eine gewisse Qualität aufweisen. Bei einem schlecht aufgenommenen Schlagzeug hilft dir auch kein EQ, parallele Kompression oder Hall. Es wird auch mit Bearbeitung schlecht klingen. Denke an das weise Sprichwort:

„Das Mischpult ist kein Klärwerk“

Probleme bei der Soundqualität gibt es vor allem bei Instrumente oder Schlagzeug, die mit einem Mikrofon aufgenommen wurden. Das Problem hast du eher seltener bei VSTs (Virtual Studio Technologie) – denn die VSTs wurden von Profis entwickelt. VSTs können beispielsweise Synthesizer, virtuelle Gitarren, virtuelles Schlagzeug oder virtuelle Streicher sein. Ein Instrument gut aufzunehmen erfordert eine gewisse Erfahrung und Theoriekenntnisse. Zudem benötigt der Produzent einen guten Aufnahmeraum bzw. eine gute Raumakustik. Musiker wollen einfach Musik machen – und das ist auch gut so. Denn notfalls gibt es Mixing-Engineers, die gerne bereit sind, ihren Aufnahmeraum zur Verfügung zu stellen und mit ihren Fachkenntnissen (richtige Aufnahmetechnik) helfen.

Triggern benutzen wir also, wenn die Soundqualität eher mäßig ist. Außerdem Triggern wir auch, wenn der Sound gut aufgenommen ist, diesem aber trotzdem etwas fehlt (Frequenzen). Anstatt nun unzählige Effekte einzusetzen, um den Sound so zu verbiegen, dass dieser deinen Vorstellungen entspricht, ist die bessere Methode zu triggern / Sound-Layering zu betreiben. Für diese Methode werden ein zusätzliches Sample oder mehrere zusätzliche Samples gleichzeitig abgespielt. Ziel ist es, dass wir einem noch nicht so optimalen Audio-Signal ein zusätzliches ähnliches Audio-Signal hinzufügen, dass die fehlende Eigenschaft ersetzt oder die Qualität des originalen Audio-Signals aufwertet. Notfalls muss das originale Sample komplett ersetzt werden. Stimme dich bei solchen Vorhaben aber immer mit dem Produzenten (Kunden) ab.

Ein Beispiel: Vor allem eine echte Schlagzeug-Aufnahme klingt meistens selten atemberaubend. Bei solchen Aufnahmen (Recording) ist es in der heutigen Musik normal, dass man zusätzliche Samples den einzelnen Drums-Sounds hinzufügt.

Die Vorgehensweise: Höre dir jedes aufgenommene Audio-Signal an und stelle dir bei jedem aufgenommenen Signal bzw. Audio-Sample die Frage: Was fehlt diesem Sample?

  • Attack (Punch; Anschlag der Note)?
  • Sustain (eine längere Ausklingphase)?
  • Tiefe oder hohe Frequenzen?
  • Raumanteile (Hall / Reverb)?

Der Schlüssel für einen tollen Sound ist das richtige Sample zu verwenden. Wenn die Kick, auch Bassdrum genannt, etwas fehlt, suche ein Kick-Sample heraus, das die fehlende Eigenschaft ersetzt. Das Gleiche gilt für Snare, Hihat, Crash, Shaker usw.

Wie triggern?

Um Samples mit weiteren ähnlichen Samples zu ergänzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im Folgenden wird eine einfache Methode anhand einer nicht ganz so optimal klingenden Snare erklärt, der du dadurch noch weitere Samples hinzufügen möchtest:

  1. Dupliziere die Snare-Spur.
  2. Duplizierte Spur benennen, z.B. Snare-Sample 1
  3. Füge eine Tigger-Software (Programm) in der duplizierten Spur hinzu, wie z.B. Steven Slate Trigger oder apulSoft apTrigga2. Eine aufwendigere Alternative ohne Trigger-Plugin wäre es, eine neue Spur einzufügen und das zusätzliche Sample genau an den Positionen zu positionieren, an denen das originale Snare-Sample anfängt. Diesen Vorgang musst du tatsächlich für alle Snare-Schläge wiederholen. Bei einem 4-minütigen Song ist das sehr aufwendig.
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  4. Wähle ein Snare-Sample mit der Trigger-Software aus, das die fehlende Eigenschaften der Original-Spur hinzufügt
  5. Stelle das richtige Mischungsverhältnis der beiden Spuren ein (Fader leiser oder lauter stellen)
  6. Dem eigentlichen Snare-Sample fehlt immer noch etwas? Wiederhole den Schritt 1-4.
  7. Bei einem aufgenommen Schlagzeug ist es vorteilhaft, wenn du nun eines von den hinzugefügten Snare-Samples Reverb hinzufügst. Dadurch bekommt nur die Snare diesen Hall ab. Denn bei einer aufgenommenen Snare hörst du meistens noch andere Elemente vom Schlagzeug, z.B. Kick-Drum (Bassdrum), Hihat oder Crash. Die Mikrofone nehmen in einem Raum logischerweise immer noch einen Teil von den anderen gespielten Drum-Schlägen auf. Hast du mehrere zusätzliche Samples für die Snare hinzugefügt, wähle ein Sample aus, bei dem der Hall am besten klingt. In der digitalen DAW-Welt können wir glücklicherweise schnell ein anderes Sample den Hall per Send geben. Höre dir den Hall letztendlich im Kontext an. Das gesamte Schlagzeug bzw. der gesamte Song sollte also spielen.

Das Coole dabei? Schaue einmal auf deine Insert-Slots. Bis auf das Trigger-Plugin wurden keine weiteren Plugins bis jetzt benötigt. Der Grundsound klingt nun gut. Eine gute Ausgangsposition für einen perfekten Mix.

Bei einem komplexen Sound, wie z.B. Gitarre, Klavier, Pad, Streicher oder Synthesizer-Sound, wird es immer schwieriger zu triggern bzw. klanglich zu schichten. Denn du musst wissen,

  1. was genau gespielt wurde (Midi-Dateien sind hier hilfreich) und
  2. ein ähnliches Instrument als Plugin oder in Echt besitzen

Ist das auch eigentlich nicht die Aufgabe des Produzentens? Eigentlich ja. Hat den Song jedoch kein erfahrener Produzent produziert, gehören solche Aufgaben auch mal in den Mixing-Bereich. Spreche bei solchen Entscheidungen aber immer mit dem Produzenten. Vielleicht war es ja auch genau der Sound, den er anstrebt. Gerne kannst du auch deine Aufnahme-Räume für eine bessere Soundqualität zu Verfügung zu stellen. Ein guter Aufnahmeraum und das Wissen, wie man aufnimmt, sind entscheidend für einen tollen Klang. Dafür gibt es zum Glück Toningenieure.

In der heutigen Musik ist Layern üblich

In den heutigen Produktionen bzw. in der heutigen Musik ist das Layern üblich. Viele Sample-Libraries und DAW-Klangerzeuger, wie z.B. in Cubase, Pro Tools, Logic Pro X, Samplitude, FL Studio, Studio One, Ableton, haben sogar bereits fertige gelayerte Sounds. Meist waren dabei Profis am Werk, die diese Multi-Layer-Sounds mit viel Erfahrung erstellt haben. Aus klanglicher Sicht muss hierbei nicht noch mehr gelayert werden. Hierbei kann es aber trotzdem sinnvoll sein (vor allem beim Produzieren) das Layering / Triggern anzuwenden. Warum?

Häufig findet man beim Produzieren eines Songs nicht genau den Sound in einer Library, dem man gerade im Kopf hat. Dem Sound fehlt noch eine Kleinigkeit, damit er mit dem Song perfekt harmoniert. Diese fehlende Kleinigkeit kann nur selten mit Effekten ersetzt werden. Die bessere Lösung lautet Sound-Layering. Mit Equalizer, Hall und Kompressor können wir dann – wenn überhaupt nötig – die Sounds zu einer perfekten Einheit verschmelzen lassen.

Beim Mixing wollen wir durch das Layering / Triggern den Sound bzw. die Klangqualität verbessern. Auch hier ist es die bessere Lösung den Sound mit Layering / Triggern zu verbessern als krampfhaft mit übertriebenen EQ- und/oder Kompressor-Einstellungen den Sound irgendwie schöner zu zaubern.

Spätestens in diesem Artikel wird es deutlich, dass die Bereiche Producing, Recording und Mixing ineinander greifen. Man kann die Bereiche Producing, Recording und Mixing nicht isoliert voneinander betrachten. Mache dir Folgendes bewusst:

  1. Ein guter Produzent sollte auch das Recording und Mixing beherrschen.
  2. Ein guter Toningenieur sollte sich auch beim Produzieren und vor allem beim Recording auskennen.

Und noch eine kleine Anmerkung: Nehmen wir an, dass du einen Song produziert hast und du dich in allen Bereichen, das heißt Producing, Recording und Mixing gut auskennst. Trotzdem ist es empfehlenswert, wenn du deinen Song von einem anderen Toningenieur abmischen lässt. Dieser hat wieder eine neue Perspektive auf den Song – ihm können Details auffallen, die du nach stundenlangem produzieren nicht mehr wahrnimmst. Er kann eigene und neue Ideen einbringen, die den Song noch einmal aufwerten.

Fettere Kick mit Sinuston und Gate

Dir fehlt noch eine tiefe Frequenz in der Kick? Ich möchte dir noch einen coolen Trick / Tipp zeigen:

  1. Füge eine leere Audio-Spur (am besten unter der eigentlichen Kick-Spur) hinzu.
  2. Stelle die neue Spur auf Mute.
  3. Füge einen Sinusgenerator in den Insert der neuen Spur ein. Diesen haben die meisten professionellen DAWs standardmäßig dabei. In Cubase nennt sich dieser z.B. Testgenerator und in ProTools z.B. Signal Generator.
  4. Stelle den Sinusgenerator auf die fehlende Frequenz ein. Welche Frequenz fehlt eigentlich genau? Der Spectrum Analyzer hilft dir bei der Suche.
  5. Anschließend füge ein Gate-Plugin im Insert ein. Dieses muss nach dem Sinusgenerator eingefügt werden. Dazu kannst du ein Standard-Gate nehmen, das bei deiner DAW dabei war.
  6. In Pro Tools wählst du nun einen Bus in der Kick-Spur unter Sends aus.
  7. Bei deinem Gate wählst du in Pro Tools unter „no key input“ den gerade hinzugefügten Bus aus. Was passiert jetzt? Wenn die Kick spielt, wird das Signal zum Gate geschickt. Immer wenn die Kick spielt, wird das Gate geöffnet – lässt also den Sinusgenerator-Ton durch. Auf diese Weise wird der Sinusgenerator-Ton immer dann generiert, wenn die Kick spielt. Wenn du ein „Klick“ hörst, dann öffnet das Gate zu schnell. Erhöhe den Attack-Regler. Reagiert das Gate nicht? Verringere den Threshold. Schließt das Gate zu schnell oder zu langsam, drehe am Release-Regler.
Die Abbildung zeigt den Sidechain-Effekt in Cubase. Füge unter der Kick-Spur, in der Abbildung „BD“ (Bassdrum) genannt, eine neue Audio-Spur hinzu. Benenne diese z.B. „BD Sinus“. In der Spur „BD Sinus“ fügst du nun den Sinusgenerator ein. Dieser nennt sich in Cubase „TestGenerator“. Stelle den Sinuston auf die gewünschte Frequenz ein. Im Beispiel sind das 60 Hz. Im nächsten Insert fügst du nun das Gate von Cubase ein. Drücke im Gate auf den „Sidechain-Button“, der sich im Plugin oben befindet (Button leuchtet wie in der Abbildung orange). Nun wähle die BD-Spur an. Unter Send-Effekte wählst du nun die BD-Sinus-Spur. Fertig. Wenn die Bass-Drum nun spielt, öffnet genau in dem Moment das Gate, sodass der Sinuston, während die Kick spielt, zu hören ist. Im Beispiel wurde noch die Attack vom Gate erhört, damit dieser „Klick-Sound“, der durch das Öffnen des Gates entsteht, nicht zu hören ist.

Der Trick / Tipp ist wirklich klasse. Denn wir können dadurch der Kick genau den tiefen Ton geben, der fehlt, ohne irgendwelchen tieffrequenten Müll hinzuzufügen. Ist die Tonart des Songs beispielsweise ein „E“, kannst du die Frequenz des Sinustons genau auf ein „E“ einstellen. Das gibt dann eine schöne fette Kick. Welche Frequenz hat das „E“? Dazu hilft dir die Tonstudio-Wissen-Frequenztabelle.

Bist du mitten in diesem Artikel gelandet? Auf Tonstudio Wissen sind die Artikel zusammenhängend sortiert, sodass du dir chronologisch das gesamte Wissen über das Mixing aneignen kannst. Die komplette Anleitung findest du unter Abmischen lernen.

Fazit: Trigger / Sound-Layering wertet den Sound effektiv auf

Der Kick fehlt das Low-End (tiefe Frequenzen)? Die Snare hat nicht genug Attack? Die Hi-Hat klingt dumpf? Eine gute Lösung lautet Triggern / Sound-Layering. Am einfachsten funktioniert das Triggern bei Drums mit einem Trigger-Plugin, wie z.B. Steven Slate Trigger. Hilfreich ist es natürlich, viele schöne Drum-Samples auf deiner Festplatte zu haben.

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Ein guter Mix beginnt mit gut aufgenommene Sounds. Klingen die Sounds schon ohne Bearbeitung toll, wird dir das Mischen viel leichter fallen. Das Geniale beim Sound-Layering ist, dass wir weniger mit anderen Plugins das Sample bearbeiten müssen, um einen besseren Sound zu formen. Und je weniger Bearbeitung, desto besser.

Kennst du noch weitere tolle Trigger-Plugins? Du hast noch Fragen oder Anmerkungen zum Thema? Wie immer kannst du gerne einen Kommentar verfassen. Über das Teilen des Artikels würde ich mich ebenso freuen. Die bekannten Buttons von Facebook, Twitter und Co befinden sich oben und unten auf der Seite. Herzlichen Dank!

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