Mastering Lautstärke – die perfekte Abhörlautstärke

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Um eine gleichbleibende Qualität beim Mastering zu erreichen, ist es sehr empfehlenswert, bei jedem Master mit der gleichen Lautstärke die Musik abzuhören. Diese Lautstärke haben wir vorher genau definiert. Unser Gehör arbeitet nämlich nicht linear. Wird mit unterschiedlichen Pegeln abgehört, empfindet man beim selben Song bestimmte Frequenzbereiche, z.B. die Höhen oder den Präsenzbereich, unterschiedlich laut. Fletcher-Munson und Robinson Dadson haben aufgezeigt, bei welcher Lautstärke wir am gleichmäßigsten alle Frequenzen wahrnehmen. Diesen Pegel brauchen wir beim Mastering (und auch beim Abmischen)!

Damit wird diesen bestimmten Pegel mit dem Lautstärke-Regler immer sofort genau einstellen können, kalibriere dein Monitorsystem. Das klingt im ersten Moment schwieriger als es tatsächlich ist. Los geht’s!

Bevor wir loslegen, solltest du die richtige Hardware bzw. Monitorsystem – wie auch im Artikel Mastering Hardware aufgezeigt – für die Kalibrierung besitzen. Wenn man die Lautstärke kalibrieren möchte, ist es sehr empfehlenswert, einen Monitorregler zu besitzen, der in 1 dB-Schritten markiert und gerastert ist. So einen Monitor-Controller für das Mastering, der zudem sehr hochwertig ist, bietet beispielsweise die Firma Dangerous Music oder Grace Design.

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Falls du es nicht ganz so professionell angehen und nur ein bisschen „Mastering-Luft“ schnuppern möchtest, kalibriere deinen ungerasterten Output-Regler deines Audio-Interfaces. Markiere dann die entsprechenden Positionen mit einem Klebestreifen, Stift oder was dir sonst noch kreatives einfällt.

Es werden oft viele Einheiten in diesem Artikel genannt. Was bedeuten diese? Spitzenpegel (Peak; Einheit: dBfs) zeigt an, wie laut die Musik für das (digitale) Aufnahmesystem ist. Durchschnittspegel (RMS; Einheit dBVU) zeigt an, wie laut die Musik für den Zuhörer tatsächlich ist (gefühlte Lautheit). 0 dB FS (Full Scale) ist der maximale Spitzenpegel in einer DAW. Wenn das Signal noch lauter ist, fängt dieses an zu verzerren. Werte wie -20 dB FS, bedeuten, dass der Pegel sich bei -20 dB unter 0 dB FS (Full Scale) befindet. Nähere Information im Artikel Der richtige Pegel beim Aufnehmen (Recording). Glücklicherweise sind die Artikel auf Tonstudio Wissen strukturiert aufgebaut. Um das gesamte Wissen aufbauend zu lernen, lese dir zunächst die Artikel unter Abmischen lernen durch.

Voraussetzung für die Kalibrierung

Für die Kalibrierung benötigst du

  • ein Plugin, das sogenanntes Rosa-Rauschen generiert (bei einer professionellen DAW meistens dabei) oder eine Wave-Datei, auf der Rosa-Rauschen zu hören ist und
  • falls deine DAW es nicht bereits kann, ein Plugin, das den RMS-Wert vom Pegel anzeigt, z.B. das bx_meter. Cubase kann in der Summe den RMS-Wert anzeigen.
  • ein Pegelmesser. Der Pegelmesser misst die gefühlte Lautstärke, wie unser Gehör diese wahrnimmt. Schallpegelmesser bei Amazon anschauen.* oder Pegelmesser von Digital Sound bei Thomann ansehen*
  • Ohrstöpsel. Denn das Rosa-Rauschen ist nicht gerade angenehme – es rauscht. Wir müssen das Rosa-Rauschen für die Kalibrierung auch relativ laut einstellen.
Pegelmesser
Ein Pegelmesser von der Firma Teufel. Dieser müsste, wie im Bild gezeigt, eingestellt werden.

Lautstärke-Regler / Monitor-Regler kalibrieren

Gehe dazu wie folgt vor:

  1. Stelle deinen Monitor-Regler auf ganz leise bis stumm.
  2. Öffne deine DAW.
  3. Aktiviere das Rosa-Rauschen in einer Mono-Spur.
  4. Stelle das Rosa-Rauschen in deiner DAW so ein, dass das Pegel-Messer-Plugin oder deine DAW einen RMS-Wert von -20 FS RMS anzeigt.
  5. Du misst nun die gefühlte Lautheit des Rosa-Rauschens beider Lautsprecher getrennt. Das Rosa-Rauschen darf also nur auf eine Studio-Box zu hören sein. Nimm einen Pegelmesser. Stelle diesen auf C-gewichtet und auf eine langsame Reaktionszeit ein. Das kommt dem menschlichen Gehör sehr nah.
  6. Der Pegelmesser sollte für die Messung dort gehalten werden, wo sich beim Abhörplatz dein Kopf befindet.
  7. Nun drehe an den Lautstärke-Regler bis der Wert 83 dB auf deinem Pegelmesser angezeigt wird. Musst du dafür kaum am Lautstärke-Regler drehen, drehe den Trim-Regler des einen Lautsprechers (meistens hinten am Lautsprecher zu finden) leiser. Nun kannst du am eigentlichen Lautstärke-Regler deines Audio-Interfaces oder Monitor-Controller lauter drehen bis 83 dB beim Pegelmesser erreicht werden. Dadurch hast du am Lautstärke-Regler mehr „Spielraum“ für weitere Einstellungen, die noch folgen werden. Sind die 83 dB erreicht, markiere diese Stelle am Monitor-Controller mit einem Klebestreifen, Stift oder ähnlichem, falls der Lautstärke-Regler nicht gerastert ist.
  8. Wiederhole den Vorgang für den anderen Lautsprecher. Der Trim-Regler sollte wie beim anderen Lautsprecher eingestellt werden.
KRK Lautsprecher-Rückseite
Der Trim-Regler befindet sich auf der Rückseite eines Lautsprechers.

Fertig! Der SPL von 83 dB pro Lautsprecher ist eingerichtet

Nun hast du bei einer definierten Position deines Monitorreglers einen SPL von 83 dB pro Lautsprecher bei einem -20 dB FS RMS-Signal. Also bei Musik, die einen Durchschnittspegel von -20 dB FS RMS hat, hörst du die gefühlte Lautstärke aus deinen Lautsprechern von 83 dB. Bedenke, dass beide Stereolautsprecher nun zusammen einen SPL von 85-86 ergeben. Es ist also nicht ungewöhnlich den Monitorregler um 2-3 dB-Schritte wieder herunterzuregeln, wenn wir Stereo abhören.

Dadurch, dass im System -20 FS RMS eingestellt ist und unsere Ohren nun einen Pegel von 83 SPL wahrnehmen, haben wir 2 Vorteile:

  • Die Musik wird nicht übersteuern bzw. clippen (einen Pegel von über 0 dB FS haben), weil wir einen Puffer (Fachbegriff lautet Crest-Faktor) von 20 dB haben.
  • Wir hören in der perfekten (optimalen) Lautstärke. Bei 83 dB SPL nehmen unsere Ohren den Frequenzgang am gleichmäßigten (linear) wahr. So wie es uns auch die Fletschor-Munson-Kurve aufzeigt. Würden wir leiser abhören, nehmen wir weniger Bässe und Höhen wahr. Unser Master hätte dann zu viel Bass und zu viel Höhen. Würden wir noch lauter hören, schädigen wir unser Gehör.

Fletcher-Munson-Kurve bei Wiki anschauen

83 dB hören sich echt laut an!

Bedenkt bitte, dass die Kalibrierung für professionelle Midfield-Lautsprecher ausgelegt ist. Falls deine Lautsprecher nicht im Midfield, sondern im Nearfield (nah am Abhörplatz) angeordnet sind und keinen guten Headroom bieten, wirken 83 dB sehr laut. Empfehlenswert ist es dann, deinen Lautsprecher (pro Lautsprecher) auf 77 dB SPL zu kalibrieren.  Deine Lautsprecher sollten bei dieser Lautstärke zudem sehr gute Endstufen besitzen, sodass die Musik nicht verzerrt.

Bedenke außerdem, dass heutige Songs sehr komprimiert sind. Solche Songs haben insgesamt einen zu hohen Durchschnittspegel. Das kann deine Ohren auf Dauer schädigen, allein schon wegen der Ermüdung beim Hören. Dynamische Songs erreichen nur ab und zu den wahgenommenen Pegel von 83 dB SPL. Solche dynamischen Songs klingen bei dem Pegel von 83 dB SPL hervorragend und schädigen mit den gelegentlichen Ausbrüchen zum Spitzenpegel die Ohren nicht.

Fazit: Ein fester Monitorregler ist befreiend – nicht einengend

Um eine gleichbleibende Qualität beim Mastering zu erreichen, solltest du immer mit der gefühlten Lautstärke von 83 dB SPL arbeiten. Nur bei dieser Lautstärke hören wir die Frequenzen am gleichmäßigsten. Stellen wir unseren Lautstärkeregler nun auf die markierte oder die von uns bestimmte gerasterte Position, wissen wir, dass wir eine Lautstärke von 83 dB SPL hören, wenn der abgespielte Durchschnittspegel (RMS; Einheit dBVU) in der Summe der Mastering-DAW -20 FS RMS beträgt.

Ob die Musik genau einen Pegel von -20 FS RMS besitzt, zeigt uns die Pegelanzeige an. Da einige DAW-Pegelanzeigen nur den Spitzenpegel (Peak; Einheit: dBfs) anzeigen, der nur anzeigt, wie laut die Musik für das (digitale) Aufnahmesystem ist, brauchen wir noch ein weiteres Plugin, das den Durchschnittspegel (RMS; Einheit dBVU) anzeigt. Dieser gibt Auskunft, wie laut die Musik für den Zuhörer tatsächlich ist (gefühlte Lautheit). Ich nutze dafür das Plugin Brainworx bx_meter, obwohl Cubase auch den Durchschnittspegel in der Summe anzeigen kann. Allerdings kann ich so auch den RMS-Pegel in den einzelnen Kanälen prüfen und das Brainworx bx_meter zeigt mir den RMS-Pegel meiner Meinung nach optisch besser an.

Da die Musik oft nicht „nur“ einen Durchschnittspegel von -20 FS RMS hat, brauchen wir noch weitere Markierungen für den Lautstärkeregler. Dazu hat ein schlauer Mastering-Ingenieur das K-Metering erfunden. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Ein konstanter Pegel ist wichtig! Sag es weiter. Du kannst den Artikel über die Buttons, wie z.B. Facebook, oben und unten auf dieser Seite teilen. Vielen Dank!

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