Mehr als fünf Jahre nach seiner ersten Ankündigung ist es endlich so weit: Der Behringer Polyeight ist fertig und kann bestellt werden! Der achtstimmige Analogsynthesizer orientiert sich am legendären KORG PolySix, bringt aber einige interessante Verbesserungen mit. Zwei zusätzliche Stimmen, Velocity, Aftertouch, eine Modulationsmatrix und moderne Anschlüsse sollen den Vintage-Klassiker fit für heutige Musikproduktionen machen. Für 519 Euro bekommt ihr einen polyphonen Analogsynthesizer, der durchaus das Potenzial hat, für Aufsehen zu sorgen. Doch kann Behringer den besonderen Charme des Originals tatsächlich einfangen?
Behringer Polyeight: Nach fünf Jahren Wartezeit endlich bestellbar!
Es gibt Synthesizer-Ankündigungen, die man irgendwann schon fast vergessen hat. Der Behringer Polyeight gehört definitiv dazu. Bereits im April 2021 stellte der Hersteller seine Neuinterpretation des legendären KORG PolySix vor. Damals war allerdings noch nicht abzusehen, wie lange es tatsächlich dauern würde, bis aus der Ankündigung ein fertiges Instrument wird.
Jetzt ist es endlich so weit: Der Behringer Polyeight ist fertig und kann bei Thomann bestellt werden. Mit einem Preis von 519 Euro positioniert sich der Synthesizer in einem durchaus interessanten Marktsegment.
Das Vorbild ist schnell gefunden: Der KORG PolySix gehörte Anfang der 1980er-Jahre zu den beliebten polyphonen Analogsynthesizern und machte den mehrstimmigen Analogsound für deutlich mehr Musiker erschwinglich. Gerade sein charakteristischer Chorus und der warme Grundklang haben ihn zu einem Klassiker gemacht, der bis heute in zahlreichen Studios zu finden ist.
Behringer möchte genau an diese Tradition anknüpfen. Allerdings handelt es sich beim Polyeight nicht um eine vollkommen identische Kopie. Der Hersteller hat die Architektur an mehreren Stellen erweitert und dem Instrument einige Funktionen spendiert, die beim ursprünglichen PolySix noch nicht vorhanden waren.
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Acht Stimmen statt sechs: Behringer legt beim PolySix ordentlich nach

Die auffälligste Änderung steckt bereits im Namen. Während der originale KORG PolySix mit sechs Stimmen arbeitet, bietet der Behringer Polyeight acht Stimmen.
Das klingt zunächst nach einer überschaubaren Erweiterung, kann beim Spielen aber einen durchaus spürbaren Unterschied machen. Gerade bei dichten Akkorden, langen Release-Zeiten und überlappenden Noten ist zusätzliche Polyphonie willkommen.
Die grundsätzliche Klangerzeugung orientiert sich eng am historischen Vorbild. Pro Stimme steht ein analoger VCO zur Verfügung, der Sägezahn, Rechteck und eine variable Pulswelle erzeugt. Dazu kommt ein Suboszillator, der wahlweise eine oder zwei Oktaven unterhalb des Hauptoszillators arbeitet.
Eine weitere Ergänzung ist der Rauschgenerator. Diesen gab es beim ursprünglichen PolySix nicht. Damit lassen sich zusätzliche Klangfarben erzeugen, die beispielsweise für perkussive Sounds, atmosphärische Flächen oder geräuschbasierte Effekte interessant sein können.
Die Kombination aus klassischer analoger Klangerzeugung und zusätzlichen Möglichkeiten dürfte den Polyeight für Fans traditioneller Synthesizer-Klänge interessant machen. Besonders spannend wird sein, wie nah Behringer den charakteristischen Klang des Originals tatsächlich getroffen hat.
Das Filter: Klassischer 2044-Sound für fette Analogsounds
Auch beim Filter orientiert sich Behringer am Vorbild. Zum Einsatz kommt ein Nachbau des klassischen 2044-Chips, der für seinen charakteristischen Klang und seine resonanzfähigen Filtereigenschaften bekannt ist.
Gerade bei einem Synthesizer, der sich so stark an einem Vintage-Klassiker orientiert, ist dieser Bereich entscheidend. Schließlich entsteht ein großer Teil des typischen PolySix-Charakters nicht allein durch die Oszillatoren, sondern auch durch das Zusammenspiel aus Filter, Hüllkurve und den integrierten Effekten.
Zur Modulation stehen ein ADSR-Hüllkurvengenerator und ein LFO zur Verfügung. Dieser bietet die Schwingungsformen Sägezahn, Dreieck und Rechteck.
Eine interessante Erweiterung ist die Modulationsmatrix mit acht Slots. Damit lassen sich unterschiedliche Modulationsquellen flexibler auf verschiedene Ziele routen. Das eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für bewegte Sounds und komplexere Klangverläufe.
Gerade hier zeigt sich, dass Behringer nicht einfach nur das historische Bedienkonzept kopieren wollte. Der Polyeight soll den Charakter des Originals bewahren, gleichzeitig aber mehr Spielraum für moderne Sounddesigner bieten.
Chorus, Phaser und Ensemble: Die Effekte gehören zum Charakter
Wer den KORG PolySix kennt, weiß, dass seine Effekte einen wichtigen Anteil am typischen Klangbild haben. Besonders der integrierte Chorus gehört zu den Eigenschaften, die den Synthesizer bis heute so beliebt machen.
Auch beim Behringer Polyeight gibt es eine integrierte Effekteinheit. Diese basiert auf einer analogen Eimerkettenschaltung und bietet Chorus, Phaser und Ensemble.
Das ist eine interessante Entscheidung, denn gerade solche Effekte können einem vergleichsweise einfachen Synthesizer eine enorme klangliche Tiefe verleihen. Aus einem einzelnen Oszillator entstehen dadurch breite Flächen, schwebende Klanglandschaften und typische Vintage-Sounds.
Besonders für klassische Synth-Pop-, Wave- und elektronische Musik dürfte diese Kombination interessant sein. Wer den Sound der frühen 1980er-Jahre mag, bekommt hier eine Ausstattung, die genau in diese Richtung zielt.
Zusätzlich verfügt der Polyeight über einen flexiblen Arpeggiator. Damit lassen sich aus gespielten Akkorden rhythmische Sequenzen erzeugen, die sich hervorragend für elektronische Musikproduktionen eignen.
Velocity und Aftertouch: Der Polyeight kann mehr als das Original
Eine der sinnvollsten Erweiterungen betrifft die Tastatur. Der Behringer Polyeight besitzt 49 Tasten und bietet sowohl Anschlagdynamik (Velocity) als auch Aftertouch.
Das ursprüngliche Vorbild war in dieser Hinsicht deutlich einfacher ausgestattet. Behringer bringt damit zwei Ausdrucksmöglichkeiten ins Spiel, die gerade bei modernen Produktionen kaum noch wegzudenken sind.
Velocity ermöglicht eine dynamische Steuerung des Sounds abhängig von der Anschlagstärke. Aftertouch kann zusätzliche Modulationen auslösen, wenn eine Taste nach dem Anschlag weiter gedrückt wird.
Damit lässt sich ein Sound während des Spielens deutlich lebendiger gestalten. Denkbar sind beispielsweise Veränderungen der Filterintensität, der LFO-Stärke oder anderer Modulationsparameter.
Besonders erfreulich ist, dass Behringer nicht nur die technischen Eigenschaften des Originals übernimmt, sondern das Instrument auch an die Spielgewohnheiten heutiger Keyboarder anpasst.
Allerdings bleibt abzuwarten, wie komfortabel sich die entsprechenden Zuweisungen im praktischen Einsatz gestalten. Eine Modulationsmatrix ist dafür grundsätzlich eine gute Grundlage.
Double-Modus und Unison: Mehr Möglichkeiten für fette Sounds
Auch bei den Spielmodi hat Behringer einige interessante Ergänzungen vorgenommen.
Neben dem klassischen polyphonen Betrieb bietet der Polyeight einen achtfachen Unison-Modus. Dabei werden mehrere Stimmen gleichzeitig für eine gespielte Note verwendet. Das eignet sich besonders für druckvolle Leads und breite Synthesizer-Sounds.
Hinzu kommt Chord Memory, mit dem sich gespeicherte Akkordstrukturen mit einzelnen Tasten abrufen lassen.
Besonders interessant ist der Double-Modus. Damit können zwei unterschiedliche Sounds gleichzeitig gespielt werden. Die verfügbare Polyphonie reduziert sich dabei auf vier Stimmen pro Sound.
Allerdings gibt es eine Einschränkung: Beide Sounds werden übereinandergeschichtet. Eine echte Split-Funktion, bei der beispielsweise links ein Bass und rechts ein Lead-Sound gespielt werden kann, ist offenbar nicht vorgesehen.
Das ist etwas schade, denn gerade bei einem Keyboard mit 49 Tasten wäre eine solche Funktion eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Trotzdem erweitert der Double-Modus die klanglichen Möglichkeiten deutlich und macht den Polyeight vielseitiger.
MIDI und USB: Vintage-Synthesizer mit moderner Studioanbindung
Natürlich darf bei einem aktuellen Synthesizer auch die Integration in moderne Produktionsumgebungen nicht fehlen. Der Behringer Polyeight bietet deshalb MIDI und USB.
Damit lässt sich das Instrument sowohl in klassische MIDI-Setups als auch in moderne DAW-Umgebungen einbinden.
Gerade für Homestudios ist das wichtig. Schließlich soll ein Analogsynthesizer heute nicht nur als eigenständiges Instrument funktionieren, sondern möglichst unkompliziert mit dem Computer, anderen Synthesizern und externen Sequencern zusammenspielen.
Die Kombination aus analoger Klangerzeugung und moderner Steuerungsmöglichkeit macht den Polyeight deshalb auch für Produzenten interessant, die überwiegend innerhalb einer DAW arbeiten.
Behringer Polyeight gegen KORG PolySix: Ist der Klon besser als das Original?
Natürlich stellt sich bei einem solchen Instrument die Frage, ob der Behringer Polyeight tatsächlich eine Alternative zum historischen KORG PolySix ist.
Auf dem Papier bietet Behringer einige Vorteile. Acht statt sechs Stimmen, Velocity, Aftertouch, eine Modulationsmatrix, ein zusätzlicher Rauschgenerator und moderne Anschlüsse sprechen für die Neuinterpretation.
Allerdings sollte man einen Vintage-Klassiker nicht ausschließlich anhand seiner technischen Ausstattung beurteilen. Der PolySix hat sich nicht ohne Grund über Jahrzehnte gehalten. Sein Klangcharakter, die Bedienung und die musikalische Direktheit machen einen großen Teil seiner Faszination aus.
Genau hier muss sich der Polyeight erst noch beweisen. Eine ähnliche Architektur bedeutet nicht automatisch, dass beide Instrumente identisch klingen oder sich beim Spielen gleich anfühlen.
Ich finde den Ansatz von Behringer trotzdem überzeugend. Statt nur einen möglichst günstigen Nachbau zu präsentieren, hat der Hersteller einige sinnvolle Verbesserungen integriert. Besonders die zusätzlichen Stimmen und die Ausdrucksmöglichkeiten über Velocity und Aftertouch sind ein echter Mehrwert.
Ob der Polyeight damit auch klanglich an den Klassiker herankommt, muss ein ausführlicher Test zeigen.
Behringer Polyeight: Preis und Verfügbarkeit

Der Behringer Polyeight ist ab sofort bei Thomann bestellbar.
Der Preis liegt bei 519 Euro. Damit bewegt sich der achtstimmige Analogsynthesizer in einem interessanten Bereich für alle, die einen polyphonen Vintage-inspirierten Sound suchen, ohne dafür ein historisches Original kaufen zu müssen.
Produkt: Behringer Polyeight
Preis: 519 Euro
Polyphonie: 8 Stimmen
Klangerzeugung: Analog, ein VCO pro Stimme
Filter: Nachbau des klassischen 2044-Chips
Tastatur: 49 Tasten mit Velocity und Aftertouch
Effekte: Chorus, Phaser und Ensemble
Anschlüsse und Steuerung: MIDI und USB
Behringer Polyeight bei Thomann anschauen.*
Fazit: Behringer Polyeight könnte der PolySix sein, auf den viele gewartet haben
Nach mehr als fünf Jahren Wartezeit ist der Behringer Polyeight endlich Realität. Und das Ergebnis klingt auf dem Papier durchaus vielversprechend. Behringer übernimmt die grundlegende Architektur des legendären KORG PolySix, erweitert sie aber an entscheidenden Stellen und macht daraus einen modernen achtstimmigen Analogsynthesizer.
Besonders die zusätzlichen Stimmen, die Modulationsmatrix und die Tastatur mit Velocity und Aftertouch gefallen mir. Dazu kommen der analoge Effektbereich mit Chorus, Phaser und Ensemble sowie moderne Anschlüsse für die Integration ins Studio.
Behringer Polyeight bei Thomann anschauen.*
Natürlich bleibt die entscheidende Frage, ob der Polyeight auch klanglich das besondere Flair des Originals einfängt. Gerade bei einem Synthesizer mit einer so großen Geschichte reicht es nicht, einfach die technischen Daten zu verbessern. Der Charakter muss stimmen.
Mit 519 Euro ist das Angebot dennoch ausgesprochen interessant. Wer den klassischen PolySix-Sound liebt, aber lieber ein neues Instrument mit moderner Ausstattung spielen möchte, sollte den Behringer Polyeight definitiv im Auge behalten.
Für mich ist das jedenfalls eine der spannendsten Wiederbelebungen aus Behringers großer Vintage-Synthesizer-Offensive. Jetzt muss das Instrument nur noch im Praxistest zeigen, was wirklich in ihm steckt.


























