AutoTune Advanced: Was dieses neue AutoTune plötzlich mit Vibrato macht, ist spannend

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AutoTune Advanced. Quelle: Antares

Antares stellt mit AutoTune Advanced die neue Speerspitze seiner Vocal-Tuning-Software vor. Der entscheidende Unterschied steckt dabei nicht nur in einer überarbeiteten Tonhöhenkorrektur, sondern in der neuen DVA-Engine: Sie soll das natürliche Vibrato einer Stimme erkennen und während der Korrektur erhalten. Damit könnte AutoTune genau an einer Stelle deutlich besser werden, an der starkes Vocal-Tuning bisher schnell künstlich wirken kann.

Was macht AutoTune Advanced so besonders?

AutoTune gehört zu den bekanntesten Werkzeugen für Vocal-Tuning. Dabei ist die Aufgabe auf den ersten Blick ziemlich einfach: Eine gesungene Note liegt etwas zu hoch oder zu tief und soll korrigiert werden. In der Praxis ist das allerdings komplizierter, denn eine Stimme besteht nicht nur aus einzelnen, exakt messbaren Tonhöhen. Gerade das natürliche Vibrato, kleine Bewegungen innerhalb eines Tons und der individuelle Charakter einer Stimme machen eine Performance lebendig.

Genau hier setzt AutoTune Advanced an. Antares hat das Plugin nach eigenen Angaben algorithmisch von Grund auf überarbeitet und mit der neuen DVA-Vibrato-Engine ausgestattet. DVA soll erkennen, welche Tonhöhenbewegungen zum natürlichen Vibrato des Sängers gehören, und diese während der Korrektur erhalten. Selbst bei stärkerer Tonhöhenkorrektur soll die Stimme dadurch ihre organische Bewegung behalten.

Das ist tatsächlich ein interessanter Ansatz. Denn bisher war bei stärkerem Tuning häufig ein Zielkonflikt vorhanden: Je konsequenter die Tonhöhe korrigiert wird, desto größer kann die Gefahr werden, dass auch gewollte Bewegungen der Stimme geglättet werden. AutoTune Advanced versucht, genau diese beiden Dinge voneinander zu trennen.

Antares AutoTune Advanced bei Thomann anschauen.*

AutoTune korrigiert die Note – aber lässt das Vibrato leben

AutoTune Advanced präsentiert sich mit einer deutlich umfangreicheren Oberfläche, die weit über klassische Tonhöhenkorrektur hinausgeht. Im Mittelpunkt steht die neue DVA-Engine, die das natürliche Vibrato einer Stimme erkennen und während des Tunings erhalten soll. Besonders spannend ist der Vibrato-Visualizer, der die erkannten Tonhöhenbewegungen direkt sichtbar macht. So bekommt man nicht nur mehr Kontrolle über die Stimme, sondern kann auch nachvollziehen, wie AutoTune Advanced tatsächlich in die Performance eingreift. Quelle: Antares

Die neue DVA-Engine ist deshalb der eigentliche Star von AutoTune Advanced. Sie analysiert die natürliche Bewegung der Stimme und kann das erkannte Vibrato anschließend gezielt behandeln. Mit Preserve lässt sich das natürliche Vibrato erhalten, während es sich außerdem abschwächen oder verstärken lässt. Antares stellt dafür entsprechende Vibrato-Kontrollen und eine visuelle Darstellung bereit.

Interessant wird das besonders bei Vocals, die relativ stark korrigiert werden müssen. Ein Sänger kann beispielsweise leicht neben der Tonhöhe liegen, gleichzeitig aber ein charakteristisches Vibrato besitzen, das unbedingt zur Performance gehört. Statt die komplette Bewegung um die Zielnote herum glattzubügeln, soll DVA genau diese Eigenheit erkennen und bewahren.

Damit verschiebt sich auch die Rolle von AutoTune ein Stück weit. Das Plugin ist nicht mehr nur ein Werkzeug, das falsche Töne möglichst schnell auf die richtige Tonhöhe schiebt. Es soll stärker zwischen „falsch“ und „ausdrucksstark“ unterscheiden können.

Und wenn gar kein Vibrato vorhanden ist?

Antares geht sogar noch einen Schritt weiter. Mit Vibrato FX lässt sich künstliches Vibrato erzeugen, wenn eine Stimme von sich aus keines besitzt. Dafür stehen verschiedene Wellenformen zur Verfügung, darunter Sinus, Rechteck, Sägezahn und Dreieck. Rate und Intensität können angepasst werden.

Das macht die Funktion auch für kreative Vocal-Produktion interessant. Das Vibrato muss also nicht lediglich erhalten bleiben – es kann auch bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt werden.

Gerade hier dürfte sich zeigen, dass AutoTune Advanced nicht ausschließlich als „Reparaturwerkzeug“ gedacht ist. Antares verbindet die klassische Tonhöhenkorrektur mit Möglichkeiten, den Charakter einer Stimme gezielt zu verändern.

Ein Vibrato-Visualizer zeigt, was AutoTune erkennt

Praktisch ist dabei der neue Vibrato-Visualizer. Er zeigt, welche Vibrato-Bewegungen die DVA-Engine im Eingangssignal erkennt. Dadurch bekommt der Anwender erstmals eine visuelle Rückmeldung darüber, was das Plugin eigentlich als Vibrato interpretiert.

Das klingt zunächst nach einer kleinen Komfortfunktion, kann beim Einstellen aber einen großen Unterschied machen. Gerade bei Vocal-Tuning ist es nicht immer leicht zu hören, ob eine Veränderung tatsächlich die Tonhöhe korrigiert oder bereits den Ausdruck der Stimme verändert. Eine visuelle Darstellung kann hier helfen, die Einstellungen gezielter vorzunehmen.

Drei Modi für unterschiedliche Situationen

AutoTune Advanced ist außerdem nicht ausschließlich auf das klassische Mixing ausgelegt. Antares integriert drei unterschiedliche Latenzmodi: Live, Low Latency und High Quality.

Besonders interessant ist der neue Live-Modus. Laut Antares liegt die Latenz hier bei unter 1 Millisekunde, und zwar bei Sampleraten von 44,1 bis 192 kHz. Damit soll sich korrigierter Gesang auch während einer Performance oder beim Recording praktisch ohne wahrnehmbare Verzögerung abhören lassen.

Für das normale Recording steht Low Latency zur Verfügung, während High Quality für die finale Bearbeitung beziehungsweise das Bouncen gedacht ist. Damit deckt AutoTune Advanced unterschiedliche Situationen ab, ohne dass man für die Aufnahme und den späteren Mix mit unterschiedlichen Plugins arbeiten muss.

Auch die Stimme selbst lässt sich formen

Neben der Tonhöhe und dem Vibrato bietet Advanced einen überarbeiteten Formant Designer. Damit lassen sich unter anderem Formant und Transposition verändern. Antares gibt für beide Parameter einen Bereich von ±12 Halbtönen an.

Das ist ein Bereich, in dem aus einer reinen Korrektur schnell Sounddesign werden kann. Die Tonhöhe einer Stimme zu verändern ist eine Sache – ihren wahrgenommenen Charakter zu verändern, ohne einfach nur alles höher oder tiefer zu machen, eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten.

Wer beispielsweise verschiedene Vocal-Charaktere aus einer Aufnahme erzeugen möchte, bekommt mit Transpose und Formant entsprechende Werkzeuge direkt in AutoTune Advanced.

78 Tasten statt einer kleinen Tonleiter-Auswahl

Auch beim Festlegen der Zielnoten hat Antares das Konzept erweitert. Das Plugin bietet eine 78-Tasten-Visual-Keyboard, über die einzelne Noten gezielt angesprochen werden können. Dazu kommen Funktionen wie Note Bypass, Octave Sync und MIDI Perform.

Mit MIDI Perform kann ein MIDI-Controller außerdem als Steueroberfläche für die Tonhöhenkorrektur verwendet werden. Das eröffnet insbesondere bei Live-Anwendungen und kreativer Vocal-Produktion weitere Möglichkeiten, weil sich die Zielnoten während der Performance vorgeben beziehungsweise steuern lassen.

Modern oder klassisch?

Trotz der vielen Neuerungen bleibt der bekannte Classic Mode erhalten. Wer den charakteristischen, deutlich hörbaren AutoTune-Effekt sucht, muss sich also nicht von der neuen Ausrichtung verabschieden. Gleichzeitig steht der Modern Mode für eine transparentere und natürlichere Tonhöhenkorrektur zur Verfügung.

Das ist eine wichtige Unterscheidung, denn AutoTune ist längst nicht mehr nur ein Werkzeug für möglichst unauffällige Korrekturen. Der typische harte AutoTune-Sound ist selbst zu einem festen Bestandteil moderner Musikproduktion geworden.

AutoTune Advanced versucht deshalb offenbar beides abzudecken: unauffällige Korrektur, wenn sie niemand hören soll, und bewusst hörbares Tuning, wenn genau dieser Effekt gewünscht ist.

AutoTune Advanced ist nicht einfach nur ein größeres AutoTune

Im Vergleich zum aktuellen AutoTune wird der Unterschied besonders deutlich. Beide Produkte teilen sich grundlegende Funktionen wie Retune Speed, Humanize, Flex Tune, Key & Scale und Vocal Range. Advanced ergänzt diese Basis jedoch unter anderem um die DVA-Vibrato-Engine, Vibrato FX, den Live-Modus mit unter 1 ms Latenz, das 78-Tasten-Keyboard, MIDI Perform und den Formant Designer.

Damit richtet sich Advanced stärker an Anwender, die beim Vocal-Tuning nicht nur einen Knopf drücken möchten. Wer gezielt entscheiden will, wie stark eine Stimme korrigiert wird, welches Vibrato erhalten bleibt und wie sich der Charakter der Stimme verändert, bekommt deutlich mehr Kontrolle.

Für einfache und schnelle Tonhöhenkorrekturen bleibt das reguläre AutoTune die schlankere Variante. Advanced geht dagegen deutlich stärker in Richtung kontrollierbares Vocal-Design.

Mein Eindruck: Genau hier wird AutoTune spannend

Die interessanteste Neuerung von AutoTune Advanced ist für mich deshalb tatsächlich das Vibrato. Nicht weil die Software plötzlich Vibrato erzeugen kann – das ist für sich genommen nichts Revolutionäres. Spannend ist vielmehr der Versuch, Tonhöhenkorrektur und den natürlichen Ausdruck einer Stimme voneinander zu trennen.

Denn genau das ist beim Vocal-Tuning die Kunst. Ein Sänger darf nach der Bearbeitung sauberer intonieren, sollte aber nicht plötzlich seine persönliche Art zu singen verlieren. Wenn DVA tatsächlich zuverlässig erkennt, welche Tonhöhenbewegungen zum natürlichen Vibrato gehören, könnte das gerade bei stärkerer Korrektur einen hörbaren Unterschied machen.

Antares positioniert AutoTune Advanced entsprechend als neues Flaggschiff für automatische Tonhöhenkorrektur. Die Software verbindet eine überarbeitete Korrektur-Engine mit DVA, Vibrato-Kontrolle, Formant-Bearbeitung und einem extrem schnellen Live-Modus.

Und genau deshalb ist dieses neue AutoTune interessanter, als es auf den ersten Blick aussieht: Es will Vocals nicht einfach nur richtig stimmen, sondern dabei möglichst viel von dem erhalten, was eine Stimme überhaupt erst menschlich macht.

Preis und Verfügbarkeit

Antares AutoTune Advanced bei Thomann anschauen.*

AutoTune Advanced läuft auf macOS und Windows und wird als Plugin für gängige DAW-Umgebungen angeboten. Antares bietet das Produkt sowohl zum Kauf als auch über seine entsprechenden Abomodelle an; außerdem gibt es eine kostenlose Testmöglichkeit über AutoTune Unlimited.

Für Vocal-Produzenten dürfte vor allem die Kombination aus DVA, Vibrato-Kontrolle, Formant Designer und dem neuen Live-Modus interessant sein. Wer dagegen lediglich schnell ein paar schiefe Töne korrigieren möchte, dürfte die zusätzlichen Möglichkeiten von Advanced nicht unbedingt benötigen.

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