Interview mit Florian Sitzmann – Tipps für das Songwriting und mehr

0

Florian Sitzmann ist ein sehr sympathischer und erfolgreicher Musiker. Ihm wurden Auszeichnungen, wie z.B. goldene Schallplatten, den „ECHO“, den „Radio Regenbogen-Award“ und Platin-Awards, verliehen. Zudem ist er Professor an der Popakademie Mannheim im spannenden Bereich Popmusikproduktion. Besonders bekannt ist er durch seine Tätigkeit als Keyboarder bei der Band Söhne Mannheims.

Außerdem war er für bekannte Größen, wie z.B. Nena, Sasha, Xavier Naidoo, Nino de Angelo, Dieter Falk oder Christina Stürmer, tätig. Im folgenden Interview gibt er wirklich ausführliche und sehr hilfreiche Tipps, wie man z.B.

– beim Songwriting produktiv und kreativ bleibt,

– einen Songtext schreiben oder

– bekannter werden könnte.

Und nun viel Spaß beim Einsaugen der Tipps:

Florian, stell‘ dich doch bitte kurz den Lesern vor. Wie hat deine Karriere als Songwriter und Produzent angefangen?

Florian: Ich hatte das Glück, in der 80er Jahren anzufangen. Das ist eine vollkommen andere Zeit gewesen, als sie heute war. Der Einstieg war nicht irre schwer. Ich war gerade dabei, klassisches Piano und klassische Musik zu studieren.

Jedoch hatte ich das Gefühl, dass es mir immer zu wenig ist, weil ich unglaublich gerne komponieren und arrangieren möchte und weil ich lebendige Musik machen möchte – nicht nur welche pflegen, die es schon ewig lange gibt. Und ich habe mich auch schon damals für technische Dinge interessiert.

Deswegen habe ich mich mit Keyboard und Computer umgebene; habe angefangen, Pop-Musik zu machen und habe Demos und Tonträger von meiner Amateurband produziert.

Die waren offenbar so gut, dass Leute auf mich aufmerksam wurden, die in anderen Tonstudio- und Produktionsbereichen tätig waren und mich gleich gefragt hatten, ob ich nicht mal für sie arrangieren und aufnehmen oder eine Produktion mitbetreuen oder komplett betreuen könnte.

So bin ich relativ schnell ans Produzieren gekommen. Man konnte damals relativ wenig Wissen über Musikproduktion oder Songwriting irgendwo abfragen. Es gab 1, 2 wenige Magazine, die man bestellen konnte. Ich bin dienstälteren Produzente sehr dankbar, dass sie mir damals erlaubt haben, ab und zu bei ihnen im Studio zuzugucken, wie sie arbeiten und was da eigentlich gemacht wird. Es gab ja kein Homerecording oder nur ganz, ganz wenig.

Man konnte das alles nur im professionellen Studio lernen. Ich hatte das Glück, bei der Arbeit von richtig tollen Leuten zuschauen zu dürfen. Ich habe immer mehr Menschen kennenlernen dürfen, mit denen es gut harmoniert hat. So war ich schon während meines Studiums ungefähr zur Hälfte eigentlich als Musikproduzent und Songwriter tätig.

Wie ist der Kontakt zu Nena entstanden?

Florian: Das war in der Anfangs- und Gründungsphase der Söhne Mannheims, ungefähr um das Jahr 2000 herum, als wir gerade mehrere Hitsingles im Radio hatten und das alles extrem „losgekocht“ ist in Mannheim.

Zum selben Zeitpunkt hatte Nena und ihr Management das Gefühl, es wäre gut, wenn sie ihre Songwriting- und Producing-Pfade mal verlassen und sich mal eine ganz neue Situation stellen würden.

Sie sollte Musik machen, wie sie damals auch jüngere und angesagte Leute gemacht haben, die aus den Bereichen HipHop, RnB und Soul kommen. Dann ist sie mit den Söhnen Mannheims in Kontakt getreten.

Florian Sitzmann. Ein talentierter Musiker mit einer beeindruckenden Erfahrung.

Dort war ich einer der wenigen gewesen, die sich mit Musikproduktion überhaupt auskannten. Wir haben uns getroffen, ohne zu wissen, was daraus überhaupt werden könnte und einfach angefangen, Songs zu schreiben. Es hat sich herausgestellt, dass diese Kombi musikalisch ziemlich explosiv war. Das war nicht das, was ihre Fans erwartet haben.

Daher war das Album auch mäßig erfolgreich. Es war aber ein ganz guter Türöffner für ein Comeback und Türöffner für die Entwicklung, die sie später gemacht hat.

Wir hatten den ganzen Sommer eine super Zeit gehabt und ein relativ schönes Album aufgenommen.

Wie gehst du beim Songwriting für einen Künstler vor? Wie fängst du an? Hörst du dir vorher seine Alben intensiv an? Hast du einen bestimmten Workflow?

Florian: Ich glaube, jeder hat einen bestimmten Workflow, aber ich versuche je nach Künstler meinen Workflow extrem zu diversifizieren und sehr individuell anzupassen. Ob ich mir die Dinge, die jemand vorher gemacht hat, intensiv anhöre oder es versuche, das gerade zu vermeiden, hängt sehr von der Situation ab und der Motivation, warum man jetzt eigentlich zusammenarbeitet.

Wenn das, was jemand vorher gemacht hat, sehr relevant ist für das, was jetzt folgen soll und es da jetzt irgendeine Fortsetzung oder Ergänzung geben soll, höre ich mir selbstverständlich sehr intensiv an, was jemand vorher gemacht hat. Das muss man dann einfach kennen.

Übrigens höre ich mir das auch an, wenn etwas Neues oder ganz Anderes passieren soll. Einfach um festzustellen, warum und wie eine bestimmte Stimme und ein Künstler in den Sachen funktioniert, die er oder sie bereits gemacht hat.

Danach ist es relativ individuell, wie man weiterarbeitet. Ich versuche, die Künstler in die Songwriter-Arbeit zu integrieren. Aber es gibt Künstler, die sind tolle Songwriter und es gibt andere, die lassen sich lieber etwas schreiben. Oder die liefern ein Thema, Gedanken, Plot oder Prämisse für das ab, was sie machen oder sagen möchten. Was daraus letztendlich werden soll, überlassen sie auch ganz gerne anderen.

Manchmal fange ich mit einem Template (Vorlage) in meiner DAW an, so wie es ganz viele machen. Manchmal schreibe ich Songs komplett im Kopf. Oder wirklich nur auf dem Papier. Ich mache mir dann Notizen, wie das melodisch werden könnte, aber ich produziere da nicht einen vollen Song aus. Wenn man das Gefühl hat, im Kopf stimmt der Song, dann kann man den Song oder Teile davon in der DAW sehr schnell programmieren oder aufnehmen.

Das sind jetzt zwei völlig unterschiedliche Ansätze. Welchen Ansatz ich wähle, hängt davon ab, wie der Künstler das handhaben kann. Ob er/sie damit klar kommt, dass Sachen erst nur im Kopf geschrieben werden und es dann später ein Demo wird. Oder ob bei ihm/ihr nur dann eine Inspiration entsteht, wenn da irgendein Groove läuft. Das ist wirklich sehr unterschiedlich.

Hast du Tipps, um beim Songwriting produktiv zu sein?

Florian: Tipps, um beim Songwriting produktiv zu sein, gibt‘s natürlich „1 Million“. Ich würde mal 2 rausgreifen, die mir persönlich wichtig wären.

  1. Wenn man zu mehreren schreibt, wäre es wichtig, dass nicht zu viele Leute im Raum sind. Wir sehen das heute oft, dass an einem Song 7 Songwriter beteiligt sind. Das darf man sich aber nicht so vorstellen, dass die dann immer alle in einem Raum sitzen und zusammen „hirnen“, wie der Song gehen könnte. Sondern es ist oft so, dass eigentlich nur 2 oder 3 zusammen sind, die möglichst ein ausgeglichenes Team sein sollten.

    Also wo jemand wirklich eher Ahnung hat vom Texten und ein anderer hat eher Ahnung vom Demo-tracking. Ein weiterer hat vielleicht eher Ahnung von einer guten Topline oder von dem ganzen musikalischen environment, in dem wir jetzt gerade stehen. Und damit hat man eigentlich schon fast alles, was man braucht. Natürlich geht das auch zu viert, aber wenn es viel mehr Leute werden, kann es wirklich passieren, dass man sich eher gegenseitig blockiert als hilft.

    Man kann auch, wenn man zu mehreren im Raum ist, an bestimmten Stellen Kopfhörer verwenden, sodass Leute ganz frei denken können und nicht die ganze Zeit von ein und demselben Beat totgebrüllt werden, an dem jemand gerade schraubt. Die Möglichkeit, alle temporär zu trennen und dann wieder zusammen zu holen, wird oft nicht bedacht.

  2. Ansonsten fände ich auch noch einen ganz guten Tipp, dass man versucht, bewusst zu unterscheiden und auch bewusst zu entscheiden, an welchen Stellen im Songwriting-Prozess es jetzt so etwas wie einen Workflow oder ein richtiger Flow wichtig ist und wo die Detailarbeit wichtig ist.

    Wenn man jetzt wirklich so Demos macht oder auch einen Text schreiben will, sodass der halt total genau trifft und richtig super zwischen die Augen zielt, dann sollte man die Detailarbeit machen können. Das heißt, mal wirklich an einer Zeile lange „hirnen“ und forschen können. Aber das darf nicht den ganzen Writing-Prozess ausmachen. Man muss dann auch Phasen haben, wo so was wie ein Fluss entsteht.

    Ein Workflow, wo es einfach fließt, wo man auch mal halb gute Zeilen oder nicht ganz so ein toll ausgearbeiteten Beat rollen lässt, damit man einfach in einem Fluss ist, weil durch das Sprudeln kommen ganz oft auch richtig tolle Ideen.

    Wenn man das nicht zulässt, sondern jede Zeile, jede Snare, die man irgendwo reinpackt, 30-fach noch mal überdenkt, dann dauert der Prozess zu lange, die Freude und Energie geht raus und es kommen auch keine so richtig tollen Ideen mehr. Also hier abwechseln und bewusst sein.

Hast du Techniken, um beim Songwriting kreativ zu bleiben?

Florian: Es gibt natürlich auch hier sehr viele. Ich würde mal 2 rausgreifen.

  1. Das eine wäre im Bereich der Texte, dass man mit Mindmaps arbeitet oder zumindest mit Sammlungen. Ob es jetzt eine Mindmap sein muss, sei mal dahingestellt. Aber es ist ja ganz oft so, dass ein Text ein Thema herauskristallisiert.

    Und obwohl wir jetzt nicht wie beim Deutschaufsatz super konsequent immer alles in Thema halten müssen, ist es trotzdem wichtig, dass wir unter Umständen bei dem Thema bestimmte Dinge und Assoziationen aufmachen, auf die wir, wenn wir so richtig im Workflow sind, mit Reim und Rhythmus vielleicht gar nicht mehr draufkommen würden.

    Also z.B. Thema „Verlassen werden“ – das ist ja ganz oft ein Songthema. Dazu könnte man sich erst einmal ein paar Begriffe aufschreiben und ein paar Gedankenfelder, was da alles dazugehört und was dazugehören könnte und dann kann man die Hälfte davon rausstreichen und sagen ja, das muss jetzt nicht unbedingt in unserem Song rein, aber auf den und den Aspekt wäre man vielleicht gar nicht gekommen, wenn man schon direkt am Texten wäre.

  2. Bei der Musik mache ich es oft so, dass ich mir vorher 2-3 Playlisten zurechtlege, wenn schon klar ist, wohin es gehen soll und wie Songs eigentlich werden sollen. Und zwar eine Playlist, die mögliche Modelle darstellt, in dem man Songs akkumuliert, die man immer wieder als Referenz herannehmen kann oder vielleicht auch nur als Inspiration für einen bestimmten Teil des Songschreibens oder des Arrangements.

    Und dann noch eine „Gegenteil-Playlist“. Eine, die ein auf positiver Art und Weise stört und aus den Routinen rauswirft. Das wären dann eben z.B. Songs, die vielleicht viel wilder sind als das, was man jetzt gerade schreiben will. Oder die viel ruhiger sind als das, worum es gerade geht. Einfach damit man sein Gedankenkonzept so ein bisschen konterkarieren kann mit anderen Dinge, die es schon gibt.

    Wenn man nämlich das Gefühl beim Produzieren oder Schreiben bekommt, das wird jetzt alles ein bisschen zu brav und zu luschig, dann braucht man vielleicht eine „Aggro-Playlist“, damit man mal in ein paar Tracks hereinhört.

    Und wenn man das Gefühl hat, das klingt alles zu überaktiv und es ist alles zu heftig, was man so produziert, dann hilft auf jeden Fall eine „Bring-mich-runter-Playlist“.

Wie bekommst du Aufträge von Künstlern? Ausschließlich durch ein gutes Netzwerk?

Florian: Die Antwort lautet einigermaßen anachronistisch. Natürlich gibt es 1000 Tools mit denen wir uns heute präsentieren und verknüpfen können. Man kann viel leichter für sich selbst Werbung machen, durch Social Media, Internetauftritte, Spotify for Artists/Sound Better, Fiverr und all diese Dinge. Und angeblich sagen Leute, das bringt auch was.

Bei mir bringt das alles überhaupt nichts. Ich habe Gott sei Dank sehr viel zu tun – auch jetzt in der Corona-Phase. Alles läuft und lief über persönliche Kontakte und vielleicht sogar Kontakte, die noch um eine Ecke weitergehen. Wo jemand mich weiterempfiehlt an jemanden, den ich vielleicht noch nicht kenne oder umgekehrt und die mich dann anfragen.

Der Effekt von Social Media ist bestimmt da. Vielleicht wäre der auch messbar. Gleichzeitig ist es aber auch tatsächlich so, dass eine bestimmte Menge von Menschen, die gerne mit mir aus bestimmten Gründen zusammenarbeiten, eigentlich die Voraussetzung und auch der Weg dafür ist, dass ich viel zu tun habe.

Also ja, es ist tatsächlich einfach das Network, das man hat und der große Kreis an ähnlich gesinnten, denkenden und fühlenden Mitmusikern.

Das sehr schöne Musikstudio von Florian.

Hast du Tipps für einen Service, bei dem man selber, ohne ein Label zu haben, seine Songs in allen gängigen Streaming-Dienste präsentieren kann?

Florian: Ich muss ganz offen zugeben, dass ich jetzt nicht den Überblick habe. Ich kann hier keine Kauf- oder Dienstleistungsberatung an dieser Stelle machen. Ich kann aber sagen, dass ich selbst  persönlich hervorragend Erfahrung mit recordJet gemacht habe, die meines Erachtens ein faires System haben und die sehr gut funktionieren.

Man liest vielleicht doch manchmal anderes, aber für mich war das immer so, dass insbesondere der Support und der Kontakt sehr gut funktioniert haben und ich hatte immer das Gefühl, ich habe da einen Partner auf der Seite – nicht jemand, der die Sachen schwierig macht, sondern jemand, der die Sachen leicht macht. Kann ich also empfehlen.

Welche Tipps kannst du neuen Bands auf den Weg geben, um bekannter zu werden?

Florian: Auch wieder etwas Anachronistisches: nämlich live spielen. Was leider in der Corona-Zeit fast unmöglich ist. Stellt euch aber am besten trotzdem darauf ein, dass das live Spielen einfach ein guter Weg ist, um stark, stabil und konsolidiert und schließlich auch bekannter zu werden.

Es ist halt nur eine lange Reise. Man muss relativ viel spielen, damit so ein positiver Auftrieb dabei entsteht und das es wirklich dazu führt, dass aus wenigen Hits eines Tages mehr Hits werden. Also von daher durchaus auch mal Dinge machen, die vielleicht nicht super lukrativ aussehen, sondern möglichst viel spielen.

Ansonsten wäre es wichtig, dass man ein Team wird. Nicht nur innerhalb der Band, sondern dass man auch Leute außerhalb der Band in dieses Team reinholt und -motiviert. Meistens findet man die im privaten Umfeld. Und sobald man mal  gespielt hat und Leute auch wirklich zu echten Fans werden, gibt es da auch welche, die Unterstützung bieten können, die man eventuell auch mal in ein Team reinbitten könnte.

Denn die Aufgaben, die man selbst machen muss, sind einfach zu viel. Es überschreitet die Möglichkeit von Einzelnen und auch die von ganzen Bands ganz oft. Man braucht einfach jemand für Social Media, der Veranstalterkontakte pflegt und reaktiviert und immer wieder draufzugeht, Sachen aktiv zu buchen.

Man muss mal ab und zu eine gewisse Werbung schalten. Man muss ab und zu Promoauftritte spielen und Dinge organisieren. Man muss vielleicht auch mal bei der Firmenweihnachtsfeier sein und man braucht immer Leute, die so was arrangieren. Vor allem braucht man auch die Leute, die beständig das Social-Media-Karussell bedienen – ohne das ist es heute relativ schwierig.

Welche Frage kriegst du als Professor für Musikproduktion an der Popakademie Mannheim häufig gestellt und wie lautet deine Antwort?

Florian: Ich muss sagen, dass ich mich sehr freuen, dass in Mannheim nicht immer dieselben 3 Fragen gestellt werden. Da sind Leute von so unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Genres, Berufswünschen und Zielen, dass die Fragen extrem divers und bunt sind, die da gestellt werden. Wenn ich vielleicht eine rausdeuten könnte, wo ich häufiger um Rat gefragt werde, dann sind es in erster Linie zwei Fragen.

  1. Die eine Frage ist, ob es besser ist Spezialist oder Generalist zu werden. Also ob man sich auf bestimmte Genres oder Tätigkeit reduzieren und festlegen soll, die dann aber hervorragend machen sollte, oder ob es besser ist sich breit aufzustellen. Dazu muss ich leider sagen, dass es dazu keine wirklich gute Antwort gibt. Die Antwort liegt meistens, wenn sie richtig ist, in der Person selber.

    Es gibt einfach Menschen, die funktionieren als Spezialisten besser und es gibt Menschen, die sind in erster Linie dann wirklich zufrieden mit ihrer Arbeit, wenn sie das Gefühl haben, ein breites Spektrum von Möglichkeiten abzudecken. Das muss man sehr individuell beantworten.

    Es ist tatsächlich so, dass ein Produzent und Songschreiber, der ausschließlich das macht, unter Umständen wirklich in diesem Bereich erfolgreicher sein kann. Das war früher anders. Früher war es gut, wenn man zusätzlich viel live gespielt hat, Leute kennengelernt hat, on the road war.

    Aber heute gibt es eben diese Spezialisten, die wirklich nur genau dieses eine so konzentriert und so hochprofessionell und schnell machen, dass sie relativ viel integriert werden in Produktions- und Schreibeprozesse. Da ist es wirklich unter Umständen sinnvoll Spezialist zu werden.

    Ich glaube aber kaum, dass es sinnvoll wäre, Spezialist zu werden in Hinblick auf bestimmte Genres, weil diese sich einfach zu schnell ändern. Und ich würde sagen, solange man jung ist, ist es oft gut sich sehr breit aufzustellen, weil man Musik dann von ganz verschiedenen Seite kennenlernt und begreift.

    Wenn man das zu sehr nur aus z.B. dem Computer heraus macht, kann es sein, dass später für eine nachhaltige Karriere dann doch ein breiteres Fundament fehlt. Das ist auch der Grund, warum es so was wie eine Popakademie gibt, weil man dort einen sehr breiten Ansatz für das komplette Business und das Phänomen Pop-Musik oder Musik generell überhaupt bekommen kann.

  2. Die zweite Frage, die leider auch oft gestellt werden muss, ist die Frage, wie man körperlich, geistig und selig gesund bleibt in dem Job. Britische Studien haben mittlerweile herausgefunden, dass Songwriter, insbesondere Interpreten, Singer- Songwriter, Produzenten doppelt so hohes Risiko wie andere Berufsgruppen haben psychisch zu erkranken.

    Die Studien sind jetzt nicht 100% wissenschaftlich und nicht super belegt, aber das Thema wird ein immer größeres Thema. Und das ist wirklich bedauernswert, dass es so ist. Und andererseits muss man an diesen Stellen im Moment einfach arbeiten. Wir sehen jetzt die Folgen davon, dass die Musikbranche abhängig ist von Leuten, die sich die ganze Zeit selbst ausbeuten, die Tag und Nacht arbeiten. Die hervorragende Dienstleister und auch bereit sind, ihre eigene Kreativität ständig wieder in die Tonne zu kloppen, wenn irgendjemand in einem riesigen Team sagt, das gehört doch vielleicht ein bisschen anders oder andere Vorschläge macht.

    Diese Dinge sind nicht immer so einfach zu ertragen, wenn man andererseits das Gefühl und das Bedürfnis hat, sich selbst und seine Musik zu verwirklichen. Daher müssen Artists, Songwriter und Produzent gut auch auf sich selbst achten. Pausen einhalten. Darauf achten, dass sie tagsüber arbeiten, sozial eingebunden sind, nicht völlig in die Einsamkeit ihrer Studios und DAWs rutschen.

    Das ist jetzt in der Corona-Zeit logischerweise noch ein viel größeres Problem, als es ohnehin schon ist. Man darf nicht der Täuschung aufsitzen, bloß weil man sich mit Musik beschäftigt und das nun mal eben ein Herzensanliegen ist, dass man deswegen so ganz einfach und unbeschadet aus harter Arbeit an Musik vor allem Musik für andere hervorgehen würde. Leider gibt es auch da für unsere körperliche und geistige Integrität den einen oder anderen Stolperstein.

Florian, vielen herzlichen Dank für deine interessanten und ausführlichen Antworten! Tonstudio Wissen wünscht dir weiterhin ganz viel Erfolg im Musikbusiness und bleib‘ gesund!

Ihr möchtet mehr über Florian erfahren? Dann schaut mal auf seine Homepage vorbei:

Florian Sitzmann

Schreibe einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here