Mixing ausschließlich mit Kopfhörern ist durchaus möglich – und wie das funktioniert, wird ausführlich im Artikel erklärt:
Mixing: Perfekt abmischen über Kopfhörer – verständlich erklärt + Tipps
Doch stellt sich eine spannende Frage: Wird das Abmischen noch „einfacher“, wenn man zusätzlich ein Kopfhörer-Korrektursystem – wie es IK Multimedia mit ARC anbietet – einsetzt? Und zwar selbst dann, wenn man bereits mit einem High-End-Referenzkopfhörer wie dem AKG K812 arbeitet?
Oder lohnt sich eine solche Korrektur eher bei günstigeren Modellen?
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Genau dieser Frage bin ich in einem ausführlichen Praxistest nachgegangen. So kannst du besser einschätzen, ob der IK Multimedia ARC On‑Ear für dein Setup wirklich sinnvoll ist.
Im Folgenden bekommst du einen praxisnahen Testbericht inklusive Erfahrungen mit dem AKG K812, eine Bewertung der Raumsimulation, sowie den Vergleich mit dem Audio-Technica ATH-M50x (ein sehr beliebter Kopfhörer, der sehr oft in Tonstudios benutzt wird).
So viel kosten übrigens derzeit beide Kopfhörer:
Was ist das ARC On-Ear?

ARC On-Ear ist kein gewöhnlicher Kopfhörerverstärker – es ist ein professionelles Hardware-Monitoring-Tool, das:
- Kopfhörerfrequenzgänge neutralisiert (über 250 (!) Kopfhörer-Profile)
- eine Raumsimulation erzeugt
- Crossfeed-Algorithmen für natürliches Stereo-Hören einsetzt
- Komplett ohne DAW oder Plugins funktioniert
-> das ARC On-Ear kannst du ganz einfach an deinem Smartphone anschließen. Du erlebst wegen des guten Kopfhörerverstärkers einen deutlich besseren Sound über Kopfhörer, die du sonst wegen der Stereo-Klinke mit einem Smartphone gar nicht verbinden könntest; das funktioniert alles ohne Probleme - Kompakt, standalone und mobil nutzbar ist (auch dank des integrierten Akkus)

Praktische Funktionen lassen sich direkt über die Hardware umschalten. Mit der mitgelieferten Software kannst du alles im Detail einstellen.
Hochwertige Hardware – Studioqualität in einer kompakten Box

Die Verarbeitung ist deutlich über dem Durchschnitt:
- Robustes Aluminiumgehäuse – fühlt sich hochwertig an und hält auch täglicher Studio-Nutzung stand
-> das Raumkorrektur kostet dich keine erwähnenswerte CPU-Power, da die Berechnung im schicken Aluminiumgehäuse stattfinden. Ein Vorteil zu Software-Lösungen, die auch eine Raumsimulation über Kopfhörer versprechen. Stelle dir die Frage, ob du im Mastering-Bus wirklich noch die CPU-Power bei deinen großen Musikprojekten hast. - Schönes Detail: Das mitgelieferte 0,6 m USB-C-Kabel und 0,6 m Audiokabel sind auch in der Farbe orange und dadurch perfekt mit den leuchtenden orangefarbenen LEDs (dimmbar) und mit dem orangefarbenen Schriftzug „ARC On-Ear“ abgestimmt, der auf dem Travel Case (eine Schutzhülle für das Gerät; dort lassen sich auch die Kabel verstauen) und auf dem Gerät zu sehen ist. Ich freue mich auch wirklich sehr über solche kleinen und schicken Details.
- ES9290 Hi-Fi DAC mit 116 dB Dynamikumfang – extrem rauscharme und detailreiche Wandlung
- 200 mW Kopfhörerverstärker – ausreichend Leistung selbst für anspruchsvolle Studiokopfhörer
-> Es hat mich wirklich überrascht, wie gut der Kopfhörerverstärker ist. Es klingt deutlich besser als bei dem SPL Crimson 3 Audiointerface, das immerhin mal ca. 700 € gekostet hat. Das heißt, der Kauf lohnt sich bereits, um einen sehr guten Kopfhörerverstärker zu bekommen – auch wenn du erst einmal das eigentliche Korrektursystem nicht nutzt! - Digital gesteuerte analoge Lautstärkeregelung – kein Dynamikverlust bei niedrigen Pegeln
- Frei belegbare FN-Taste für schnelle Abhörwechsel (Mute, Dim, A/B und mehr)

Du kannst das Gerät über USB-C (digital) oder 3,5 mm analog nutzen – ideal für Laptop, Audio-Interface oder mobiles Mixing. Leider ist jeweils die Kabellänge von 0,6 m nur in Ordnung, wenn du das ARC On-Ear direkt neben einem Laptop stellst. Für mein Studiosetup, wenn ich es an meinem Desktop-PC anschließe, ist das Kabel zu kurz.
Beim IK Multimedia ARC On‑Ear erzielt man über den digitalen USB-C-Input in der Regel die beste und neutralste Klangwiedergabe, da hier der interne DAC des Geräts voll genutzt wird und die Kalibrierung in Studioqualität optimal arbeitet.
Wenn du stattdessen den analogen 3,5 mm-Eingang verwendest, kann die Soundqualität im direkten Vergleich etwas „flacher“ oder weniger detailreich wirken – besonders, wenn die analoge Signalquelle selbst nicht extrem rauscharm und leistungsstark ist. In dieser Betriebsart ist der ARC ON-Ear mehr als klassischer Verstärker unterwegs und nutzt weniger den hochwertigen digitalen Pfad.

Praktisch: Das ARC On-Ear ist kein klassisches Mehrkanal-Audiointerface, aber es kann über USB-C als hochwertiger DAC/Preamp fungieren und damit die Hauptausgabestelle für deine Kopfhörer werden, auch ohne zusätzliche Soundkarte.
Was heißt DAC? Ein DAC (Digital-Analog-Wandler) wandelt digitale Audiosignale (also die 0 und 1 aus deinem Computer, Smartphone oder Tablet) in ein analoges Signal um, das deine Kopfhörer oder Lautsprecher tatsächlich wiedergeben können.
Auch Interessant -> Was ein besserer Verstärker wirklich besser macht:
| Aspekt | schlechter Verstärker | guter Verstärker |
|---|---|---|
| Verzerrungen | hörbar | kaum messbar |
| Rauschen | hörbar | sehr gering |
| Leistung | limitiert | stark |
| Kopfhörer-Antrieb | schwach | kraftvoll |
| Neutralität | oft nicht gegeben | sehr neutral |
| Detailauflösung | begrenzt | hoch |
Frequenzkorrektur mit dem AKG K812 – Selbst die Referenz hört sich neutraler an

Ich nutze in meinem Setup den AKG K812 – einen der besten Kopfhörer auf dem Markt. Ohne Korrektur liefert er ein Klangbild, mit dem man abmischen kann.
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Mit ARC On-Ear bekommt man aber noch mehr:
- Subbass besser hörbar
- Subtile, aber spürbare Linearität im Bass
- Neutralere Mitten ohne Betonungen
- Weniger (!) Höhen
- Detailgetreuere Transientenwiedergabe

Dadurch wirkt der Frequenzgang noch neutraler, und gerade bei kritischen EQ-Entscheidungen fühlt man sich sicherer. Selbst bei einem Referenz-Kopfhörer wie dem K812 merkt man: die Korrektur macht hörbar präzisere Mischentscheidungen möglich.
Hinweis: „Phase Align“ sollte aktiviert werden, damit der korrigierte Frequenzgang nicht nur im Pegel, sondern auch zeitlich korrekt wiedergegeben wird. Durch die Phasenkorrektur werden Frequenzen präziser ausgerichtet, was zu einer klareren Stereoabbildung, definierteren Transienten und einem insgesamt natürlicheren Klangbild führt. So kann die Frequenzgang-Korrektur ihr volles Potenzial entfalten – besonders bei kritischem Mixing und Mastering.
Wie gut funktioniert die Raumsimulation beim Mixing?
Die ehrliche Antwort: Teilweise – aber nicht vollständig.
Sehr überzeugend: Das Crossfeed
Das integrierte Crossfeed ist (wird hier „Studio Simulation“ genannt) – ähnlich wie bei Lösungen von SPL – wirklich gelungen.
Das bedeutet:
- Keine extreme Links/Rechts-Trennung mehr
- Deutlich natürlichere Stereobühne
Gerade beim Beurteilen von Hallräumen im Mix ist das ein riesiger Vorteil. Reverbs lassen sich präziser einstellen, ohne dass es später über Lautsprecher unangenehme Überraschungen gibt.
Klingt es wirklich wie aus echten Studiolautsprechern?
Hier wird es differenzierter.
Trotz aktivierter Funktionen wie Ambience oder Virtual Speakers bleibt der Klang subjektiv näher am Ohr als bei echten Studiomonitoren im Raum. Der physische Abstand zwischen Lautsprecher und Hörer lässt sich naturgemäß nicht vollständig simulieren.
Allerdings:
- Ambience ist angenehm dezent umgesetzt
- Keine künstlich aufgeblähte „Hallwolke“
- Eher subtil wirkende frühe Reflexionen – wie in einem gut behandelten Regieraum
Das sorgt für mehr Natürlichkeit, ohne den Mix weichzuzeichnen oder Details zu verschleiern.
Ich persönlich empfinde die Kombination aus aktiviertem Crossfeed, Ambience und Virtual Speakers als die sinnvollste Einstellung fürs Mixing über Kopfhörer.
Welche Lautsprechersimulation überzeugt am meisten?
Bei der Auswahl der virtuellen Lautsprecher gefällt mir besonders der „Main 7“. Diese Einstellung wirkt für mich am ausgewogensten und am ehrlichsten.
Allerdings können je nach Geschmack viele weitere Lautsprecher ausgewählt werden – sogar Smartphone- oder TV-Lautsprecher. Grundsätzlich erkennt man, welche bekannten Lautsprechermodelle sich dahinter verbergen.
Hörerlebnis der Raumsimulation
- Keine künstliche Distanz: Die Quelle klinkt nicht „weiter weg“
- Natürlicher Crossfeed: Kein getrenntes L/R-Im-Kopf-Gefühl; super umgesetzt, damit kann man Hallräume mischen
- Stabilere Tiefenstaffelung – reverb- und hallwirksame Effekte lassen sich präziser beurteilen
Das Ergebnis ist ein Lautsprecherklangbild, das nah an deinen Ohren ist – damit lassen sich Lautstärkeverhältnisse, Panning, EQ-Einstellungen, Kompressoren, Saturation, Reverbs und Delays sehr gut abmischen.
Unterschied zu ATH-M50x

Beide Kopfhörer profitieren deutlich von der Korrektur durch das IK Multimedia ARC On-Ear.

Die Frequenzkorrektur greift bei beiden Kopfhörern deutlich ein. Siehe Abbildung oben und noch weiter oben. Das hilft tatsächlich sehr, Frequenzen noch besser beim Abmischen zu beurteilen. Beim hin- und herschalten zwischen originalen Klang und der Frequenzkorrektur kann man die Kurven heraushören.
- Beim Audio Technica ATH-M50x klingen Bässe und Höhen überbetont.
- Beim AKG K812 ist die Kick tatsächlich etwas leiser und die Höhen präsent.
Der AKG K812 hingegen arbeitet grundsätzlich präziser – insbesondere bei Transienten. Genau das ist entscheidend, wenn du beurteilen möchtest:
- Ob ein Kompressor überhaupt nötig ist
- Wie stark er eingreifen sollte
- Und wie du Attack- und Release-Zeiten klanglich sinnvoll einstellst
Saubere Transienten helfen dir enorm bei dynamischen Entscheidungen im Mix.

Hört man mit ARC On-Ear einen Unterschied zwischen AKG K812 und ATH-M50x?
Ganz klar: Ja.
Im direkten Vergleich – mit aktivierter Calibration, Studio Simulation und Virtual Speakers (bei den ARC On-Ear Einstellungen) – zeigt sich immer noch ein deutlicher Unterschied.
Der ATH-M50x klingt trotz Korrektur etwas zusammengedrückter und weniger differenziert. Einzelne Instrumente wirken minimal „zusammengeschoben“, leicht komprimiert. Feine Details gehen schneller unter. Insgesamt klingt der Sound etwas „matschiger“. Bitte aber nicht falsch verstehen: Trotzdem kann man mit dem Kopfhörer im Zusammenhang mit dem ARC On-Ear deutlich besser abmischen. Auch bei so einem Kopfhörer lohnt sich der ARC On-Ear.
Der AKG K812 hingegen arbeitet jedoch hörbar sauberer heraus:
- Bessere Separation einzelner Instrumente
- Mehr Transparenz im Mittenbereich
- Klarere Tiefenstaffelung
- Höhere Detailauflösung
Einzelne Elemente bleiben definierter und besser ortbar.
Der oft unterschätzte Faktor: Der Kopfhörerverstärker
Ein weiterer wichtiger Punkt: Beide Kopfhörer profitieren deutlich vom integrierten Kopfhörerverstärker des ARC On-Ear.
Viele Audiointerfaces sparen genau hier – beim Kopfhörerverstärker. Das kann dazu führen, dass selbst ein hochwertiger Kopfhörer sein Potenzial nicht vollständig entfaltet.
Vielleicht klingt dein teurer Kopfhörer deshalb weniger beeindruckend, als du es erwartest – und wird von dir seltener genutzt, als er es eigentlich verdient hätte?
Ein hochwertiger Verstärker sorgt für:
- Mehr Kontrolle im Bass
- Bessere Dynamik
- Klarere Transienten
- Weniger Verzerrung bei höheren Pegeln
Gerade bei Referenzkopfhörern wie dem AKG K812 ist das kein Detail, sondern ein entscheidender Qualitätsfaktor.
Praxistipp für dein Mixing
Wenn du ARC On-Ear mit einem Kopfhörer nutzt, bekommst du:
- Kräftigere Wiedergabe
- Neutralere Frequenzwiedergabe
- Natürliche Stereo-Balance ohne künstlichen „Kopfhörer-Sound“
- Mehr Vertrauen in Mixentscheidungen
Ich habe mir das IK Multimedia ARC On-Ear selbst gekauft – und bin wirklich begeistert.
Gerade wenn du dich ständig dabei ertappst, zwischen Kopfhörern und Studiomonitoren hin- und herzuschalten, weil du deinem Mix im Homestudio nicht zu 100 % traust, kann dieses System ein echter Gamechanger sein. Besonders in akustisch nicht perfekt optimierten Räumen hilft dir ARC On-Ear dabei, Mischentscheidungen sicherer und konsistenter zu treffen.
Die Kombination aus Kopfhörerkorrektur, Crossfeed und dezenter Raumsimulation sorgt dafür, dass du Hallräume, Stereoabbildung und Tiefenstaffelung deutlich realistischer beurteilen kannst – ohne die typischen „Im-Kopf“-Probleme klassischer Kopfhörer.

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Ja, das System simuliert nicht vollständig die physische Distanz zwischen deinen Ohren und echten Lautsprechern im Raum. Aber das ist in der Praxis weniger entscheidend, als man zunächst denkt. Entscheidend ist, dass deine Mixe besser übersetzen – und genau dabei unterstützt dich das ARC On-Ear spürbar.
Für mich ist es deshalb eine klare Kaufempfehlung – besonders für ambitionierte Homestudio-Produzenten und alle, die viel über Kopfhörer mischen und dabei professionelle Ergebnisse erzielen möchten.
Fazit – Professionelles Mixing mit Kopfhörern
Das IK Multimedia ARC On‑Ear ist ein hochwertiges Tool für ernsthafte Musiker, Producer und Mixing-Ingenieure.
✔ Professionelle Hardware
✔ Neutralere Klangwiedergabe
✔ Eine Raumsimulation, die beim Abmischen sehr hilft
✔ Verbesserte Mix-Entscheidungen
✔ Ideal für Homestudio-Setups
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Wenn du – wie ich – bereits hochwertige Kopfhörer wie den AKG K812 nutzt, wirst du feststellen: ARC On-Ear bringt selbst dann eine nochmals präzisere, neutralere Abhörbasis, die deine Mixe zuverlässig auf andere Systeme übersetzbar macht. Sofern du irgendwas mit deinen Kopfhörern nicht beurteilen kannst, wird dir das ARC On-Ear sehr gute Dienste leisten. Versprochen!












